Nicht alle haben Freude am Biber

Thörigen/Bleienbach

Als Sofortmassnahme dürfen in der Altache in Thörigen Biberdämme entfernt werden. «Nur eine Symptombekämpfung», wie Karin Thüler Egger vom Jagdinspektorat sagt. Dauerhafter wäre eine Renaturierung.

An der Altache in Thörigen mussten im November Biberdämme entfernt werden.

An der Altache in Thörigen mussten im November Biberdämme entfernt werden.

(Bild: zvg/Urs Trosech)

«An der Altache herrschen ein paar Besonderheiten», sagt Christoph Matti, Projektleiter Wasserbau beim Oberingenieurkreis IV des Kantons Bern, und zählt einige davon auf: fehlendes Gefälle, steiles Trapezprofil, Drainageleitungen, Smaragd-Gebiet und Biber. Letzterer ist der Grund, weshalb sich Ende November Vertreter der Gemeinde Thörigen, der Grundeigentümer, der Landwirte, der Naturförderung und des Kantons zu einer Altache-Begehung aufgemacht haben.

Der Biber bereitet der Gemeinde Thörigen und den Anstössern der Altache seit längerem Sorgen. Durch den Bau seiner Behausungen entstehen grosse Dämme, das Wasser wird gestaut, die Drainageleitungen bleiben voll Wasser, und das Kulturland versumpft. Bei Hochwasser spitzt sich die Situation schnell zu, die Altache tritt über die Ufer und überschwemmt das Kulturland und im schlimmsten Fall die Einrichtungen der Firma Dätwyler in Bleienbach.

Pragmatische Lösung

Um die Biberdämme in der Moosmatte und bei der Gemeindeverwaltung entfernen zu dürfen, erhielt die Gemeinde Thörigen im November vom Kanton eine Bewilligung. Künftig soll eine Leistungsvereinbarung weitere solche Massnahmen möglich machen, Details werden derzeit ausgearbeitet.

«Diese pragmatische Sofortmassnahme entschärft den Konflikt nur kurzfristig und erleichtert den Unterhalt», erklärt Karin Thüler Egger. Sie ist Fachbereichsleiterin Wildtiere im Jagdinspektorat des Amtes für Landwirtschaft und Natur (Lanat) des Kantons Bern. «Den Damm zu entfernen, ist jedoch eine Symptombekämpfung und wird solange vollzogen, bis sich andere mittel- und langfristige Lösungen anbieten.» Das kann die Renaturierung der Altache sein. Dabei wird versucht, die drei Komponenten Biber, Landwirtschaft und Hochwasserschutz miteinander zu verbinden.

Mit der Revision der Jagdverordnung auf Bundesebene gibt es sogar die Möglichkeit, den Biber abzuschiessen. Die Details müssen aber gemäss Karin Thüler im Konzept Biber Schweiz erst geregelt werden. «Diskussionen über einen Abschuss können deshalb zum jetzigen Zeitpunkt ohne diese Grundlagen nicht geführt werden», hält sie fest. Das Abschiessen und Ausrotten des Bibers ist denn auch nicht der Wunsch von Gemeinderat Sandro Moret, Präsident der Baukommission Thörigen. «Es geht um ein Leben miteinander», betont er.

Win-win-Situation

«Wenn die an der Begehung besprochenen Massnahmen kurz- und langfristig umgesetzt werden können, haben wir eine klassische Win-win-Situation», ist Christof Angst von Biber Schweiz überzeugt. Wie der Biologe erklärt, muss das Dammentfernen im Frühling und/oder vor dem Winter durchgeführt werden. «Denn wird im Winter ein Damm, der den Wohnbau schützt, entfernt, können vor allem Jungbiber des Jahres an ihre Grenzen kommen.»

Bei Bedarf wird die Altache-Begehung in einem Jahr wiederholt. «Wichtig ist, dass die Gemeinde Thörigen die Bestockungspflege und lokale Krautentfernungsaktionen aus der Altache-Sohle in der nächsten Zeit ausführen darf», sagt Christoph Matti.

Teilweise subventioniert

Das Entfernen der Biberdämme hat die Gemeinde rund 800 Franken gekostet. «Die Arbeiten haben unsere Landwirte unter Aufsicht des Wildhüters erledigt und sie uns dann in Rechnung gestellt», so Sandro Moret. Das herausgeholte Material wurde in die Kompostieranlage gebracht. «Wenn wir diese Arbeiten künftig zusammen mit der Bachpflege erledigen können, ist es für die Gemeinde ein wenig günstiger, weil die Bachpflege subventioniert wird», erklärt Moret, der mit der getroffenen Lösung sehr zufrieden ist.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt