Neumattbrücke ist montiert und bereit

Burgdorf

Am Donnerstag ist die Neumattbrücke über die Emme gehievt worden. Die Holzbogenbrücke verbindet ab Sommer Burgdorf mit Kirchberg. Sie dient aber auch als Zugang zum Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes.

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Urs Egli

«Das ist schon eine ziemlich grosse Sache und sicher nicht alltäglich», sagt Martin Fankhauser. Der Montageleiter der Kranfirma Senn AG ist verantwortlich für den Hub der 116 Tonnen schweren Neumattbrücke über die Emme. Just auf der Höhe des Eissportzentrums verbindet die neue Brücke die Gemeinden Burgdorf und Kirchberg.

Zwei Tage haben die Spezialisten der Senn AG gebraucht, um den Raupenkran mit einer Zugkraft von 1200 Tonnen vor Ort zusammenzubauen. Gestern punkt 8 Uhr setzten sich die Rollen und Seile des Kranauslegers in Bewegung und hoben die Holzbrücke Zentimeter für Zentimeter an. Bald einmal schwebte die 60 Meter lange und 6,5 Meter breite, während der Montage auf einem Stahljoch ruhende Holzbrücke einige Meter über dem Boden. Hunderte von Zuschauern beidseits der Emme folgten den Bewegungen des Riesenkrans, von denen es in ganz Europa nur zwei Exemplare gibt.

Blitzschutz ist eingebaut

Um 9.30 Uhr war das Spektakel vorbei. Die längste frei gespannte Holzbogenbrücke der Schweiz sass auf den Widerlagern am linken und rechten Ufer der Emme. «Brücke und Fundament passen millimetergenau», freute sich Michael Schär, Kommunikationschef der Hector Egger Holzbau AG. Die Langenthaler Firma hatte die Bogenbrücke mit einheimischen Nadel- und Laubhölzern gebaut. Für die knapp 100 Tonnen schwere Holzkonstruktion wurden gegen 200 Bäume verbaut, davon gut 50 Laubbäume.

Die Neumattbrücke wurde nach Plänen von Architekt Martin Arn, Münchenbuchsee, und dem Berner Ingenieurbüro Ingenta AG, konstruiert. Die 6 in Langenthal vorgefertigten Fachwerkträger sowie die 5160 Teile für den Brückenboden und die Decke wurden in den letzten sechs Wochen neben der Localnet-Arena in Burgdorf zusammengebaut. Ausgeführt wurden ebenso die Spenglerarbeiten auf dem Dach der Holzbrücke sowie der Blitzschutz. Der Boden ist 60 Meter lang, das Dach 70 Meter.

«Eine reine Holzbrücke»

Im Gesamtgewicht von 116 Tonnen sind auch 18 Tonnen Stahl enthalten. Doch allein die Befestigungstechnik ist aus Stahl. Schär betont: «Die Neumattbrücke ist eine reine Holzbrücke, die ohne Stahl trägt.» Der Bogen besteht allein aus Holzbalken. Diese wurden aus drei bis vier Zentimeter dicken Holzlamellen zusammengeleimt und gleichzeitig gebogen. Ebenfalls aus unbehandeltem Naturholz sind die Lamellen, die entlang der Brücke montiert wurden und Fussgänger und Zweiradfahrer vor Wind und Wetter schützen sollen.

Bereit für das Schwingfest

«Sehr zufrieden mit der millimetergenauen Massarbeit» zeigte sich gestern Hans-Jörg Riesen, Projektleiter der Baudirektion Burgdorf. Er ist zuversichtlich, dass die Neumattbrücke nach dem Bau der Rampen bis Anfang Juli von der Bevölkerung benutzt werden kann. Rechtzeitig vor dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest, das vom 30.August bis 1.September in Burgdorf stattfinden wird. Dies ist denn auch der Grund, weshalb die Neumattbrücke im Volksmund Schwingersteg genannt wird.

Im Notfall über die Brücke

Die Neumattbrücke wird von den Einwohnergemeinden Burgdorf und Kirchberg als Langsamverkehrbrücke bezeichnet, weil dank dieser die Radwegverbindung Kirchberg-Burgdorf attraktiver geführt werden kann. Die Brücke dürfte laut Burgdorfer Baudirektion primär von Schülern, Studenten und Pendlern genutzt werden. Ebenso werde der Zugang zum regionalen Eissportzentrum für die Radfahrenden aus dem Einzugsgebiet nördlich der Emme verbessert. Und Michael Schär versichert: «Im Notfall, zum Beispiel beim Schwing- und Älplerfest, könnte die Holzbrücke auch von einem Krankenwagen befahren werden.» Aus statischen Gründen sei dies kein Problem.

Der Bau der Neumattbrücke ist auf 1,78 Millionen Franken veranschlagt. Burgdorf und Kirchberg teilen sich die Kosten hälftig. Abzüglich der Beiträge von Kanton, Bund und Bernischer Waldbesitzer von zusammen 865000 Franken müssen die Gemeinden nur noch je 440000 Franken bezahlen.

Berner Zeitung

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