Lueg

«Irgendwie wird es weitergehen müssen»

LuegMitte Oktober schliesst der Gasthof Lueg seine ­Türen. Inhaber Jörg Moser sieht keine Möglichkeit, den Betrieb in dieser Form rentabel weiterzuführen. Die Reaktionen.

Klar ist nur eines: Die Metallkonstruktion muss weg.

Klar ist nur eines: Die Metallkonstruktion muss weg. Bild: Marcel Bieri

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Nein, erwartet hat das niemand. Zur allgemeinen Verblüffung gab Jörg Moser, Lueg-Inhaber, Bauherr und Mäzen, am Donnerstag bekannt, dass er den Bettel hinschmeisst. Er macht das beliebte Ausflugsziel Mitte Oktober dicht. 24 Mitarbeitende haben die Kündigung erhalten. Er sah unter den gegebenen Umständen keine Möglichkeit, einen «nur halbwegs vernünftigen» Businessplan zu erstellen, wie er verlauten liess (siehe Ausgabe von gestern).

«Konstruktive Gespräche»

Verblüfft, aber vor allem auch enttäuscht war Gemeinderatspräsident von Heimiswil, Hans Ulrich Widmer. «Jeder Betrieb, der verschwindet, ist für die Gemeinde ein Verlust», sagt er auf Anfrage. Bei der Lueg komme erschwerend hinzu, dass sie viele Leute in die Gemeinde und in die Region gelockt habe.

Etwas irritiert zeigt sich Widmer aber über den Zeitpunkt und gewisse Aussagen von Jörg Moser. «Anfang Woche hatten wir noch die dritte Gesprächsrunde und waren sogar vor Ort», sagt er. «Ich hätte nicht gemerkt, dass Jörg Moser vorhatte, die ­Lueg zu schliessen.» Er habe auch nicht den Eindruck gehabt, dass etwas nicht gut gelaufen sei. «Ich fand, dass die Gespräche durchaus konstruktiv waren und alle bemüht waren, Lösungen zu finden.» Entgegen Mosers Andeutungen sei man nicht vor vollendeten Tatsachen gestanden, sagt Hans Ulrich Widmer. Vielmehr habe man sich, gerade was die Umzonung angehe, noch in Abklärungen befunden.

Für die Zukunft wünscht sich Widmer, dass der Betrieb weitergeführt wird. Die Gemeinde ­versuche alles, um eine gute, zumindest behördliche Grundlage dafür zu schaffen. «Der Rest aber liegt nicht in unseren Händen, leider.»

Touristischer Hotspot

Kurt Schär gehörte zum Komitee, das unter der Führung von BDP-Nationalrat Hans Grunder und Alt-Schwingerkönig Silvio Rüfenacht für den Erhalt der Arena getrommelt hatte. Schär, der auch im Verwaltungsrat von Emmental Tourismus sitzt, findet klare Worte: «Aus meiner Sicht ist dies ein grosser Verlust für den Tourismus im Emmental, insbesondere, was die Übernachtungsmöglichkeiten und die Durchführung von Events angeht», sagt er, nicht ohne zu ergänzen: «Klar ist aber für mich auch, dass es irgendwie weitergehen muss.» Der Betrieb würde eine zu grosse Lücke hinterlassen.

Mit welchem Konzept genau man dort erfolgreich sein könne, wisse er heute noch nicht. Ein Aspekt aber sei sicher, die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben zu stärken und Synergien zu nutzen. Er denkt da etwa an die Schaukäserei Affoltern, die sich auch gerade neu aufgestellt hat und derzeit überaus optimistisch in die Zukunft schaut. Ziel sei es, sagt Kurt Schär, gemeinsame Lösungen zu finden, um den touristischen Hotspot rund um die Gemeinde Affoltern wieder besser zu nutzen.

Und die Schwinger?

Direkt von der Schliessung betroffen ist auch der Schwingklub Burgdorf, der alljährlich in der Arena den Lueg-Schwinget durchführt. Der Medienverantwortliche, Raphael Wild, findet die Entscheidung «grundsätzlich bedauerlich», wie er auf Anfrage sagt. Auf den kommenden Schwinget habe sie aber glücklicherweise keinen Einfluss. Sie findet bereits am 9. September statt.

«Was die Zukunft angeht, müssen wir schauen», sagt Raphael Wild. Und weiter: «Jetzt haben wir ja noch ein Jahr Zeit», da könne noch viel passieren. «Wir haben Jörg Mosers Entscheidung zur Kenntnis genommen. Es wird sich zeigen, was sie zu bedeuten hat.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 01.09.2018, 09:36 Uhr

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