Künstlerisches Aufeinandertreffen

Roggwil

In einer gemeinsamen Ausstellung begegnen sich in der Bromer Art Collection der Emmentaler Fred Baumann und der Niederländer Sam Drukker.

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Zwei äusserst unterschiedliche Protagonisten geben sich mit ihren Arbeiten während des Sommers in der Bromer Art Collection (BAC) in Roggwil ein Stelldichein: einerseits der einheimische Maler und Bildhauer Fred Baumann vom Bärgli in Dürrenroth, andererseits der Gast aus den Niederlanden, Sam Drukker, Dozent, Porträtist der Königin und von Holocaustopfern. «Figurenwelten» nennen die Ausstellungsmacher das Dach, unter dem die beiden Kunstschaffenden dem Betrachter mit ihren Werken eine spannende Auseinandersetzung ermöglichen.

Trutzige Flühe, stimmige Solisten

Der Titel ist Programm: Figuren und Welten. Bei Baumann sind es vor allem Welten. Beschauliche, harmonische, zufriedene Welten, die noch in Ordnung zu sein scheinen. Trutzig die Flühe im Rosenlaui, grenzenlos der Blick über den Wolken, romantisch die Nachtstimmung in der Provence. Wenn bei Baumann Figuren auf den Plan treten, sind sie meist in eine Welt integriert: wie die Frau im weissen Kleid in der Stube, die Nixen beim Baden oder das Liebespaar auf dem Bett. Solisten sind nur seine Skulpturen, aus Modellierzement geformt, hie und da ein Hauch Blattgold als einziger Schmuck.

Anders verhält es sich bei Drukker. Seine Figuren sind Solisten. In ihren Aktionen und in ihrem Ausdruck geben sie dem Betrachter aber Assoziationen zu der Welt, in der sie sich bewegen. Es sind keine «schönen» Gemälde, aber stimmige, authentische, in ihrer teilweise schemenhaften Unvollständigkeit in sich geschlossen und «rund». Drukker arbeitet zum Malen seiner Persönlichkeiten mit Modellen. Unabhängig davon, ob zwei Frauen miteinander tanzen oder zwei Männer gegeneinander boxen. Und kaum eines der Modelle findet sich auf einer neuen Leinwand wieder. Drukkers bevorzugte Maluntergründe sind Fundstücke wie Zeltplanen, Markisen, Holzbretter.

Per Anhalter auf Entdeckungsreise

Auf ein besonderes Abenteuer liess sich Drukker ein, um den Besuchern der Ausstellung Landschaftsbilder zu zeigen. Ein Kunstgenre, mit dem er nicht vertraut ist. Vor zwei Monaten kam er daher bereits in die Schweiz, um deren Landschaften zeichnerisch zu entdecken. Mit BAC-Patron René Brogli erkundete er die Gegend um Dürrenroth. Auf eigene Faust, mit der Bahn, dem Postauto und – Drukker hat keinen Führerschein – per Anhalter machte er sich schliesslich auch alleine auf: an den Thunersee, auf den Schallenberg, auf die Lüderenalp. Als «Reiseprotokolle» sind in der Ausstellung nun exklusive 18 Tuschzeichnungen zu sehen.

Zehn Holocaust-Überlebende im Porträt

Gezeigt wird auch Drukkers Arbeit «Minje Project», die im März bereits im Jüdischen Historischen Museum Amsterdam ausgestellt war und nach dem Zwischenhalt in Roggwil auch in New York, Toronto und Kapstadt zu sehen sein wird. Ein Minjan ist im Judentum das Quorum von mindestens zehn im religiösen Sinne mündigen Männern, die nötig sind, um einen vollständigen jüdischen Gottesdienst abzuhalten. In seinem Projekt hat Drukker zehn Überlebende des Holocausts porträtiert.

Auch der 1957 in den Niederlanden geborene Drukker ist väterlicherseits jüdischer Abstammung. Seit 1997 lebt und arbeitet er in Barcelona und Amsterdam. 2011 wurde er zum niederländischen Künstler des Jahres ernannt. Die Laudatio zur Ausstellung in Roggwil hielt mit Erik van den Akker der Botschaftsrat des Königreichs der Niederlande.

Öffnungszeiten: Mi–So, 11–17 Uhr. Bromer Art Collection, Landstrasse 53, Roggwil. Bis 17. Juli 2014.

Berner Zeitung

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