Burgdorf

«Ich dachte, es sei ein Aprilscherz»

BurgdorfHaben die Freisinnigen bei den Burgdorfer Gemeinderatswahlen 2016 die SVP im Stich gelassen? Elias Maier, der FDP-Präsident werden dürfte, weist die Kritik des SVP-Präsidenten vehement zurück.

Der 26-jährige Freisinnige Elias Maier hat bei den Gemeinderatswahlen im letzten November die SVP-Kandidaten hinter sich gelassen.

Der 26-jährige Freisinnige Elias Maier hat bei den Gemeinderatswahlen im letzten November die SVP-Kandidaten hinter sich gelassen. Bild: Andreas Marbot

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Herr Maier, ärgert es Sie, dass der Burgdorfer SVP-Präsident Bruno Rosser im Interview mit dieser Zeitung gesagt hat, die FDP habe bei den Gemeindewahlen im letzten November nicht mit der SVP leihgehalten?
Elias Maier: Zuerst habe ich gedacht, es sei ein Aprilscherz, und ein schlechter noch dazu. Den Vorwurf, die FDP habe nicht leihgehalten, weise ich entschieden zurück. Die FDP hat sich stets für das bürgerliche Ticket aus­gesprochen und im Wahlkampf ­engagiert mitgemacht. Profitiert hat die FDP ohnehin nicht – schon gar nicht auf Kosten der SVP, da wir unseren Gemeinderatssitz ebenso verloren haben.

Die Führung der FDP hatte sich für das bürgerliche Ticket aus­gesprochen. Rossers Vorwurf richtet sich vor allem an die freisinnige Wählerschaft.
Diesen Vorwurf kann Bruno Rosser zwar machen, allerdings basiert er nicht auf Fakten. Wir haben keine Kontrolle, was unsere Wählerinnen und Wähler auf ihren Stimmzettel schreiben. Im Wahlkampf haben wir viel Werbung gemacht für alle bürger­lichen Kandidatinnen und Kandidaten. Der Vorwurf ist schon ­allein darum obsolet, weil FDP, BDP und SVP der Stadt Burgdorf zusammen nicht mehr als etwa 300 eingetragene Parteimitglieder haben. Im Gegensatz dazu haben über 700 Burgdorferinnen und Burgdorfer an den Wahlen zwar teilgenommen, aber niemanden in den Gemeinderat gewählt.

Wie erklären Sie sich denn die relativ grosse Stimmendifferenz zwischen Ihnen und den SVP-Kandidaten Bruno Rosser und Thomas Gerber?
Ich habe einen engagierten Wahlkampf geführt. Zudem scheint es mir gelungen zu sein, jugendliche Wählerinnen und Wähler über Social Media gezielt anzusprechen und damit zu mobilisieren. Da ich in Burgdorf zur Schule gegangen bin, mich auch in Vereinen und im Sport engagierte, verfüge ich in unserer Stadt über ein grosses Netzwerk. Die Jungen wählten ganz sicher den Kopf und nicht die Partei.

Der SVP-Präsident hat gegenüber dieser Zeitung gesagt, er wolle die Wahlen 2020 zum Topthema der Bürgerlichen machen. Stimmen Sie ihm zu?
Die bürgerliche Zusammenarbeit im Stadtrat haben wir bereits aufgegleist. Wenn die Fraktionen harmonieren, können wir unter besten Voraussetzungen in den Wahlkampf 2020 starten.

Bei den Wahlen im letzten ­November haben Ihnen nur 27 Stimmen für den Einzug in den Gemeinderat gefehlt. Treten Sie im Jahr 2020 noch einmal an?
Dazu kann ich im Moment noch nichts sagen. Zuerst müssen die kommenden Wahlen von der Partei traktandiert und besprochen werden.

Die bürgerliche Wende im Gemeinderat war bereits im letzten Jahr das grosse Ziel. Doch statt Taten blieb es bei Worten.
Die vereinbarte engere Zusammenarbeit mit unseren bürgerlichen Partnern ist jetzt mehr als bloss Worte. Wenn wir konsequent gemeinsam agieren, kann die bürgerliche Wende 2020 gelingen – aber eine grosse Herausforderung bleibt das anvisierte Ziel so oder so.

An der Hauptversammlung der FDP Burgdorf im Mai kandi­dieren Sie für das Präsidium. Warum?
Ich habe erst einmal mein Interesse angemeldet, aber für eine Kandidatur noch nicht zugesagt.

Kommt die Initiative für das ­Präsidium von Ihnen persönlich, oder wurden Sie dazu motiviert?
André Del Piero hat immer gesagt, dass er sich als Präsident als eine Übergangslösung sieht. Innerhalb der Partei haben mit den Vorstandsmitgliedern Gespräche stattgefunden, denn jemand muss die Führung übernehmen.

Im Fall einer Wahl würde eine Herkulesaufgabe auf Sie warten, zumal die FDP in einem ziemlich schlechten Zustand ist.
Das sehe ich nicht so. Unser Wähleranteil ist relativ stabil, und im Stadtrat konnte die FDP ein Mandat, leider auf Kosten der Jungfreisinnigen, dazugewinnen. Auf dieser Basis können wir aufbauen, durchstarten und zu­legen. Schliesslich ist die Stadt Burgdorf der historische Standort der liberalen Revolution im Kanton Bern.

Desolat ist die Situation doch im Gemeinderat. 2008 eroberte die FDP zwei Sitze, 2012 war es noch einer, und jetzt ist Ihre Partei gar nicht mehr vertreten.
Das ist leider so. Aber desolat ist die Situation deswegen nicht, denn wir haben ein solides Fundament. Wir setzen jetzt alles daran, dass es mit der FDP aufwärtsgeht und wir wieder zu dem werden, was wir einst waren: die tonangebende Partei in der Stadt.

Haben Sie schon Ideen, wie Sie die FDP wieder auf Vordermann bringen?
Zu dieser Frage würde ich mich äussern, falls ich kandidiere und dann zum Parteipräsidenten gewählt würde. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.04.2017, 06:26 Uhr

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