Heilsarmee schliesst Asylunterkunft

Hindelbank

Seit September beherbergte die Zivilschutzanlage in Hindelbank Asylbewerber. Damit ist nun vorübergehend Schluss: Die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe hat das Zentrum wegen Unterbelegung geschlossen.

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Philippe Müller

Kaum zu glauben: Da sieht man am Fernsehen täglich Bilder von Hunderten Flüchtlingen, die nach gefährlicher Überfahrt in überfüllten Booten lebend das rettende Festland in Europa erreichen. Gleichzeitig wird im Kanton Bern – genauer in Hindelbank – ein Durchgangszentrum für Asylbewerber geschlossen. Wegen Unterbelegung. Wie kann das sein?

Paul Mori, Geschäftsführer der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe, bestätigte am Mittwochabend Recherchen dieser Zeitung, wonach das Asylzentrum Hindelbank per Ende letzter Woche stillgelegt worden sei. Vorübergehend. «Es ist eine Tatsache, dass die Anzahl der Asylgesuche momentan rückläufig ist und deshalb Mitte April in den bernischen Asylunterkünften mehr als 300 Plätze nicht belegt waren.»

Nun fielen die 100 Plätze von Hindelbank weg, die anderen Zentren seien dadurch besser ausgelastet, so Mori. Derzeit kämen weniger neue Flüchtlinge in die Schweiz. Aus Erfahrung weiss Mori aber, dass sich das schnell ändern kann. «Solche Wellenbewegungen sind in unserer Branche normal.» Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Flüchtlingsströme geht er davon aus, dass die Heilsarmee-Flüchtlingshilfe das Zentrum in Hindelbank «wohl spätestens in zwei Monaten» wieder eröffnen werde. Bis dahin verbleibe die Zivilschutzunterkunft in «strategischer Reserve». Innerhalb von wenigen Tagen könne der Betrieb dort wieder hochgefahren werden.

Nur noch 40 bis 50 Personen

Dass man aufgrund der Unterbelegung im Kanton Bern ein Zentrum schliessen müsse, hätten der Kanton und die Betreiber der bernischen Asylunterkünfte gemeinsam entschieden, so Mori. «Ich habe dann spontan angeboten, dass wir Hindelbank still- legen.»

Dies vor allem deshalb, weil es sich dabei um eine unterirdische Unterkunft handle. Die 40 bis 50 Personen, die zuletzt noch in Hindelbank untergebracht waren, sind in andere Zentren verlegt worden, einige leben nun im Schulhaus Schafhausen. Die dortige Unterkunft sei im Übrigen nie für eine Schliessung infrage gekommen. Zum einen laufe der Mietvertrag mit der Gemeinde noch bis im Herbst 2016. «Zum anderen ist es eine schöne Unterkunft, die mittlerweile auch vom Grossteil der Bevölkerung akzeptiert wird», sagt Mori.

Die Gemeinde Hindelbank erhalte die Mieteinnahmen selbstverständlich weiterhin. «Wir gehen ja davon aus, dass wir die Unterkunft bald wieder nutzen werden», so der Geschäftsführer der Heilsarmee-Flüchtlingshilfe weiter.

Sechs Kündigungen

In der Asylunterkunft in Hindelbank war ein zehnköpfiges Team beschäftigt. Die Schliessung habe nun dazu geführt, dass die Heilsarmee den Nacht- und Wochenenddienstern habe kündigen müssen. Die meisten hätten aber bereits eine Anschlusslösung gefunden. «Das Kernteam bleibt jedoch zusammen», sagt Mori. So sei eine rasche Wiedereröffnung gewährleistet.

Die Einsparung von Personalkosten war der Hauptgrund für die Schliessung des Zentrums in Hindelbank. Der Kanton Bern kennt die Subjektfinanzierung. Das heisst: Die Betreiber von Asylunterkünften erhalten vom Kanton nur pro belegten Platz Geld. Leere Betten werden nicht abgegolten. Deshalb sei es ökonomisch nicht sinnvoll, schlecht belegte Asylunterkünfte zu führen, erklärt Paul Mori. «Eine Umverteilung der Asylbewerber schien uns die beste Lösung zu sein.»

Berner Zeitung

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