Häusernmoos

Keiner ist schuld an der Gülle-Welle

HäusernmoosIm Januar 2016 barst ein Gülletank im Gebiet Huebberg. Zwei Kühe mussten ihr Leben lassen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt, weil sie niemandem direkt die Schuld zuordnen konnte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein breites braunes Band zieht sich über die abschüssige Weide. Ein mitgerissener Baum hier, verbogene Metallstangen da. Was sich seinen Weg nach unten Richtung Kantonsstrasse bahnt, stinkt im wahrsten Sinn des Wortes zum Himmel. 300 000 Liter Bschütti ergiessen sich über das Feld.

Geschehen ist der Vorfall vor mehr als einem Jahr – in der Nacht auf den 25. Januar 2016 auf einem Bauernhof zwischen Häusernmoos und Mühleweg, im Gebiet Huebberg. Ein Güllebehältnis, das sich im untersten Geschoss eines Kuhstalls befand, muss irgendwann zwischen 3 und 4 Uhr in der Früh geborsten sein. Kurz davor hatte man den 25 Meter langen, 4 Meter hohen und 3 Meter breiten Jauchetank zum ersten Mal überhaupt vollständig aufgefüllt.

Als die Aussenwand barst, riss die Gülle alles mit, was ihr im Weg stand: Neben dem Baum auch einen Teil des Aussenstalls – mitsamt acht Kühen. Vier Tiere sind beim Unglück verletzt worden. Bei einem wurde ein Beinbruch festgestellt, ein anderes hatte sich eine Sehne gerissen. Eine Kuh musste man einschläfern, eine musste zum Metzger gebracht werden. Die anderen blieben unverletzt.

Probleme bei der Armierung

Jetzt, ein Jahr später, ist das juristische Nachspiel zu einem Ende gekommen. Die Staatsanwaltschaft Emmental-Oberaargau hat ihren Entscheid gefällt: Das Verfahren wird eingestellt, weil niemandem direkt die Schuld zu­gewiesen werden konnte. Die Ausgangslage war nicht ganz unproblematisch.

Strafrechtlich kommt nämlich ein Artikel zum Zug, den auch Staatsanwalt Adriano Robbi nicht so einfach aus dem Effeff kennt: 229, Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde, heisst er im Strafgesetzbuch. Frei übersetzt: Pfusch am Bau. Nur hat aber nicht der heutige Besitzer den Jauchetank gebaut, sondern sein Vorgänger. Und dieser ist inzwischen verstorben.

Die Ermittlungen ergaben, dass im relativ neuen Betontank irgendetwas mit der Armierung nicht stimmte. Die Eisen waren wohl in den Ecken nicht richtig montiert worden, sodass die Wand dem Druck der immerhin 300 000 Liter Gülle nicht mehr standhalten konnte.

Viele Beteiligte

Klar ist, dass beim Erstellen des Güllebehältnisses Fehler passiert sind. Nicht auszumachen ist, wer sie begangen hat. Laut Staats­anwalt Robbi waren verschiedene Personen und Unternehmen daran beteiligt: regionale Bau­firmen etwa und sicher ein Ingenieurbüro. Und auch der damalige Besitzer des Hofs und Bauherr des Tanks hat wahrscheinlich einiges in Eigenregie ausgeführt.

Wie das unter Landwirten öfter vorkommt, dürften noch andere Personen mitgeholfen haben, das Güllebehältnis zu bauen. Wer was getan hat, war nachträglich nicht herauszufinden.

Was die toten Kühe betrifft, ist es so, dass sich nur strafbar macht, wer Menschen an Leib und Leben gefährdet. Hier war das eben nicht der Fall. Rechtlich gesehen gelten Kühe lediglich als Sache. So blieb der Staatsan­waltschaft nichts anderes übrig, als die Sache zumindest strafrechtlich fallen zu lassen.

Was ist aber mit dem Schaden, der immerhin um die 100 000 Franken beträgt? Zu den Geschädigten gehört vor allem der ak­tuelle Besitzer, der den Hof nur gerade ein Jahr vor dem Vorfall gekauft hatte. Wie Staatsanwalt Adriano Robbi ausführt, konnten sich die Beteiligten anscheinend einigen und haben die Sache unter sich ausgemacht. Somit ist der Fall auch zivilrechtlich vom Tisch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.03.2017, 06:11 Uhr

Artikel zum Thema

Zwei Kühe sterben in Gülle-Welle

Häusernmoos 300'000 ­Liter Bschütti ergossen sich über ein Feld bei Häusernmoos, weil eine Jauche­grube geborsten war. Acht ­Kühe wurden mitgerissen. Zwei ­haben das Unglück nicht überlebt. Mehr...

Paid Post

Treffen Sie die Tech-Unternehmerin Roya Mahboob

Die afghanische Unternehmerin zählt zu den einflussreichsten Menschen und hilft Mädchen und Frauen in ihrem Heimatland.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Hoch über dem Alltag: Eine Frau sitzt auf einer Hängebrücke und blickt hinunter auf den Schlegeis-Stausee bei Ginzling in Österreich. (21. Oktober 2018)
(Bild: Lisi Niesner) Mehr...