Moslems wollen trotzdem bauen

Langenthal

Enttäuschung bei den Langenthaler Muslimen: Seit Jahren ist ihr Baugesuch für ein Minarett hängig. Nun sagt die Schweiz Nein zu den Minaretten. Trotz dem klaren Ausgang wollen die Muslime ihr Gesuch nicht zurückziehen.

Klarer Ausgang: Im Gemeinschaftsraum unterhalb der Langenthaler Moschee verfolgen Muslime den Abstimmungsverlauf.

Klarer Ausgang: Im Gemeinschaftsraum unterhalb der Langenthaler Moschee verfolgen Muslime den Abstimmungsverlauf.

(Bild: Andreas Marbot)

Der Gemeinschaftsraum der Langenthaler Moschee: Kein Dutzend Muslime, ausschliesslich Männer, sitzt an dunklen Tischen. Kaum jemand spricht ein Wort. Im Fernsehen läuft eine Sendung zur Abstimmung. Erneut wird eine Karte der Schweiz eingeblendet: Überall grüne Flecken. Noch kein Kanton hat bis jetzt die Anti-Minarett-Initiative abgelehnt. Die hier versammelten Muslime kämpfen seit Jahren für ihr Minarett . Einer der Männer steht auf, verabschiedet sich. «Demokratie?», sagt er laut. «Wo Demokratie? Wenn Elefant gegen eine Ameise.»

Muslimischer Alltag

Yusuf Abas telefoniert immer wieder mit seiner Frau. «Wir nehmen es ruhig», sagt er und legt sein Handy auf den Tisch. «Man sieht ja, wie wenig Leute hier sind.» Die meisten seien zu beschäftigt. Denn die Muslime feiern den dritten Tag des Opferfestes. Ein Tag, an dem man traditionsgemäss seine Freunde besucht. Abas ist am Abend zu Gast bei seiner Cousine. «Deshalb bin ich auch so schön angezogen», sagt er und zeigt auf seinen Anzug. «Die Initiative ändert nichts an unserem Leben.»

Siegesjodel im Parkhotel

Im Langenthaler Parkhotel, zweihundert Meter von der Mosche entfernt, hat das Komitee «Stopp Minarett» zum gemeinsamen Abstimmungssonntag geladen. Hier bietet sich ein anderes Bild: Ein voller Saal. Die Menschen sind gut gelaunt. Auf einer Grossleinwand wird erneut die grün gefärbte Schweiz eingeblendet. Die Menge jubelt. Ein Junge in roter Sennentracht stösst einen Jodel aus, als ein weiteres Resultat bekanntgegeben wird. «Die Schweiz hat sich zu ihren christlichen Wurzeln bekannt», sagt EDU-Nationalrat Andreas Brönimann. Er sieht keine Gefahr darin, dass nun der Dialog mit den Muslimen schwieriger werden könnte. «Im Gegenteil. Die Minarette waren das Hindernis. Nun wird die Integration einfacher werden.»

Baugesuch bleibt

Im Gemeinschaftsraum der Moschee hat derweil niemand Lust zu jodeln. Wird es nun endgültig kein Minarett in Langenthal geben? «Wir werden unser Gesuch nicht zurückziehen», sagt der Präsident der Langenthaler Muslime Mutalip Karaademi. Das Baugesuch sei 2006 eingereicht worden und deshalb nicht von der Initiative betroffen. Es sei gut möglich, dass in Langenthal doch noch ein Minarett stehen wird. «Trotzdem sind wir enttäuscht. Es war eine schmutzige Kampagne», so Karaademi. Es sei auch eine Frage des Geldes gewesen. «Wir hatten kein Budget. Konnten uns nicht wehren.» Immer wieder blickt er nach vorne zum Fernseher. Nur Basel-Stadt hat bis jetzt abgelehnt. Bald ist auch das Ständemehr erreicht.

«Minarettähnlich»

Die Stadt Langenthal stimmt der Initiative mit 60,4% zu. Doch einige Langenthaler Muslime sind sich nicht im Klaren, über was nun eigentlich abgestimmt wurde. «Ein Minarett ist ein begehbarer Turm, auf dem ein Muezzin zum Gebet aufruft», sagt Yusuf Abas. «So etwas ist in Langenthal nie geplant gewesen.» Kann das Langenthaler Bauvorhaben überhaupt unter ein Minarettverbot fallen? Die Islamische Glaubensgemeinschaft Langenthal hat jedenfalls ihre Sprachregelung überdacht. Sie spricht in ihrer neuesten Medienmitteilung nicht mehr von einem Langenthaler Minarett, sondern von einem «minarettähnlichen Türmchen». «Als Minarett kann nur ein begehbarer Turm gelten, von dem aus theoretisch ein Muezzin zum Gebet rufen könnte», so heisst es nun. Im Gemeinschaftsraum der Muslime beachtet kaum mehr jemand den Fernseher. Tairi Ajrush ist aufgestanden und bereitet im Nachbarraum eine Partie Billard vor. «Klar. Ich bin enttäuscht», sagt er. «Aber am Ende muss ich mit dem Entscheid leben.»

Berner Zeitung

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