Musik, prickelnd wie Champagner

Langenthal

Die Premiere von «L’italiana in Algeri» im Rosengarten der Alten Mühle in Langenthal versetzte das Publikum am Mittwochabend mit leichten Melodien in Champagnerlaune.

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Uraufgeführt wurde «L’italiana in Algeri» von Gioachino Rossini 1813 in Venedig. Mit triumphalem Erfolg. Erfolgreich war auch die Premiere der Gartenoper Langenthal, Ausgabe 2014. Es ist die gesamte Inszenierung in der romantischen Umgebung im Rosengarten hinter der Alten Mühle, die das Publikum verzaubert; die leichten Melodien und vibrierenden Rhythmen, die professionellen Interpreten, das Gartenoper-Orchester und der Chor.

Glanzvoller Belcanto

Betörender Rosenduft, Blätter bewegen sich im Sommerwind und Schwalben segeln am Abendhimmel, als die ersten Takte der Ouvertüre erklingen. Bedächtig und sanft lassen sie den Besuchern Zeit, das Bühnenbild mit dem Palazzo des Bey von Algier zu betrachten. Die Musik wird spritziger, Dynamik und Tempo gesteigert, da erscheint das Schiff von Isabella und ihrem Begleiter Taddeo. Noch bevor die Musik mit einem Crescendo in ein grosses Finale mündet, werden die beiden von algerischen Korsaren gekapert.

Rossinis Proseccomusik mit moussierendem Charme, zartem Piano und übermütiger Dynamik betört die Zuschauer vom ersten Ton an. Das speziell zusammengestellte Opernorchester, unter der musikalischen Direktion von Bruno Leuschner, setzt die Musik glanzvoll um. Ebenso hohen Anforderungen gerecht wird der Gartenoper-Chor, geleitet von Ewald Lucas.

Inszeniert wurde die aufwendige Opernaufführung vom deutschen Regisseur Thomas Dietrich mit einem Bühnenbild von Marianne Ingold: Ein Palazzo ins Meer hinaus gebaut, drei Balkons, Treppen und Stiege ermöglichen viele Varianten zum Spielen. Ein Blickfang sind detailgetreue Kostüme. Besonders die prächtigen orientalischen Gewänder von Brigitte Wolf fallen ins Auge.

Exotische Handlung

Auf der Suche nach ihrem Geliebten Lindoro gerät Isabella in Gefangenschaft. Mustafa, Bey von Algier, verliebt sich unsterblich in die schöne Italienerin. Ihr gelingt es, nicht nur Lindoro, sondern auch ihre Landsleute zu befreien und gemeinsam nach Italien zurückzukehren. Überbordende Ensembleszenen, schräge Situationskomik und funkelnde Ironie folgen Schlag auf Schlag. Regungslos verfolgen zwei Bodyguards auf dem obersten Balkon das turbulente Treiben. Blond gelockte Stewardessen versinnbildlichen den Harem des Beys, wirkungsvoll dargestellt vom Chor.

Eine Badeszene auf dem Balkon, als sich Mustafa auf den Empfang der schönen Italienerin vorbereitet, sorgt im Publikum für Schmunzeln, ebenso wie das Finale im ersten Akt. Ein verwirrendes Parlando, jeder glaubt den Verstand zu verlieren, und alle hören sonderbare Geräusche im Kopf.

Internationale Solisten

In der Paradepartie als Isabella bezirzt die verführerische Simona Mango den Bey von Algier nicht nur mit Koloraturgirlanden. Raffiniert führt ihn die Primadonna an der Nase herum. Kern der Handlung ist der vergnügliche und durchaus ungleiche Kampf zwischen einem blind verliebten Egomanen und den Waffen einer starken Frau. Als Bey von Algier überzeugt Bart Driessen mit wohltönenden Bass und enormer Bühnenpräsenz.

Rebekka Maeder ist den Besuchern der Gartenoper in bester Erinnerung. Sie bezaubert als Elvira mit ihrer Ausstrahlung und ihrem schön timbrierten lyrischen Sopran. Michael Nowak mit seinem hellen, federnden Rossini-Tenor beweist als Lindoro auch Höhensicherheit. Glanzpunkte setzen Eric Förster als Korsarenhauptmann Haly und Nadia Catania als Sklavin Zulma. In der Buffopartie verkörpert Bariton Ulrich Eggimann Taddeo in komischer Nonchalance und wird zum Publikumsliebling.

«Viele Zahnräder müssen zusammenspielen, damit die ganze Mühle wieder in Bewegung versetzt wird. Es braucht insgesamt 150 Mitwirkende zum erneuten Öffnen der Rosengarten-Pforte», sagte ein glücklicher Beat Wälchli, Präsident des Vereins Gartenoper Langenthal. Sein Engagement als Initiant und die hohe Professionalität wurde von Stadtpräsident Thomas Rufener gewürdigt: «Dieses kulturelle Ereignis strahlt über Langenthal und die Region hinaus.»

Spieldaten und weitere Infos: www.gartenoper-langenthal.ch.

Berner Zeitung

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