Langenthal

Hitziger Disput ums Minarett

LangenthalBeim ersten Zusammentreffen fliegen die Fetzen: Mutalip Karaademi, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft, möchte in Langenthal ein Minarett bauen. Dagegen wehrt sich Daniel Zingg (EDU) vom Komitee «Stopp Minarett».

Heftige Debatte: Für Mutalip Karaademi (l.), Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft Langenthal, ist ein Minarett bloss 
die Zierde einer Moschee. Für Daniel Zingg (EDU) dagegen manifestiert sich in den Minaretten ein globaler Machtanspruch.

Thomas Peter

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Herr Zingg, Sie wollten das Gespräch nicht im Gebetslokal der islamischen Glaubensgemeinschaft führen. Warum?
Zingg: Ich habe nichts gegen diese Räume. Aber mir ist es lieber, wenn ich an einem neutralen Ort diskutieren kann.

Karaademi: Sie haben Angst.

Zingg: Das stimmt nicht.

Karaademi: Mitglieder von Ihrem Komitee «Stopp Minarett» waren auch schon bei uns in den Räumen. Passiert ist nichts. Auch wenn Sie gekommen wären, wäre nichts passiert.

Waren Sie schon einmal in den Gebetsräumen, Herr Zingg?
Zingg: Nein, noch nie.

Karaademi: Herr Zingg hatte nie den Mut, zu kommen. Ich habe dem Komitee immer gesagt, nehmen Sie Herrn Zingg mit. Vielleicht denkt er, wir haben Raketen oder Bomben. Aber wir sind normale Menschen, nur der Glaube ist anders.

Und Sie brauchen ein Minarett, um ihn auszuleben?
Karaademi: Das mit dem Minarett war eine spontane Idee. Nachdem die Sikhs ihren Tempel in Langenthal gebaut hatten, sagte ich mir: Bauen wir ein Minarett. Das ist ein Teil unserer Kultur. Aber wir wollten nie jemanden provozieren damit.

Zingg: Ja, es ist nur ein Turm. Aber er hat Ausstrahlungskraft. Es ist lieb von Herrn Karaademi, dass er nicht provozieren will. Aber er hat einmal versichert, er wolle nichts machen, was gegen den Willen der Langenthaler ist. Und 2006 haben wir eine Petition mit 3600 Unterschriften gegen das Minarett eingereicht. Hinzu kamen 70 Einsprachen. Es gibt also Unmut. Schön wäre gewesen, die Glaubensgemeinschaft hätte damals auf den Turm verzichtet. Das Minarett steht ja auch nicht für Herrn Karaademi, sondern für den weltweiten Islam.

Von dem Sie einmal geschrieben haben, er bediene sich der Lüge als legitimes Mittel.
Zingg: Die Behauptung stammt aus der sogenannten Taqiya. Aber vielleicht kann Herr Karaademi erklären, was das ist

Karaademi: Ich diskutiere mit Herrn Zingg nicht über Religion. Er vermischt immer alles.

Zingg: Die Taqiya im Islam legitimiert die Lüge, wenn diese zur Selbstverteidigung und zur Ausbreitung des Islam dient.

Karaademi: In welchem Koran haben Sie das gelesen?

Sie fühlen sich angegriffen, Herr Karaademi?
Karaademi: Leute wie Herr Zingg versuchen, uns zu torpedieren, sie sind schlimmer als Kommunisten. Dabei ist unsere Kultur doch gut, dank der Moschee gibt es weniger Probleme mit Jugendlichen in der Stadt. Wir betreiben Integration.

Zingg: Wir müssen uns fragen, warum Herr Karaademi so emotional reagiert. Ich möchte den Chef von 70 Millionen Türken zitieren: Präsident Erdogan sagte in Anlehnung an ein Gedicht, Minarette seien wie Bajonette

Karaademi: was haben wir mit Herrn Erdogan zu tun?

Zingg: Ich versuche es anders: Uns wird unterstellt, wir hätten die Definition eines Minaretts neu erfunden, um unsere Initiative zu lancieren. Aber wir halten uns an die islamische Seite. Die Orientalistin Annemarie Schimmel etwa sagte, ein Minarett sei ein Zeichen für ein vom Islam neu erobertes Gebiet.

Karaademi: Ich sage Ihnen etwas: Ich bin neben einer Kirche aufgewachsen. Ich liebe jede Religion. Ich unterstütze auch den Bau einer Synagoge. Wir müssen doch Brücken bauen und zeigen, dass wir zusammenleben können, Christen und Muslime.

Zingg: Klar. Und ich habe ja auch viele muslimische Freunde. Einer zum Beispiel kommt aus dem Irak, lebt heute aber in der Schweiz. Er wurde nicht böse wegen der Anti-Minarett-Initiative, er wünschte mir sogar Erfolg. Er sagte, wenn wir es schaffen würden, in der Schweiz Minarette zu verbieten, dann sollten wir es auch in der islamischen Welt machen. Er sagte nämlich, vor diesem Islam, der sich in der Schweiz installieren wolle, sei er ja geflüchtet.

Karaademi: Das ist ein persönliches Beispiel. Aber Gott sei dank denken viele Leute anders. Es ist eine Schande, Herr Zingg, Sie schaden dem Image der wunderschönen Schweiz.

Kümmert Sie das Image der Schweiz denn nicht, Herr Zingg?

Zingg: Doch. Aber in islamischen Ländern wird die Anti-Minarett-Initiative anders reflektiert, als man das hier meint. Auch die Wirtschaft leidet nicht. Solange wir gute Produkte herstellen, werden sie von islamischen Ländern importiert.

Aber warum das diffamierende Plakat mit der verhüllten Frau und den Minaretten?

Zingg: Diffamiert wird die Frau unter der Burka. Aber klar, das Plakat ist überzeichnet. Bei Kampagnen ist das so. Wichtig aber ist: Gegen den Muslim sind wir nicht.

Karaademi: Natürlich sind Sie das, Sie verbergen bloss Ihre Abneigung. Sie beleidigen uns, Sie denken, wir seien Affen und wir hätten kein Recht, unsere Religion zu praktizieren

Zingg:das stimmt nicht

Karaademi: Beim Minarett geht es doch nur um die Architektur. Jemand baut ein Haus so, ein anderer baut es anders. Den einen gefällt es, den anderen nicht.

Trotzdem fürchten viele den Islam, Herr Karaademi.
Karaademi: Ja, der Islam hat ein schlechtes Image. Die radikalen Gruppen richten Schaden an. Das ist schlecht. Aber wir sind in der Schweiz. Wir leben in Frieden mit unseren Nachbarn. Das war so, bis die Minarett-Gegner uns als Extremisten bezeichneten.

Viele haben dieses Islam-Bild.
Karaademi: Wenn jemand so auftritt wie die Minarett-Gegner und die Leute aufhetzt, gibt es einige, die schlecht über den Islam denken. Wir müssen zeigen, dass der Islam anders ist.

Zingg: Wollen Sie ihre Religion in Frieden ausüben: Verzichten Sie auf das Türmli.

Karaademi:Sie zwingen uns, so zu bauen, wie Sie möchten. Das ist undemokratisch.

Zingg: Nein, das ist es nicht.

Karaademi: Wir bauen ja mit unserem Geld.

Zingg: Darum geht es nicht. Das Minarett steht nicht für Sie, es steht für den globalen Islam.

Karaademi: Denken Sie, wir wollen eine islamische Revolution anzetteln?

Zingg: Das habe ich nicht gesagt. Aber zumindest ist diese gut im Gang in Europa.

Dann wird es auch in Langenthal gefährlicher, sollte das Minarett einmal gebaut werden?
Zingg: Nein, es muss nicht gefährlicher werden, und das hoffe ich auch nicht. Es wird anders. So wie in deutschen Städten, wo sich der Islam öffentlich manifestieren darf.

Karaademi:Gar nichts würde sich ändern. Wir bleiben die gleichen Personen. Wir leben weiter hier in der Stadt, die wir lieben.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 23.10.2009, 18:03 Uhr

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