Trubschachen

In der Schautöpferei geht eine Familientradition zu Ende

TrubschachenDie bekannte Aebi-Keramik wird es auch in Zukunft geben, doch produziert wird sie nicht mehr von derselben Familie: Markus Aebi übergibt seine Töpferei an Martina Zurbrügg.

In der Schautöpferei geht eine Familientradition zu Ende.

In der Schautöpferei geht eine Familientradition zu Ende. Bild: Thomas Peter

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Mit dem Jahreswechsel von heute Nacht wird im Emmental eine Tradition zu Ende gehen. Genauer eine Familientradition – denn einfach so wird die Aebi-Keramik mit ihren typischen, aus vielen kleinen Punkten komponierten Motiven aus dem ländlichen Alltag nicht von der Bildfläche verschwinden. In Zukunft werden die Teller, Tassen, Krüge, Platten sowie all die anderen Waren aus der Schautöpferei im Heimatmuseum Trubschachen aber unter neuer Führung gefertigt. Markus Aebi, der heutige Chef und Vertreter der vierten Generation der traditionsreichen Töpferfamilie, übergibt den Betrieb an Martina Zurbrügg, einer Mitarbeiterin seines Vertrauens.

Die 24-jährige gebürtige Oberländerin hat schon in der Töpferei Aebi die Lehre gemacht und ist dem Betrieb seit alles in allem 8 Jahren treu. «Sie hat das nötige Feuer, um unsere Tradition weiterzuführen», begründet Aebi den Entscheid, das Geschäft just an sie zu übergeben. Nicht ohne das Wort Tradition zu unterstreichen, «weil sich für die Kunden ja rein gar nichts ändert».

Die Liebe zur Gastronomie

Auf die Frage nach den Gründen für seinen Rückzug aus dem Töpfergewerbe wirft Aebi zuerst einen Blick zurück. Erinnert daran, dass es im Frühling genau 30 Jahre her sein wird, seit er mit der Schautöpferei in Trubschachen angefangen hat – er habe dies «leidenschaftlich gern gemacht», erklärt er, und er wisse den «extrem treuen Kundenkreis» sehr zu schätzen. Dass er sich im neuen Jahr nun trotzdem geschäftlich in eine andere Richtung orientiere, habe in erster Linie mit seiner Familie zu tun. Denn bereits heute stehe fest, dass sich die Söhne nicht für die Töpferei, sondern für die Gastronomie interessierten. Und diese Branche, das sagt er offen, sei auch für ihn und seine Frau eine Herzensangelegenheit. «Deshalb haben wir uns entschlossen, gemeinsam mit unseren Söhnen diesen Weg zu gehen.»

Konkret heisst das, dass Aebi im Heimatmuseum zwar die Töpferei im Parterre, nicht aber das Töpfercafé im ersten Stock abgeben wird. Diesen Betriebszweig werde er hier sogar noch ausbauen, stellt er in Aussicht und kündigt an, dass er das Lokal in Zukunft durchgehend auch über Mittag offen halten und es darüber hinaus noch um ein Bed and Breakfast ergänzen will.

Dazu übernimmt er auf Anfang März im Thuner Dürrenastquartier das Café Ambiente. Dort will er Kunst und Kulinarisches kombinieren, will neben Speisen und Getränken auch Geschenkartikel aller Art anbieten. Im Besonderen erwähnt er die künstlerischen Tassen, mit denen er bereits länger handelt, kurz: Ihm gehe es darum, sagt er, den Kunden ein vielfältiges Erlebnis bieten zu können.

Einst in der Tschamerie

Genauso optimistisch geht derweil Nachfolgerin Zurbrügg in der Töpferei ans Werk. Ungeachtet dessen, dass andere in der Branche über sinkende Umsätze klagen, weil traditionelles Design nicht mehr gefragt sei und zu allem hinzu erst noch die Billigkonkurrenz aus Fernost drücke – sie selber spüre trotz allem, wie empfänglich viele Leute für die gute alte Zeit seien, erklärt die junge Frau. «Ich höre immer wieder Kunden sagen: ‹So etwas hatte doch Grossmutter ...›»

Daher glaube sie an ihre Chance, und dass sie all die Aebi-Motive weiterverwenden, ihre Töpferwaren auch weiter als Aebi-Keramik anbieten dürfe, werde ihr dabei sicher helfen. Zur Hand gehen werden ihr bei alldem die bisherigen Angestellten, neben ihr zwei Malerinnen, ein Töpfer sowie drei Lehrlinge.

Seine Wurzeln hat der Betrieb übrigens nicht in Trubschachen, sondern in Hasle. Hier, genauer in der Tschamerie, begann Aebis Urgrossvater im Jahre 1901 mit der Produktion von Blumentöpfen. Ende 2006 schloss Aebi sein Stammhaus und konzentrierte sich fortan auf die Schautöpferei Trubschachen, die er seit 1982 als Filiale führte. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.12.2011, 09:01 Uhr

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