Oberaargauer möchten ihre Hütte ob Zermatt behalten

Die Rothornhütte ist stark sanierungsbedürftig. Jetzt investiert der SAC Oberaargau 20'000 Franken für eine Studie, die zeigen soll, was am meisten Sinn macht: Totalsanierung, Neubau oder doch Aufgabe der Hütte.

Die Rothornhütte auf 3198 Metern über Meer oberhalb von Zermatt gehört dem SAC Oberaargau. Sie ist in einem schlechten Zustand.

Die Rothornhütte auf 3198 Metern über Meer oberhalb von Zermatt gehört dem SAC Oberaargau. Sie ist in einem schlechten Zustand. Bild: zvg

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Wie weiter mit der Rothornhütte? Diese Frage stand am Freitagabend im Zentrum der Generalversammlung des SAC Oberaargau in Aarwangen. Die anwesenden 86 Mitglieder (von total 1025) gaben ein klares Votum für den Erhalt der oberhalb von Zermatt gelegenen, stark sanierungsbedürftigen Berghütte ab.

Mit bloss einer Gegenstimme sprachen sie einen Kredit von 20'000 Franken. Mit diesem Geld werden eine Bedarfsanalyse erstellt und ein Vorprojekt erarbeitet. Dieses soll Lösungsmöglichkeiten für die Zukunft der Hütte aufzeigen. Basierend darauf wird die nächste Generalversammlung in einem Jahr dann den definitiven Entscheid darüber fällen, wie es mit der Hütte weitergeht.

Die verschiedenen Varianten

Grundsätzlich gibt es laut Hüttenchef Jörg Kohler sechs Möglichkeiten: Totalsanierung, Teilsanierung, Neubau am gleichen Standort, Neubau an einem neuen Standort, Verkauf, Stilllegung.

Die Variante Teilsanierung ist keine Alternative, weil die Hütte in einem desolaten Zustand ist. Sie steht auf schlechtem Baugrund und auftauendem Permafrost; die Fassade hat Risse, es sind Zugbänder nötig; das Dach ist undicht und nur provisorisch repariert; im Innern ist es feucht, eine Heizung fehlt; die Fäkalien gelangen vom Plumpsklo ungereinigt in die Umwelt.

Wie Kohler ausführte, soll das Vorprojekt mindestens zwei Varianten (Totalsanierung und Neubau) aufzeigen, damit diese miteinander verglichen werden können. Sollte sich zeigen, dass weder das eine noch das andere infrage kommt respektive finanzierbar ist, könnte die Generalversammlung immer noch Nein sagen zu einer Investition und sich wohl oder übel für die Aufgabe der Hütte entscheiden, wie Präsident André Beyeler sagte.

1,5 bis 2,5 Millionen Franken

Neubauten oder Sanierungen mit Anbau kosten pro Schlafplatz 30'000 bis 50'000 Franken. Für eine Hütte mit 50 Plätzen bedeutet das eine Investition von 1,5 bis 2,5 Millionen Franken. Beyeler und Kohler machten klar, dass mehr als 2 Millionen Franken für die Oberaargauer SAC-Sektion kaum finanzierbar seien. Und Beyeler sagte auch: «Die Hütte wird nie rentabel sein.»

Erst 2010 hat der SAC Oberaargau seine zweite Hütte, die Dossenhütte im Berner Oberland, für 995'000 Franken um- und ausgebaut. Die Hypothek über 80'000 Franken wird im Sommer 2016 abbezahlt sein. Die 20'000 Franken für das Rothornhütte-Vorprojekt finanziert der Verein aus dem Fonds für die Hütte, in dem derzeit 81265 Franken liegen.

Sollte die Generalversammlung in einem Jahr Ja sagen zu einem Sanierungs- oder Neubauprojekt, könnte dieses frühestens 2018/2019 realisiert werden. Bis dahin wird nur noch das Nötigste investiert dafür, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Bis im Juli müssten diverse Brandschutzauflagen erfüllt werden. Kohler hofft, diese mit Verweis auf die Zukunftsabklärungen grösstenteils aufschieben zu können.

1948 erbaut

Das Vorprojekt wird vom Zermatter Architekturbüro Arnold Perren Zurniwen GmbH erarbeitet. Dieses hat Erfahrung mit solchen Neubauten (Monte-Rosa- und Hörnlihütte). Architekt Hans Zurniwen ist der Bruder von Hüttenwartin Stephanie Zurniwen. Schon ihr Vater war Hüttenwart der Rothornhütte.

Diese liegt auf 3198 Meter über Meer und ist Ausgangspunkt für Zinalrothorn, Obergabelhorn und andere Gipfel. Die Saison ist nur kurz, die Hütte ist von Mitte Juli bis Mitte September bewartet und hat 68 Schlafplätze. In einer normalen Saison übernachten um die 1500 Personen dort, im letzten Jahr waren es rund 1000 weniger; es resultierte ein Verlust von 1420 Franken. Die Hütte wurde 1948 im Gedenken an den 1947 in der Nähe in einem Schneebrett verstorbenen Rudolf Gugelmann gebaut – mit einem Legat von 120'000 Franken der Langenthaler Industriellenfamilie. (Berner Zeitung)

Erstellt: 02.03.2015, 06:11 Uhr

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