«Ich dulde nur noch das Kiffen»

Einen übleren Ruf als das «Pöstli» hat in Burgdorf kein Restaurant. Jahrelang diente die Beiz in der Oberstadt als Umschlagplatz für Drogen aller Art. Doch dann musste Pächter Hans Järmann vor Gericht. Nun zieht er andere Saiten auf.

«Pöstli»-Pächter Hans Järmann: «Wir greifen jetzt härter durch.»

«Pöstli»-Pächter Hans Järmann: «Wir greifen jetzt härter durch.»

(Bild: Thomas Peter)

Johannes Hofstetter

Darauf kann man wetten: Wenn es in einer Gerichtsverhandlung auf Schloss Burgdorf um Drogen geht, fällt eher früher als später das Stichwort «Pöstli». Entweder hat der Angeklagte den Stoff in der Beiz am Kronenplatz gekauft oder verhökert oder inhaliert.

Regelmässige Razzien festigten in den letzten Jahren den Ruf des Hauses als Tummelplatz für zwielichtige Zeitgenossen. «Vor Ort konnten geringe Mengen von weichen und harten Drogen sichergestellt werden. Von 24 kontrollierten Personen werden 12 wegen Betäubungsmittelkonsums und/oder -besitzes angezeigt», teilte die Kantonspolizei Bern 2008 nach einer Razzia im «Pöstli» zum Beispiel mit.

Marihuana und Messer

Zuvor gingen den Ordnungshütern bei einem unangemeldeten Besuch acht Drogendelinquenten und der Träger einer verbotenen Waffe ins Netz. 2006 konfiszierte die Polizei 270 Gramm Marihuana sowie drei Klappmesser. Als sich Polizisten vor fünf Jahren 27 «Pöstli»-Gäste näher anschauten, entdeckten sie elf Drogenfälle plus einen Waffengesetzverstoss.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass manche Burgdorfer Politiker die Diskussion um einen Raum für Suchtkranke als eher überflüssig empfanden: «Wir brauchen kein neues Alkistübli – wir haben ja das ‹Pöstli›», sagten nicht nur bürgerliche Mandatsträger, sondern auch Mitarbeitende von sozialen Stellen – falls sie sicher sein konnten, nicht zitiert zu werden.

Selbst Stadtpolizisten räumen hinter vorgehaltener Hand ein, nicht unglücklich über diesen Zufluchtshafen für Gestrandete zu sein: «Wenn wir jemandem aus der Szene ein amtliches Dokument zustellen müssen, müssen wir nicht lange suchen.»

Verantwortlich für das Lokal im juristischen Halbdunkel ist seit 17 Jahren der Burgdorfer Hans Järmann. Er liess sich in der ganzen Zeit, in der seine Kundschaft für Negativschlagzeilen sorgte, nie öffentlich vernehmen.

«Gemeine Frechheit»

Doch vor ein paar Tagen berichtete diese Zeitung über einen Angeklagten, der den «Pöstli»-Gästen aus Hass auf «das inoffizielle Alki- und Fixerstübli» kiloweise Billigst-Marihuana andrehen wollte, um sie bei der Polizei verpfeifen zu können. Als er das gelesen hatte, war für Järmann das Mass voll. Der zurückhaltend wirkende 45-Jährige setzte sich an den Computer, um geradezurücken, was seiner Ansicht nach falsch und «auch den Gästen gegenüber eine gemeine Frechheit» war.

Harte Drogen verboten

Der Konsum und der Handel von harten Drogen sei in seinem Restaurant «schon immer verboten» gewesen, schrieb Järmann. Weiche Drogen würden «nicht mehr toleriert». Und damit nicht genug: Auch «den übermässigen Alkoholkonsum bekämpfen wir», versicherte der «Pöstli»-Pächter in einer Art «Gegendarstellung» schriftlich.

Ein paar Tage später krebst Järmann zurück. Ein generelles Verbot weicher Drogen gebe es bei ihm nicht. «Im Pöstli ist die Hanfszene daheim», räumt er im Gespräch ein. Das ziehe «selbstverständlich» Leute an, die auch mit gröberen Stoffen zu tun haben. Nur: «Fixer und Kokser haben wir nie geduldet.»

Unter den Augen der Justiz

Bei seinem Versuch, das «Pöstli» als eine Art Insel für Hanffreunde zu führen, hielt ihm die Justiz den Rücken frei: «Vor zehn Jahren stand ich wegen meiner liberalen Haltung gegenüber dem Kiffen vor Gericht und wurde freigesprochen», erinnert sich Järmann. Dann wehte auf einmal ein anderer Wind: «In diesem Frühling wurde ich wegen Mitgehilfenschaft zu Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz mit 2000 Franken gebüsst. Seither dulde ich nur noch den Konsum von Hanf. Alles andere ist bei uns verboten.»

Seit Juni werde das «Pöstli»-Team bei seinen Bemühungen, den videoüberwachten Laden so sauber wie möglich zu halten, von einem Sicherheitsdienst unterstützt. «Wir greifen härter durch», sagt Hans Järmann. Und ergänzt, das gelte nicht nur für drogenaffine Gäste: «Wer zu viel getrunken hat, erhält nichts mehr. Wenn sich jemand daneben benimmt, stellen wir ihn vor die Türe.»

«Es ist wesentlich ruhiger»

Die verschärfte Gangart habe dazu geführt, dass es im Restaurant «wesentlich ruhiger ist als vorher». Das Mehr an Sauberkeit habe allerdings seinen Preis: Er könne am Umsatz ablesen, «dass die Beiz nun von einigen Leuten gemieden wird, die früher zu unseren Stammgästen zählten», sagt der Chef.

Doch alles in allem fühle er sich im «Pöstli» im Moment «recht wohl». Es sei halt ein ewiges Dilemma: «Einerseits will ich es allen Gästen recht machen – und andrerseits gibt es Gesetze, an die sich die Kunden und die Gastgeber zu halten haben.» Zwischen diesen Ansprüchen einen gangbaren Weg zu finden, sei «nicht immer einfach».

Berner Zeitung

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