Langenthal

Kinder gestalten ihren Spielplatz

LangenthalDie Gestaltung des Ziegelhofquartiers nimmt Formen an. In diesen Tagen sind die Bewohner auf der Mitmachbaustelle für den Aussenbereich anzutreffen.

Gemeinsam für Farbe im Quartier: Kinder aus dem Ziegelhof unter der Anleitung von Anne Wegmüller von der Fachstelle Spielraum Bern (im grünen Pullover) und Projektkoordinatorin Anita Abegglen (blaues T-Shirt) auf der Mitmachbaustelle.

Gemeinsam für Farbe im Quartier: Kinder aus dem Ziegelhof unter der Anleitung von Anne Wegmüller von der Fachstelle Spielraum Bern (im grünen Pullover) und Projektkoordinatorin Anita Abegglen (blaues T-Shirt) auf der Mitmachbaustelle. Bild: Thomas Peter

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«Mir gefällt es, hier mitzuhelfen», sagt die siebenjährige Fatime und schwingt den Pinsel, mit dem sie eine der Holzstangen anmalt. Diese sollen künftig inmitten der Blocks als Farbtupfer den Raum für spielende Kinder signalisieren. Fatime ist eines der rund zwanzig Kinder, die am vergangenen Mittwochnachmittag auf der Mitmachbaustelle im Ziegelhofquartier im Einsatz waren.

Ihre Mutter, Selaha Hosseinzadeh, findet das Projekt «sehr gut, tipptopp», wie sie in gebrochenem Deutsch sagt. Sie zeigt sich interessiert und erkundigt sich über den Stand der Arbeiten.

Sie ist nicht die Einzige, die Interesse bekundet. Denn die Gestaltung des Aussenbereichs ist das Resultat des zweijährigen Projekts Quartierentwicklung Ziegelhof, mit dem die Lebensqualität im Stadtteil mit seinem überdurchschnittlich hohen Ausländeranteil erhöht und das Selbstbewusstsein der Quartierbewohner gestärkt werden soll.

Aussenraum als Thema

Dem Projekt gingen Studien und Analysen voraus, mit denen die Bedürfnisse der Bewohner, vor allem der Kinder, abgeklärt wurden. «In diesem Mitwirkungsprozess zeigte sich, dass der Aussenraum ein grosses Thema ist», erklärt Anita Abegglen von Interunido, der im Quartier ansässigen Bildungs- und Fachstelle im Migrations- und Integrationsbereich in Langenthal und Umgebung. Sie ist Projektkoordinatorin für die Quartierentwicklung Ziegelhof. «Handlungsbedarf gibt es in erster Linie bei den Spielgeräten, die teils veraltet oder gar nicht vorhanden sind.»

Für die Umsetzung des Aussenraumprojekts hat Interunido die Fachstelle Spielraum ins Boot geholt. Diese setzt sich für kinderfreundliche Lebensräume im Kanton Bern ein und arbeitet ihrerseits mit der auf Spielgeräte spezialisierten Firma Krummholz aus Walkringen zusammen. Während Krummholz-Inhaber Jerry Wyssmann an der Thunstettenstrasse mit Profis am Werk ist, leitet Anne Wegmüller von Spielraum die Kinder in leichteren Arbeiten an.

Baumhaus gezeichnet

Auf einer der beiden Baustellen zwischen den Blocks wird gemalt, auf der anderen ein Schubkarren voller Fallschutzschnitzel herangekarrt und verteilt. Der elfjährige Amir ist mit Freude an der Arbeit. Schliesslich hat er bei der Mitwirkung das Baumhaus gezeichnet, das er sich wünscht, und kann nun bei dessen Bau dabei sein. «Es machen alle sehr gut mit», zeigt sich auch Interunido-Geschäftsstellenleiter Thomas Niklaus begeistert. Er geht zwischen den Blocks umher und fotografiert seine Helferinnen und Helfer.

Drei von ihnen, Viola (12), Aron (10) und Fiona (9), gehören zur Familie Abazi. «Wir wohnen seit 2002 in diesem Quartier», erzählt ihre Mutter Valbona Abazi. Sie hat mit ihrer Familie von Anfang an bei der Quartierentwicklung aktiv mitgemacht. «Ich finde es toll, dass wir unsere Ideen einbringen dürfen», sagt sie. Dass der Ziegelhof einen schlechten Ruf geniesst, kann sie nicht verstehen.

«Die Kinder können hier draussen spielen.» Das sei in den meisten anderen Quartieren doch kaum mehr möglich. «Sie machen etwas zusammen, statt jedes für sich vor dem Computer zu sitzen.» Klar komme es auch mal zum Streit. «Dabei lernen sie aber auch, mit Konflikten umzugehen», ist die junge Mutter überzeugt.

Gemeinsames Projekt

Die Quartierentwicklung ist ein gemeinsames Projekt der Integrationsfachstelle Interunido, der Liegenschaftsbesitzer sowie der Stadt Langenthal. Die beiden Letzteren beteiligen sich zusammen mit der Eidgenössischen Kommission für Migrationsfragen an den Kosten. Für die Aussengestaltung haben zudem Unternehmen, Serviceclubs und Stiftungen Geld gesprochen. Dafür werden ein kreativer Sandbereich, Sitzbänke aus Holz, ein Spielhaus für Kleinkinder, ein Baumhaus für die älteren Kinder sowie ein drehbarer Kletterbaum gebaut und installiert.

Auch Erwachsene

Während die Profis rund zwei Wochen am Werk sind, ist die Mitmachbaustelle noch heute Freitag und am Samstag jeweils von 14 bis 17Uhr offen. Vor allem für den Samstag haben bei einer Umfrage auch einige Erwachsene ihre Mithilfe zugesagt. «Die Bewohner werden hier ebenso mithelfen, wie sie beim ganzen partizipativen Projekt mitgeholfen haben», ist Thomas Niklaus überzeugt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 28.08.2014, 17:36 Uhr

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