Liebhaberobjekte bei Brand zerstört

Lotzwil

In der Nacht auf Mittwoch brannte am Alleeweg in Lotzwil eine Lagerscheune komplett aus. Zerstört wurden dabei zwei Oldtimer des Füürobepiketts. Beide Fahrzeuge waren von grossem emotionalem Wert für den Verein.

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Patrick Jordi@jordipatrick

Für zwei lieb gewonnene Oldtimer des Füürobepiketts Lotzwil-Rütschelen kam in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch jede Hilfe zu spät. Die Fahrzeuge wurden ein Raub der Flammen, als am Alleeweg 10 in Lotzwil eine Lagerscheune komplett niederbrannte. Laut Augenzeugen muss das Feuer zwischen 3 und 3.30 Uhr ausgebrochen sein. Verletzt wurde beim Brand niemand, wie die Kantonspolizei Bern mitteilt. Ermittlungen zur Brandursache sind im Gang.

Oldtimer mit Geschichte

Für das Füürobepikett sind die beiden ausgebrannten Oldtimer ein herber Verlust. Der Präsident des Vereins, Urs Sägesser, reagierte gestern zwar relativ gefasst auf den Vorfall. Ihn und seine Vereinskollegen schmerzen aber vor allem die «emotionalen Werte», die verloren gegangen sind. Um beide verbrannten Fahrzeuge ranken sich alte Geschichten. Viele davon haben sich in Lotzwil ereignet.

Komplett zerstört wurde einerseits das Tanklöschfahrzeug der Marke Dodge mit Jahrgang 1983. Das Fahrzeug stand bis 2005 noch im Einsatz der Feuerwehr Lotzwil. Bei vielen Grossbränden in der Region habe es gute Dienste geleistet, erzählt Präsident Urs Sägesser. Auch bei mehreren Bauernhausbränden in Lotzwil. Er sei selbst noch als Maschinist mit dem Fahrzeug im Einsatz gewesen.

Der andere zerstörte Oldtimer ist das Pikettfahrzeug Austin Chipsy mit Jahrgang 1965. Zu Ehren des Fahrzeugs hätte am 5. September 2015 eine 50-Jahr-Feier stattfinden sollen. Auch Feuerwehr-Oldtimer-Freunde von auswärts hätten an dem Fest teilnehmen sollen. Diese Feier fällt jetzt zumindest teilweise ins Wasser. Urs Sägesser hofft zwar, dass im September trotzdem noch ein Anlass stattfinden kann – wenn auch nicht mehr im selben feierlichen Rahmen. Der Verein werde demnächst entscheiden, in welcher Form die Feier durchgeführt werde.

Auch der Austin hat eine bewegte Vergangenheit. Sägesser berichtet von einem Einsatz während des Jahrhunderthochwassers 1975. Auf der sogenannten Nagelbrücke seien damals die ausgerückten Feuerwehrleute vom reissenden Gewässer überrascht worden. Das Wasser sei dermassen schnell dahergeflossen gekommen, dass man den Austin an der Brücke habe anbinden müssen. Ansonsten hätte es ihn weggeschwemmt. Dank dieser Aktion konnte das Fahrzeug gerettet werden. Auch die Mannschaft sei unbeschadet davongekommen, erzählt Sägesser. «Etwas genau Gleiches wie die beiden verbrannten Fahrzeuge finden wir bestimmt nicht mehr», sagt er. Besonders ärgerlich ist auch, dass der Austin Chipsy im Grunde eine Spezialanfertigung war. In Eigenregie bauten Vereinsmitglieder des Füürobepiketts im Hinterteil des Fahrzeugs eine Bar ein. Ein Hydrant diente bei Anlässen als Bierzapfhahn. Auch diese Besonderheit gehört seit gestern der Vergangenheit an.

Weiteres Fahrzeugmaterial des Füürobepiketts Lotzwil-Rütschelen ging bei dem Brand nicht verlustig. Die Motorspritzen seien in Rütschelen gelagert, weiss Sägesser. Fraglich ist nur, wie der Verein die Spritzen nun ziehen will. Die beiden ausgebrannten Oldtimer waren laut dem Präsidenten die einzigen Zugfahrzeuge des Vereins.

Fenster zersplittert

Das Feuer am Alleeweg entwickelte innert kurzer Zeit eine enorme Hitze. Bei benachbarten Gebäuden zersplitterten mehrere Fensterscheiben. Auch ein Garagentor sei angesengt worden. Die Feuerwehren Lotzwil-Rütschelen und Langenthal standen mit insgesamt 60 Personen im Einsatz. Sie konnten ein Übergreifen des Feuers auf weitere Gebäude verhindern. Beim Brand sind laut Kantonspolizei auch keine Tiere zu Schaden gekommen. Die Scheune diente als Lagerhalle. Es wird von einem Sachschaden von mehreren Hunderttausend Franken ausgegangen.

Urs Sägesser hat eine Vermutung, was zum Brand geführt haben könnte. Er kann sich vorstellen, dass ein Marder einen technischen Defekt verursacht hat. Die Tiere hätten sich oft und gerne im Schopf aufgehalten. Das Füürobepikett ist in der Lagerscheune eingemietet. Erst vor wenigen Wochen sei der Mietvertrag verlängert worden, sagt Sägesser. Eigentümerin des Gebäudes ist eine am Alleeweg wohnhafte Lotzwilerin.

Berner Zeitung

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