Burgdorf

Kampf um Parkplätze

Burgdorf Es geht vorwärts mit dem Bushof und der Neugestaltung des Bahnhofquartiers. Im März 2017 soll der Stadtrat den Baukredit bewilligen. Mit einer Motion fordert die SVP jetzt mehr Parkplätze als geplant.

Der Bahnhofplatz und der Busterminal Burgdorf werden neu gestaltet. Geht es nach der SVP, soll den Bedürfnissen der Autofahrer mehr Beachtung geschenkt werden.

Der Bahnhofplatz und der Busterminal Burgdorf werden neu gestaltet. Geht es nach der SVP, soll den Bedürfnissen der Autofahrer mehr Beachtung geschenkt werden. Bild: zvg

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Seit mehr als fünf Jahren wird darüber nachgedacht, wie man das Burgdorfer Bahnhofquartier freundlicher gestalten und verkehrstechnisch sanieren könnte. Zudem soll der öffentliche Verkehr durch bauliche Massnahmen an Attraktivität gewinnen. Auch bei Regenwetter sollen die Passagiere trockenen Fusses vom Bahnhof zu den Bussen gelangen.

Gerade weil das Busangebot stetig ausgebaut wird und die Frequenzen in den letzten zehn Jahren um gut 70 Prozent zugenommen haben, soll die heutige Bushaltestelle beim Bahnhof einem Neubau Platz machen. Bis zehn Busse sollen dereinst andocken und unabhängig voneinander wegfahren können.Mit diesen Plänen vor Augen hat der Stadtrat im Februar dieses Jahres zu einem Projektierungskredit in Höhe von 315 000 Franken Ja gesagt.

Unter dem Vorbehalt allerdings, dass die weiteren Planungsarbeiten von einer aus politischen Parteien, Verbänden und Grundeigentümern gebildeten Gruppe begleitet werden. Dreimal kamen sie zu einem sogenannten runden Tisch zusammen, die Vertreter der politischen Parteien, Wirtschaftsverbände HIV und HGV, Verkehrsverbände VCS und TCS, von Pro Burgdorf, des kantonalen Tiefbauamts, des Amts für öffentlichen Verkehr sowie SBB, BLS und Busland.

Die SVP macht Druck

Bereits bei der Beratung des Geschäfts im Stadtrat hatte die SVP-Fraktion klargemacht, dass bei der Neugestaltung des Bahnhofplatzes und des ganzen Quartiers auch die Interessen der Autofahrer berücksichtig werden müssten. Denn nicht nur der öffentliche, sondern auch der Individualverkehr habe in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Diesem Aspekt habe die städtische Baudirektion bei der Planung zu wenig Beachtung geschenkt, hatte SVP-Sprecher Bruno Rosser damals moniert. Jetzt macht die Volkspartei erneut Druck.

Mit einer vor Wochenfrist eingereichten und bereits als dringlich erklärten Motion soll der Stadtrat den Gemeinderat damit beauftragen, «im laufenden Busbahnhof/Bahnhofplatzsanierungsprojekt Einfluss zu nehmen, dass keiner der bestehenden Parkplätze gestrichen wird».

Bäume statt Parkplätze

Aufgeschreckt wurden die SVP-Stadträte offenbar durch Aussagen an einer Informationsveranstaltung der Stadt im August. Peter Hänsenberger, Chef der Baudirektion, habe an diesem Anlass erklärt, dass gemäss «neusten Erkenntnissen» künftig weniger Parkplätze als heute zur Verfügung stehen würden.

Zudem sei beim Bahnhof nur noch ein Taxiplatz vorhanden, weitere Taxifahrer müssten in der Poststrasse auf ihren Einsatz warten. Auch soll deren Vorfahrt mit einer «teuren Verkehrsampelanlage geregelt werden». Die SVP pocht jetzt mit ihrer Motion darauf, dass die Zahl der Parkplätze für jene Privatpersonen, die Passagiere mit dem Auto zum Bahnhof bringen oder dort abholen würden, nicht reduziert wird.

Dank dem zweireihigen Parkplatzstreifen auf der Poststrasse könnten 35 Autos parkiert werden, heute sind es 24.

Die Volkspartei befürchtet, «die Existenz der ansässigen Kleinunternehmer» könnte durch die Aufhebung von Parkplätzen – etwa vor dem Busbeizli/Foto Meier – gefährdet sein.

Ganz zu schweigen von den aktuell sieben Parkplätzen vor dem Modehaus Vestita, welche durch gerade noch drei längsmarkierte Felder ersetzt werden sollen. Weil wegen zwei neu zu pflanzenden Bäumen zwei Parkplätze geopfert werden müssten, sei «angesichts der ohnehin schon engen Platzverhältnisse» auf zusätzliche Begrünungen «gänzlich zu verzichten», heisst es in der Motion weiter.

Chaos beim Postgebäude?

Besonders angespannt sei die Parkplatzsituation bei der Post. Es gehe nicht an, dass von den heutigen 12 markierten Parkfeldern «eine grosse Anzahl» gestrichen werde. Vor der Post herrsche nämlich das gleiche Chaos wie vor dem Bahnhof. Ähnliches könne an der Poststrasse beobachtet werden.

Die ansässigen Kleinunternehmer seien auf die jetzt vorhandenen Parkplätze dringend angewiesen. Andernfalls drohe dem Bahnhofquartier und der Unterstadt als Folge der Verdrängung des motorisierten Individualverkehrs «unweigerlich das gleiche Schicksal wie der Oberstadt; das heisst, das Kleingewerbe wird mittelfristig untergehen», beschreibt die SVP in ihrer Motion ein eigentliches Schreckenszenario.

Vor diesem Hintergrund sei es «unabdingbar, dass sämtliche heute bestehenden Parkplätze erhalten bleiben». Eine Verschiebung von Parkplätzen von der Bahnhof- an die Poststrasse sei bezüglich ­Benutzung «unrealistisch und kaum kundenfreundlich».

«Mehr Parkplätze als heute»

Tatsächlich sehen die neusten Pläne vor, dass in der Mitte der Poststrasse – zwischen Vestita und Kreisverkehr beim Migros Do-it-yourself – Parkplätze in einer Doppelreihe angeordnet werden sollen.

Möglich sei dies, sagte Peter Hänsenberger auf Anfrage, weil auf die Ausfahrten von Privatliegenschaften keine Rücksicht genommen werden müsse. SVP-Stadtrat Bruno Rosser indes ist überzeugt, dass die jetzt anvisierte Lösung mit einem durchgehend zweireihigen Parkplatzstreifen in der Strassenmitte nicht alltagstauglich sei, erst recht nicht, weil auf der Poststrasse auch der Schwerverkehr zirkuliere.

«Sollte unsere Motion abgelehnt werden, stellt die SVP einen Rückweisungsantrag.»
Bruno Rosser, SVP-Stadtrat

Peter Hänsenberger kann die Aufregung nicht ganz nachvollziehen, denn noch sei nichts in Stein gemeisselt. Würden die jetzt auf dem Tisch liegenden Pläne aber umgesetzt, gehe im Bereich Bahnhofplatz lediglich ein Parkfeld verloren – von 15 auf 14. Ganz sicher verschwinden würden in der Bahnhofstrasse Ost die schräg zur Fahrtrichtung angeordneten Parkplätze bei der Post, zumal es hier immer wieder zu Unfällen gekommen sei.

Diskutieren lasse sich dagegen, sagt Hänsenberger, ob die 7 Parkfelder vor dem Modehaus Vestita durch drei parallel zur Bahnhof­strasse vorgesehenen Plätze ersetzt werden sollen. In diesem Fall reduziere sich die Zahl von 12 auf 8. Allerdings: Dank dem zweireihigen Parkplatzstreifen auf der Poststrasse könnten dort 35 Autos parkiert werden, heute sind es 24. Unter dem Strich resultieren künftig also mehr Parkplätze als heute.

Und wenn dann auch noch die Überbauung Farbweg/Butterzentrale realisiert werde, resultierten weitere zusätzliche Parkplätze. Vorgesehen ist eine Tiefgarage mit 100 öffentlich zugänglichen Plätzen. Heute stehen nur 60 oberirdische Parkfelder zur Verfügung.

Bauentscheid im März 2017

Für Rosser ist klar, dass der Baukredit von 6,6 Millionen Franken erst dann dem Stadtrat vorgelegt werden darf, wenn die Ziele der Motion bei der Planung berücksichtigt worden sind. Wobei er betont, dass sich die Motion nicht gegen den Bau des Busterminals richte, sondern allein auf die Parkplatzsituation im Bahnhofquartier abziele.

Ob die Motion der SVP-Fraktion am 7. November vom Stadtrat gutgeheissen werde, sei schwierig zu beurteilen. Sollte das Begehren abgelehnt werden, stelle die SVP einen Rückweisungsantrag, betont Bruno Rosser. Falls dieser im Stadtparlament Gefallen finden sollte, müsste der Gemeinderat noch einmal über die Bücher.

So oder so wird der Stadtrat erst im März 2017 – dannzumal in neuer politischer Zusammensetzung – entscheiden, ob der neue Bus­terminal und die restlichen Strassen- und Gestaltungsprojekte im Bahnhofquartier gebaut werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 27.09.2016, 19:34 Uhr

Wer bezahlt wie viel?

Die Finanzierung des im Februar dieses Jahres auf 6,6 Millionen Franken veranschlagten Projekts für einen neuen Busterminal und die verkehrstechnische Neugestaltung des Bahnhofquartiers Burgdorf ist laut Gemeinderat gesichert.

Der Bund beteiligt sich mit 40 Prozent an den Kosten, der Kanton Bern dürfte mindestens 21 Prozent übernehmen, sodass die Stadt Burgdorf noch knapp 2 Millionen Franken bezahlen müsste. Den Steuerzahler soll dies nicht schmerzen: Der Gemeinderat will das Geld für die der Stadt verbleibenden Planungs- und Projektkosten dem Parkplatzfonds entnehmen.

Diese Spezialfinanzierung – sie wird primär durch die Einnahmen aus Geschwindigkeits- und Parkbussen geäufnet – kann für die Förderung nachhaltiger Mobilität angezapft werden. Derzeit sind mehr als 7 Millionen Franken in diesem Topf.ue

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