Nach der Aare bevölkern die Biber jetzt die Nebenflüsse

Oberaargau

Die Lotzwiler Nagerfamilie ist nur eine von mehreren Biberkolonien in der Region. Die Tiere breiten sich seit ihrer Rückkehr Ende der Neunzigerjahre immer mehr aus. Vor allem die Aarezuflüsse werden in Beschlag genommen.

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Patrick Jordi@jordipatrick

Lange Zeit galten die Biber hierzulande als ausgerottet. Vor rund 60 Jahren dann wurden erste Tiere in der Ost- und Westschweiz wieder angesiedelt. Seither ist der Biber im Mittelland auf dem Vormarsch. Im Oberaargau liess er sich Ende der Neunzigerjahre an der Aare nieder. Zuerst in Wangen an der Aare, dann auch bei Aarwangen und Schwarzhäusern. Doch mittlerweile wurde es dem Biber entlang der Aare zu eng. Seit einigen Jahren weichen die Nagetiere auf die Aarezuflüsse aus und bevölkern diese zusehends.

Deshalb wird im Auftrag des Jagdinspektorats im Oberaargau demnächst ein Bibermonitoring durchgeführt. Dabei schreiten Freiwillige die Flüsse ab und zählen Biberspuren. Aufgrund der Daten soll der aktuelle Bestand geschätzt werden können.

Verdopplung in fünf Jahren

Peter Lakerveld, Leiter des Projekts «Hallo Biber Mittelland» von Pro Natura, geht mittlerweile von 50 Tieren aus, die sich in der Region auf 15 bis 20 Reviere aufteilen. Vor fünf bis sechs Jahren seien es nur etwas mehr als halb so viele Tiere und Kolonien gewesen.

Entlang der meisten Flüsse verläuft die Rückkehr des Bibers ohne Nebengeräusche. Mancherorts besteht aber dennoch Konfliktpotenzial. Oder dem Biber stellen sich Hindernisse in den Weg. Einen Überblick gibt Biberexperte Peter Lakerveld: Önz: Als ersten Nebenfluss der Aare besiedelte der Biber vor rund zehn Jahren die Önz. Dementsprechend gross ist die Erfahrung der Lokalbevölkerung im Umgang mit den Tieren. Viele Landwirte wissen mittlerweile um die Notwendigkeit eines Pufferstreifens entlang der Flüsse. Bei Graben wurde ein Renaturierungsprojekt realisiert, um dem Biber mehr Lebensraum zu geben. Eine Anstösserin stellte dafür Land zur Verfügung. Bei Herzogenbuchsee wurden zudem Obstbäume mit Draht eingefasst, damit die Tiere die Stämme nicht annagen.

Rot: Nur lobende Worte findet Biologe Lakerveld für die Landwirte ganz im Osten des Oberaargaus. An der Rot zwischen St.Urban und Untersteckholz seien die Anstösser besonders aufgeschlossen. Es wurden zahlreiche Weiden gepflanzt, die zur Leibspeise des Bibers gehören.

Langete: Dieses Gewässer fordert die Biber ganz besonders heraus, nicht nur wegen des schmalen Uferdamms in Lotzwil. Im Zentrum von Langenthal wird die Langete zum Nadelöhr. Die Hausmauern engen den Fluss stark ein und erschweren das Vorwärtskommen der Tiere. Problematisch ist auch, dass die Biber in der Stadt nur bedingt über das Ufer ausweichen können, wenn sich ihnen im Fluss eine Schwelle in den Weg stellt. Laut Peter Lakerveld laufen Gespräche mit Eigentümern, um die Situation zu verbessern.

Altache: Besondere Bedingungen herrschen auch an der Altache bei Bleienbach. Weil der Nebenfluss der Önz derart schmal und begradigt ist, haben die Biber damit begonnen, das Gewässer zu stauen. «Eine natürliche Reaktion», wie Biologe Lakerveld weiss. Das wiederum stellt die Landwirte vor Probleme. Dem Biberexperten schwebt daher eine langfristige Lösung in Form einer Renaturierung vor. «Der Bach ist sowieso sanierungsbedürftig.» Die Renaturierung könnte mit einer Landumlegung einhergehen.

Die Ausbreitung dauert an

Auch in den kommenden Jahren wird sich der Biber im Oberaargau weiter ausbreiten. Davon ist Peter Lakerveld überzeugt. Zu Konflikten werde es daher auch in Zukunft kommen. Nicht zuletzt deshalb, weil die Tiere in immer kleinere Nebengewässer vordringen und – wie in der Altache – die Flüsse stauen und so Überschwemmungen verursachen. Viel lieber aber unterstreicht der Biologe die positiven Eigenschaften des Bibers. Das Tier gestalte die Umgebung auf natürliche Weise und schaffe neue Lebensräume. «Wo der Biber siedelt, gewinnt die Artenvielfalt», sagt Lakerveld, der in seiner Funktion als Biologe auch ein Mandat des Artenförderungsprojekts Smaragd-Gebiet Oberaargau innehat.

Berner Zeitung

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