Emmental

Integrieren, bloss wie?

EmmentalNutzen und Grenzen: Die Wirtschaft setzt sich mit der Flüchtlingswelle auseinander – und trifft einen Nerv.

Archivbild. Ein Praktikum als «Türöffner» für den Arbeitsmarkt: Der Eritreer Debesay Merhawi (rechts) macht ein Praktikum in der Carrosserie von Raffi Casutt (links).

Archivbild. Ein Praktikum als «Türöffner» für den Arbeitsmarkt: Der Eritreer Debesay Merhawi (rechts) macht ein Praktikum in der Carrosserie von Raffi Casutt (links). Bild: Jakob Menolfi

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Die hohe Integrationsfähigkeit der Schweiz streicht André Holenstein hervor. Der Professor für ältere Schweizer Geschichte und vergleichende Regionalgeschichte tut es zum Schluss seiner ­Betrachtungen, die offenbaren: Migration ist alles andere als ein neues Phänomen, gerade Emmentaler gingen früh und zahlreich auf Binnenwanderung und übernahmen etwa im 18. Jahrhundert Höfe im Südjura.

Wanderungen standen am Anfang von zukunftsträchtigen Entwicklungen. Die Schweizer Wirtschaft und Kultur wäre heute nicht ­derart (erfolg)reich ohne. Holen­stein plädiert dafür, mit Stolz auf und mit den gemachten Erfahrungen im Rücken Migration und die daraus entstehenden Herausforderungen «selbstbewusst und entspannt» anzugehen.

Sprach- und andere Hürden

An den Lippen des Historikers hingen über 100 Emmentaler Unternehmerinnen und Unternehmer, die den Herbstanlass in der Jenni Energietechnik AG in Oberburg verfolgten. Wie bitter nötig Integrationsbemühungen sind, verdeutlicht die Statistik: 46 000 Menschen im Kanton leben von der Sozialhilfe, davon sind 40 Prozent Ausländerinnen und Ausländer. Mangelnde Sprachkenntnisse und gesetz­liche Hürden stehen den Be­mühungen entgegen, Flüchtlinge und Asylsuchende so schnell als möglich im Arbeitsmarkt zu verankern und sie weitgehend in die Eigenständigkeit zu entlassen.

«Selbstbewusst und entspannt die Herausforderungen angehen.»André Holenstein, Historiker

Nachdem der Kredit für die Asylsozialhilfe gescheitert ist, kann der Kanton ab nächstem Jahr nur noch 1 statt 4,5 Millionen in die Arbeitsintegration investieren. Dadurch drohe Beschäftigungslosigkeit, monierte Manuel Haas, Abteilungsleiter des kantonalen Sozialamts und Integrationsdelegierter des Kantons. Er stellte die Frage nach den Verantwortlichkeiten, die so bei den Gemeinden hängen bleiben.

Das lehrt die Praxis

Dass die Wirtschaft bei der Arbeitsmarktintegration stärker eingebunden werden soll, liegt auf der Hand. Wie das funktionieren kann, erklärten zwei Unternehmer. Während bei der PB Swiss Tools in Wasen die Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern seit den 60er-Jahren Tradition hat, macht die Aeschlimann Sanitär AG in Burgdorf erste Erfahrungen.

Beide haben anfänglich von der Unterstützung durch Arbeitsintegrationsinstitutionen wie Contact und Heks profitiert und sind diesen Weg weitergegangen. Beide standen unter Zugzwang: Die Werkzeugherstellerin war in einer Ex­pansionsphase, die Sanitärfirma konnte Lehrstellen nicht mehr besetzen. Dass sich der Zusatzaufwand lohnt, das haben sowohl CEO Eva Jaisli, als auch Geschäftsführer Thomas Binz er­fahren. (Berner Zeitung)

Erstellt: 21.10.2017, 14:00 Uhr

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