Knatsch unter Viehzüchtern

Der Präsident der Emmentaler Viehzüchter hat sich im Vorstand des schweizerischen Verbands mit einer harschen Aktion so unbeliebt gemacht, dass ihm der Rücktritt nahegelegt wurde. Doch Walter Lüthi will bleiben.

Walter Lüthi  lässt sich nicht zum Rücktritt zwingen.

Walter Lüthi lässt sich nicht zum Rücktritt zwingen. Bild: Daniel Fuchs

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Angefangen hat alles mit den Freiburger Viehzüchtern, die im September 2016 am Zuchtstie­renmarkt in Bulle nicht wollten, wie es das Reglement vorschreibt. Oder eigentlich noch früher: damals nämlich, als Swissherdbook, der nationale Verband der Fleckviehzüchter, ein System zur Bewertung der Zuchtstiere einführte, das auf 1. Juli 2016 in Kraft trat.

Die Freiburger hätten damals einen Änderungsantrag gestellt, der vom Vorstand abgelehnt worden sei, weil man ein schweizweit einheitliches System hätte haben wollen, erklärte Swissherdbook-Präsident Markus Gerber am Samstag vor den Delegierten des Emmentalischen Fleckviehzuchtverbands in Heimiswil.

Einladung zur Aussprache

An der Schau in Bulle hätten einige Freiburger den Experten nun aber bestimmte Änderungen befohlen und gedroht, andernfalls die Stiere gar nicht aufzuführen, erzählte Walter Lüthi am Rande der Versammlung gegenüber dieser Zeitung. Lüthi ist Präsident des Emmentaler Verbands. Er sitzt aber auch als Vertreter der Berner Viehzüchter im Vorstand von Swissherdbook.

Diesem Gremium ist das Verhalten der Freiburger zu Ohren gekommen. Und es sei klar gewesen, dass es nicht angehen könne, wenn einzelne Verbände gegen das schweizweit geltende Reglement verstossen würden, fasste Lüthi die Haltung des nationalen Vorstands zusammen. Man habe deshalb beschlossen, die Freiburger zu einer Aussprache einzuladen.

Irgendwann reiche es Lüthi

Doch das Treffen verlief offenbar anders, als es sich Lüthi vorgestellt hatte. Der Emmentaler Viehzüchter war davon ausgegangen, den Freiburgern würde nun kurzum klargemacht, dass auch sie sich an geltende Reglemente zu halten hätten. Stattdessen hätten diese weitschweifig ­ihre alten Argumente kundgetan und kein Einsehen gezeigt.

Nach 75 Minuten platzte Walter Lüthi offenbar der Kragen. «Ich stand auf, öffnete die Tür und sagte den Freiburgern, dass ich jetzt genug hätte», berichtete Lüthi seinen Züchterkollegen in Heimiswil. Er sei dann selber überrascht gewesen, als die Freiburger aufgestanden seien und die Sitzung verlassen hätten.

Rücktritt oder Abberufung

Damit war diese Zusammenkunft zwar zu Ende. Aber es war offenbar der Anfang einer Reihe weiterer Treffen, an denen nicht mehr über die Freiburger, sondern über das Verhalten von Walter Lüthi diskutiert wurde. Dessen Vorgehen wurde nicht goutiert.

Man habe ihm zwei mögliche Wege vorgeschlagen, erklärte Gerber in Heimiswil. Entweder trete er auf die nächste Delegiertenversammlung von Swissherdbook freiwillig zurück, oder der Vorstand werde der Versammlung Lüthis Abberufung beantragen. Denn dieser habe das Vertrauen seiner Vorstandskollegen verspielt.

Lüthi aber kommt der Rücktrittsforderung nicht nach. «Ich finde nicht, dass ich gehen muss.» Er sei bis 2018 als Vertreter des bernischen Verbands gewählt und es sei an der Basis, zu entscheiden, ob er durch sein Verhalten untragbar geworden sei, sagte er gegenüber dieser Zeitung.

Angst vor Abspaltung

Was denn mit den «Urhebern des Gstürms» passiere, wollte ein Emmentaler Viehzüchter von Gerber wissen. Doch dieser mochte die Freiburger nicht als «Urheber eines Gstürm» betitelt wissen. «Man muss immer dis­kutieren können», sagte er. Aus seinen weiteren Äusserungen wurde auch klar, warum der Swissherdbook-Vorstand so entschieden durchgreift gegen Walter Lüthi.

Er befürchtet, dass die Freiburger den Verband verlassen und sich dem Schweizerischen Holsteinzuchtverband anschliessen könnten. Dadurch würde Swissherdbook laut Gerber rund 20'000 Herdenbuch­tiere verlieren. Die Emmentaler äusserten sich an ihrer Versammlung nicht weiter zu dem Thema. Es ist auch nicht an ihnen, zu entscheiden, ob Walter Lüthi auf nationaler Ebene tätig bleibt oder nicht. Das bestimmt die Delegiertenversammlung von Swissherdbook im April. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.01.2017, 15:23 Uhr

Die Starparade bleibt vorläufig in Burgdorf

Zwei Jahrzehnte hat der Emmentalische Fleckviehzuchtverband jedes Jahr in der Langnauer Markthalle eine Starparade organisiert. Letztes Jahr wagte der Vorstand den Versuch, die Vorzeigekühe der Region in der neu sanierten Burgdorfer Markthalle aufzuführen. Die Anlage hat sich offenbar bewährt. Jedenfalls teilte Verbandspräsident Walter Lüthi an der Delegiertenversammlung des Verbands in Heimiswil mit, der Vorstand habe nach einer gründlichen Analyse beschlossen, «dass die Starparade bis auf weiteres in Burgdorf bleibt». Die nächste Show findet am 26. Februar statt. Der Verband will die eigene Gastronomie etwas erweitern und rechnet mit einem Ertrag von 48'000 Franken.

Die Jahresrechnung des Verbands schloss letztes Jahr bei einem Umsatz von gut 60'000 Franken mit einem Gewinn von 6800 Franken. Die Einnahmen aus den Mitgliederbeiträgen jedoch werden immer kleiner: Jahr für Jahr verliere der Verband rund hundert Mitglieder und 500 bis 1000 Herdenbuchtiere. Ende 2016 zählte er noch 1425 Mitglieder, die insgesamt 29 824 Herdenbuchtiere besassen.

Die Emmentaler sind erfolgreiche Viehzüchter. Das zeigte sich an der Delegiertenversammlung allein an der fast nicht enden wollenden Liste von Namen, die Walter Lüthi erwähnte, als er all jene Züchter ehrte, die letztes Jahr an regionalen, kantonalen und nationalen Ausstellungen Auszeichnungen erhielten. Auch als es darum ging, jenen eine Plakette zu überreichen, die sich über besonders leistungsbereite Kühe freuen können, nahm das viel Zeit in Anspruch. Denn im Einzugsgebiet des Emmentalischen Fleckviehzuchtverbands gab es letztes Jahr 55 Kühe, die in ihrem Leben bereits 100'000 Kilo Milch gegeben haben. sgs

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