Langenthal im House of Switzerland

Langenthal

Die hiesigen Firmen Ruckstuhl, Kuert Seilerei, Glas Trösch und Ammann konnten im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen in Sotschi Aufträge ergattern, wenn auch eher im kleinen Rahmen.

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Dominic Ramel
Tobias Granwehr

Wer mitten im olympischen Park in Sotschi das House of Switzerland betritt, der geht in dessen Lounge über einen Teppich aus Langenthal. Die Teppichfabrik Ruckstuhl konnte einen drei mal drei Meter grossen Teppich für die Innenausstattung des Gebäudes liefern. Es ist eine Sonderanfertigung des Teppichs Hampton mit einer pinkigen Bordüre Ballerina.

Firmenchef Peter Ruckstuhl spricht von einem «kleinen Auftrag». Doch es sei «immer eine Ehre, wenn ein Schweizer Fabrikant in einem solchen Umfeld sichtbar ist». Der Auftrag sei zustande gekommen, weil sowohl der Architekt als auch ein Mitarbeiter von Präsenz Schweiz gerne ein Produkt aus dem Hause Ruckstuhl hätten einsetzen wollen, sagt Ruckstuhl.

Die dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) angegliederte Organisation Präsenz Schweiz hat das Konzept des neuen «Swiss Mobile House» entwickelt. Der Komplex aus Holzhäusern soll in den nächsten Jahren die Interessenwahrung der Schweiz bei internationalen Grossveranstaltungen unterstützen.

Rote Spanngurten

Die spezielle mobile Holzkonstruktion des House of Switzerland wird von aussen geprägt von roten Spanngurten, die ebenfalls aus Langenthal stammen. Und zwar von der Kuert Seilerei. Diese konnte laut Inhaber und Geschäftsführer Stefan Kuert acht Garnituren sogenannter Schwerlastzurrgurten in Längen von 30 bis 35 Metern liefern. Total wurden dafür circa 500 Meter Gurtband benötigt.

Wie Ruckstuhl spricht auch Kuert davon, dass es sich nicht um einen grossen, aber um einen «schönen», einen «Prestigeauftrag» handle. «Wir sind stolz darauf, dass wir die Spanngurten liefern konnten.»

Projektleiterin Maria Knöbl sagt, es habe sich um ein sehr interessantes und herausforderndes Projekt gehandelt. Obwohl die Ästhetik im Vordergrund stehe, dürfe die Funktionalität und damit die Zugkraft der Spanngurten nicht ausser Acht gelassen werden. Das heisst: Aus Sicherheitsüberlegungen weisen die Spanngurten eine Bruchkraft von zehn Tonnen auf, obwohl sie von der Konstruktion des House of Switzerland her bloss eine rein ästhetische Funktion innehaben.

Spezielle Gläser

Den Auftrag erhielt die Kuert Seilerei vom EDA beziehungsweise von Präsenz Schweiz. Doch ins Spiel gebracht wurde das Langenthaler Unternehmen von der Thurgauer Nüssli (Schweiz) AG, einem weltweit tätigen Anbieter von temporären Bauten für Events, Messen und Ausstellungen. Dasselbe gilt auch für den einen von zwei Aufträgen in Sotschi von Glas Trösch: Für den VW-Pavillon im Olympiapark konnte das Bützberger Unternehmen Gläser liefern, die sehr stark entspiegeln. «Damit kann VW ohne Reflektionen seine Autos präsentieren», erklärt Glas-Trösch-Kommunikationsleiter Bruno Gygax.

Via einen russischen Metallbauer konnte Glas Trösch noch einen zweiten Auftrag ausführen: Die Glasfront des neuen Hotels Hyatt besteht aus neun Meter langen Glasschwertern des Oberaargauer Unternehmens.

Gygax sagt, das Auftragsvolumen betrage je über 100000 Franken. «Es sind keine riesigen, aber sehr gute Aufträge.»

Strassenfertiger von Ammann

Auch der Langenthaler Bauausrüster Ammann hat von den Olympischen Spielen in Sotschi profitiert. Die Ammann-Gruppe hat eine Niederlassung in Moskau. Diese hat Maschinen und Anlagen an Kunden geliefert, die in Sotschi am Aufbau der riesigen Olympiainfrastruktur beteiligt waren. «Bereits vor sechs Jahren kamen beim Bau der ersten Strasse im Olympiapark die ersten Ammann-Walzen durch einen unserer Kunden zum Einsatz», erklärt Ammann-Sprecher Pirmin Hänggi.

Zahlreiche der beteiligten Baufirmen hätten auch Fertiger und Walzen von Ammann eingesetzt. Da es sich laut Hänggi um mittlere und grosse Baustellen handelte, waren vor allem die grösseren Strassenfertiger im Einsatz. «Bei den Walzen war die gesamte Modellpalette, vom Erdbau bis zur Asphaltverdichtung, in und um Sotschi zu sehen», sagt er. Zudem lieferten fünf Ammann-Mischanlagen unterschiedlicher Baureihen Asphalt.

Berner Zeitung

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