«Kein verschüpftes Huscheli»

Burgdorf

Eine Serbin billigte den Drogenhandel ihres Freundes, unterstützte den Partner bei der Geldwäsche, fälschte für ihn eine Urkunde – und kam mit bedingten Freiheits- und Geldstrafen davon.

Eine frühere Lebenspartnerin nahm Anfragen für Drogenbestellungen entgegen und koordinierte die Termine für Auslieferungen (Symbolbild).

Eine frühere Lebenspartnerin nahm Anfragen für Drogenbestellungen entgegen und koordinierte die Termine für Auslieferungen (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Johannes Hofstetter

Für diese Operation griff die Staatsanwaltschaft zum grossen Besteck: Mit Telefonkontrollen, GPS-Überwachungen, Personenobservationen und drei Hausdurchsuchungen ermittelte sie gegen einen bei Burgdorf lebenden Serben. Während dessen Verfahren noch läuft, musste sich seine frühere Lebenspartnerin nun vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau verantworten.

In ihrer 17 Seiten umfassenden Anklageschrift warf die Staatsanwaltschaft der Frau Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Geldwäscherei sowie Förderung der rechtswidrigen Ein- und Ausreise ihres Ex-Freundes vor. Nach Ansicht der Anklagebehörde war die Mutter eines Buben die treibende Kraft hinter dem schwunghaften Kokainhandel ihres Mannes.

«Sie nahm Anfragen für Drogenbestellungen entgegen, koordinierte und vermittelte die Termine für die Auslieferungen, wobei jeweils mehrere Hundert Gramm Kokaingemisch auf einmal veräussert wurden, was sie wusste und wollte oder zumindest für möglich hielt oder in Kauf nahm», konstatiert die Staatsanwaltschaft.

Das gefälschte Visum

Rund 1,5 Kilogramm Kokaingemisch habe der Mann dank der Mithilfe der 34-Jährigen verkaufen können, heisst es in der Anklageschrift. Weiter soll die Frau ihren Partner mehrfach nach Genf begleitet haben, wo er den Erlös aus den Deals – knapp 100'000 Euro – jeweils in Schweizer Franken umwechselte. Sie habe auch dafür gesorgt, dass der Mann mit einem gefälschten Visum in die Schweiz reisen konnte, bevor gegen ihn eine Einreisesperre verhängt worden wäre.

Gegenüber Richter Roland Richner sagte die nicht vorbestrafte Beschuldigte – sie beherrscht mehrere Sprachen, aber kein Deutsch –, noch nie mit Drogen zu tun gehabt zu haben. Von den Aktivitäten ihres Partners habe sie nichts gewusst. Er habe ihr gesagt, er sei Gebrauchtwagenhändler. Seine Einkünfte hätten gerade gereicht, um die Rechnungen und das Essen zu bezahlen.

Ferien auf Bali

Dagegen sprachen Fotos, die sie aus ihren Ferien auf Bali oder den Malediven auf Facebook veröffentlichte. Plus die Tatsache, dass als Familienautos ein Porsche Cayenne und ein A-Klasse-Mercedes dienten.

Bei Hausdurchsuchungen fand die Polizei Kokain, Waagen, Vakuumiergeräte, unzählige Luftballone, haufenweise Bargeld und zig Handys. Von alldem sei ihr nichts aufgefallen, sagte die Frau. Ihr Part sei auf Geheiss des Mannes gewesen, sich in Serbien um das Kind und den Haushalt zu kümmern. Seit Ende Mai letzten Jahres sitzt sie hinter Gittern.

Fünfjähriger Landesverweis

Die Staatsanwältin forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten und eine Geldstrafe von 2700 Franken. Weiter müsse die Frau für 7 Jahres des Landes verwiesen werden. Der Verteidiger stellte fest, die Angeklagebehörde könne keinen wasserdichten Beweis für kriminelle Machenschaften der Frau vorlegen. Deshalb sei seine Klientin freizusprechen.

Der Richter verurteilte die Frau zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten, einer ebenfalls bedingten Geldstrafe von 1500 Franken und einem fünfjährigen Landesverweis. Die Osteuropäerin sei «nicht das verschüpfte Huscheli» gewesen, als das sie sich dargestellt habe.

Das Gericht sei aufgrund einer Vielzahl von objektiven Beweisen sicher, dass sie «die höchst verwerflichen Handlungen» ihres Partners mitgetragen habe, um ihr Einkommen zu sichern.

Auf Augenhöhe mit dem Dealer habe sie sich nie befunden, fügte der Vorsitzende an. Der Serbin müsse jedoch klar gewesen sein, was ihr Partner trieb. Als Ehemann könne er, Richner, aus eigener langjähriger Erfahrung sagen: «Die Frauen wissen einfach alles.»

Berner Zeitung

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