Kupferdieb bleibt hinter Gittern

Kirchberg

Das Regionalgericht Emmental-Oberaargau verurteilt einen Kriminaltouristen aus Rumänien zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten. Danach wird er ausgeschafft.

Kupferkabel und -spulen: Der Verurteilte war bei einer Kirchberger Elektronikfirma eingebrochen (Symbolbild/Doris Fanconi)

Kupferkabel und -spulen: Der Verurteilte war bei einer Kirchberger Elektronikfirma eingebrochen (Symbolbild/Doris Fanconi)

Johannes Hofstetter

«Ihre Geschichten sind mit den Fakten nicht ohne weiteres in Einklang zu bringen»: Das sagte Einzelrichter Roger Zuber vom Regionalgericht Emmental-Oberaargau am Donnerstag zu einem Rumänen, nachdem er ihn wegen Diebstahls, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt hat. Der amtliche Verteidiger hatte auf 7½ Monate plädiert, während der Staatsanwalt 19 Monate als angemessen erachtete.

Nach Holland

Der 24-jährige Familienvater hatte vor zwei Jahren mitgeholfen, eine Tonne Kupfer im Wert von gut 50'000 Franken aus einer Elektrotechnikfirma in Kirchberg zu stehlen. Anschliessend fuhr er die Ware in einem Lieferwagen, den er einem benachbarten Unternehmen entwendet hatte, nach Holland. In einem zweiten Transporter brachten Unbekannte noch mehr Metall in die Niederlande. Die Autos liessen die Diebe in Holland stehen. Dann fuhren sie in einem Privatwagen zurück in die Schweiz. Die Anklagebehörde geht deshalb davon aus, dass an dem Raubzug mindestens drei Personen beteiligt sein mussten. Der Beschuldigte hatte nur von einem Mittäter gesprochen.

«Sehr volatil»

Der Verurteilte ist in verschiedenen europäischen Ländern mehrfach vorbestraft. Der Einbruch in Kirchberg konnte ihm mit einer DNA-Spur nachgewiesen werden, die er auf einem Taschentuch hinterlassen hatte. Vor dem Raubzug habe er versucht, sich als Bettler über Wasser zu halten, berichtete der Angeklagte. Ein ihm fremder Landsmann habe ihm 400 Franken versprochen, falls er bei dem Einbruch in Kirchberg mitmache. Das Geld habe er zur Finanzierung von Therapien für seine kranken Kinder benötigt.

Den Wahrheitsgehalt dieser und anderer Schilderungen bezeichnete der Vorsitzende als «sehr volatil». Manches «passt einfach nicht zusammen», stellte Roger Zuber fest. Nur schon in zeitlicher und logischer Hinsicht müsse hinter die Erzählungen das eine und andere Fragezeichen gesetzt werden.

Zahlbar irgendwann

Verständlich sei, dass der Kriminaltourist während des gesamten Verfahrens die Namen seiner Mittäter verschwiegen habe, sagte Zuber: «Sie wollten Kollegen oder vielleicht sogar Familienmitglieder nicht belasten.»

Der Verurteilte muss – zumindest theoretisch – die Verfahrenskosten von 11'000 Franken bezahlen. Den Geschädigten stellte er Schadenersatzzahlungen von total 7000 Franken in Aussicht, zahlbar irgendwann und wenn möglich in Raten. Wenn er die Strafe verbüsst hat, wird er ausgeschafft. Acht Jahre lang darf der Mann keinen Fuss mehr in die Schweiz setzen. Tut er es trotzdem, drohen ihm bis zu drei weitere Jahre hinter Gittern.

Berner Zeitung

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