Heimisbach

Mit Vollgas ins kulinarische Manöver

HeimisbachLust auf Kost, wie sie der Wehrmann aus dem Manöver kennt? Das Ehepaar Germann hat sich etwas Besonderes einfallen lassen und tischt im Bären Steckshaus derzeit Klassiker aus dem Armeekochbuch auf.

Das Wirtepaar Thomas und Marlies Germann auf einem Armeemotorrad in der Gaststube: Im Bären kommen Armeespezialitäten auf den Tisch.

Das Wirtepaar Thomas und Marlies Germann auf einem Armeemotorrad in der Gaststube: Im Bären kommen Armeespezialitäten auf den Tisch. Bild: Thomas Peter

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Französische Wochen. Italienische Wochen. Mexikanische Wochen. Wenn Restaurants Aktionen durchführen, zelebrieren sie meistens die Kochkunst einer anderen Nation. Schweizer Spezialitäten? Das kennt man zur Genüge. Dabei denkt allerdings niemand an jenes im Zivilleben kaum beachtete kulinarische Paralleluniversum, das sehr wohl einheimisch ist und zumindest bei einem Teil der männlichen Bevölkerung den Appetit zünftig anregt: die Armeeküche, wie sie dem Schweizer Wehrmann aus Rekrutenschule und WK bestens vertraut ist.

Das brachte Thomas Germann, Wirt im Gasthof Bären Steckshaus im Heimisbach, auf eine ungewöhnliche Idee: Er bietet seinen Gästen bis am 21.August Menüs aus der traditionellen Armeeküche an. Suppe mit Spatz, Kutteln an Tomatensauce mit Stock, Gulasch mit Stock, Käseschnitte, Fotzelschnitte, Gehacktes mit Hörnli und Apfelmus, saure Schweineleber mit Polenta und Randensalat – dem Veteranen läuft das Wasser im Mund zusammen, und allerlei Erinnerungen kommen auf an den mühseligen, rückblickend aber nostalgisch verklärten Alltag im feldgrauen Gewand.

Richtige Manöverstimmung

Schon die Annonce im Amtsanzeiger deutet darauf hin, dass die kulinarischen Militärwochen in stilechtem Ambiente stattfinden werden. «Manöver im Bären» lautet die Überschrift, der Untertitel kündigt «Spezialitäten aus dem Armeekochbuch» an, und illustriert wird das Inserat mit einer Zeichnung aus den 1930er- oder 40er-Jahren, die drei heroisch aufgereihte und von einer Schweizer Fahne umflatterte Soldaten bei einer Schiessübung zeigt. Der Bärensaal sei, heisst es weiter, dekoriert mit Armeematerial aus dem Zeughaus.

Ein Augenschein zeigt: Das ist nicht übertrieben. Bereits vor dem Bären wird sofort ersichtlich, dass das Areal quasi militarisiert wurde. «Halt!» gebietet ein Warnplakat, wie es von der Armee für den Wachdienst verwendet wird. An der Hausecke steht ein echtes Schildwachthäuschen, bestückt mit einer uniformierten und bewaffneten Schaufensterpuppe.

Im grossen Saal des Gasthofs geht es in dieser Manier weiter: Kleine Tannen an den Pfeilern deuten einen Wald an – schliesslich finden Manöver bevorzugt im Wald statt. Zwischen den Tischen ist militärisches Material ausgebreitet, ein Benzinvergaserbrenner etwa, mehrere Speiseträger, ein Stapel Armeebiskuits, Kämpferjacken sowie Zelte aus Tarnblachen. Sogar ein Armeemotorrad steht zum Einsatz bereit, eine von diesen feldgrauen Maschinen, mit denen die Kuriere von Kompanie zu Kompanie hetzen.

Ein Oberst habe es ihm ermöglicht, sich aus einem Zeughaus leihweise mit dem benötigten Material zu bedienen, berichtet Wirt Germann. Auch einige seiner Stammgäste hätten für das Projekt Feuer gefangen. Einer habe die Gewehrattrappe für die Schildwache geschnitzt, und einiges an Gegenständen stamme von einem Nachbarn, so das Armeevelo, das Motorrad oder das Häuschen der Schildwache.

Selber ein Küchenveteran

Wer in diesen Tagen und Wochen bei Thomas und Marlies Germann tafelt, wähnt sich also eher im Feld als in einem Gasthaus. Auch die Speisekarte hat etwas von einem Tagesbefehl: Auf dem Titelblatt prangt die Fotografie eines Felsens mit aufgemaltem Schweizer Kreuz, und das ordonnanzgrüne Papier im Innern ist mit all den Menüklassikern bedruckt, wie sie noch vor zwanzig Jahren zum Standardrepertoire der militärischen Küchenmannschaften gehörte.

Nicht dass Thomas Germann ein Überpatriot oder Militärkopf wäre. Der heute 54-Jährige hat, wie viele andere Gastronomen auch, seinen Militärdienst als Küchenchef geleistet und stellt fest: «Wer ehrlich ist, hat an seine Zeit in der Armee doch eigentlich fast nur gute Erinnerungen.» Unlängst sei er während eines Waldspaziergangs auf die Idee gekommen, dass er als Wirt all die Armeenostalgiker im Rahmen von Spezialwochen ansprechen könnte. «Unser Betrieb liegt nicht an einer Durchgangsstrasse, deshalb müssen wir uns immer wieder etwas Besonderes einfallen lassen», erklärt er.

Die Armeewochen sind erfolgreich angelaufen. Bereits am ersten Abend fanden sich laut Germann viele Gäste ein, die sich wieder einmal in den Genuss von militärischer Kost bringen wollten – und nach verzehrtem Mahl versicherten, sie kämen an einem anderen Tag noch einmal vorbei, um sich auch noch die Rindszunge an Kapernsauce, das Manöver-Cordon-bleu, das Saftplätzli oder die mit Käse überbackenen Tomatenravioli zu genehmigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.08.2012, 07:20 Uhr

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