Langnau

In Lappland fand er seine ewige Heimat

LangnauHans Ulrich Schwaar ist tot. Der jüngste Ehrenbürger von Langnau ist am Montag kurz nach seinem 94.Geburtstag gestorben – in Lappland, wie er es sich gewünscht hatte.

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Die Gemeinde Langnau erteilt das Ehrenbürgerrecht nicht inflationär. Doch 2005 war die Zeit reif: Hans Ulrich Schwaar wurde zum vierten Ehrenbürger ernannt. Vor ihm war diese Anerkennung erst Bundesrat Eduard von Steiger, der Kinderbuchautorin Elisabeth Müller und dem langjährigen Gemeindepräsidenten Kurt Liechti zuteilgeworden. Am Montag ist nun auch der jüngste Langnauer Ehrenbürger gestorben. Hans Ulrich Schwaar verschied kurz nach seinem 94.Geburtstag.

Sehnsucht nach dem Norden

Er starb in Lappland. Damit ist für den Mann, der sich als Pädagoge, Schriftsteller und Kunstsammler einen Namen gemacht hat, ein grosser Wunsch in Erfüllung gegangen. Seit Jahrzehnten fühlte er sich hingezogen zu den Samen im finnischen Lappland. «Die Samen sind viel näher beim Wesentlichen des Lebens», wurde er einmal in einem Zeitungsartikel zitiert. Reto Mettler, dem Langnauer Grafiker, hat er Einblick gegeben in das Leben in der Einöde des hohen Nordens: «Er erzählte von einem Mann, der schweigend zur Tür hereingekommen sei, etwas getrunken habe und, ohne ein Wort gesprochen zu haben, wieder gegangen sei.»

Schwaar habe dieses Schweigen mit Würde gleichgesetzt. Der Langnauer hat denn auch Bücher geschrieben über die Kultur der Samen. Und er ist während Jahrzehnten zwischen Lappland und dem Emmental hin- und hergependelt.

2011, als über 90-Jähriger, beschloss er, ganz auszuwandern. Er, der nie verheiratet war und keine Kinder hatte, befürchtete, sonst wegen einer fortschreitenden Sehschwäche in ein Altersheim eintreten zu müssen. «Das passt nicht zu mir, zu sehr liebe ich die Freiheit», sagte er damals gegenüber dieser Zeitung. In Lappland aber habe er eine Person gefunden, die sich um ihn habe kümmern wollen, berichtet Ueli Augstburger. Der Wirt des Gasthofs Ochsen in Lützelflüh weiss aber auch, dass Schwaar schon zwei Monate später wieder ins Emmental zurückkehren musste. Denn die Betreuungsperson sei gestorben. Erst habe Schwaar bei ihm im Ochsen gewohnt.

Doch, inzwischen fast gänzlich blind, habe er intensivere Betreuung nötig gehabt. Er zog dann ins Altersheim Hohgantblick nach Schangnau. Die Sehnsucht nach Lappland aber blieb. Schliesslich habe er dort eine Familie gefunden, die ihn habe pflegen können. In den letzten Monaten lebte Schwaar in Lappland, wo er am Montag «in die ewige Heimat» abberufen wurde.

Vielfältiges Erbe

Schwaar hinterlässt ein grosses und unglaublich vielfältiges Erbe. Eines davon betreut die nach ihm benannte Stiftung. Denn schon während seiner Zeit als Lehrer in der Gohl habe Schwaar angefangen, Kunstwerke zu sammeln. «Ihm war es ein Anliegen, dass die Kinder auf dem Land in Kontakt kommen mit der Kunst», weiss Reto Mettler, der im Stiftungsrat die Verbindung zu der Gemeinde Langnau sicherstellt. Deshalb habe er Bilder gekauft und im Schulhaus gezeigt. So legte er den Grundstein für eine riesige Sammlung von über 2500 Kunstwerken. Jedes Jahr organisiert die Stiftung im Chüechlihus eine Ausstellung.

Bekannt wurde Hans Ulrich Schwaar auch als Schriftsteller. Nicht um Geld zu verdienen, schreibe er, sondern «wenn die Inspiration mich dazu zwingt», sagte er einmal an einer Lesung im Langnauer Kellertheater. Sie hat ihn etwa dazu gezwungen, Werke des welschen Schriftstellers C.F.Ramuz ins Berndeutsch zu übersetzen – und sich allgemein für den Erhalt der berndeutschen Sprache einzusetzen.

Doch Schwaar war nicht nur Kulturvermittler, Kunstsammler und Schriftsteller, er war auch Sportförderer. Er war der erste Lehrer in der Schweiz, der mit seinen Schülern Orientierungsläufe durchführte. Auf seine Initiative geht die Gründung der OLG Skandia zurück. Als Orientierungslauf erst in akademischen Turnvereinen von Studenten betrieben worden sei, habe ihn Schwaar aufs Land gebracht, weiss Skandia-Vorstandsmitglied Peter Mürner. Eine Pionierrolle nahm der Pädagoge auch ein, als er 1970 in Langnau die Weiterbildungsklasse gründete.

Zum Gedenken und Sammeln

Im Herbst wird die Stiftung Hans Ulrich Schwaar mit einer Gedenkausstellung auf das Schaffen des Verstorbenen zurückblicken. Am 9.März findet in Oberburg eine schon länger geplante Benefizveranstaltung statt, deren Erlös der Stiftung Hans Ulrich Schwaar und dem Hilfsprojekt der gebürtigen Schangnauerin Elizabeth Neuenschwander zugutekommen soll. (Berner Zeitung)

Erstellt: 07.02.2014, 07:39 Uhr

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