Ersigen

Grosses Interesse an einem trockenen Thema

ErsigenKnapp zwei Jahre nach der Gemeindefusion arbeiten die Behörden an der Ortsplanungsrevision. Jetzt präsentierten sie der Bevölkerung die wichtigsten Änderungen – und füllten damit etwas überraschend den Saal des Schulhauses.

Die Ersiger Behörden arbeiten an der Ortsplanungsrevision. Als sie die Änderungen der Bevölkerung präsentierten, füllten sie damit überraschend den Saal des Schulhauses.

Die Ersiger Behörden arbeiten an der Ortsplanungsrevision. Als sie die Änderungen der Bevölkerung präsentierten, füllten sie damit überraschend den Saal des Schulhauses. Bild: Google Maps

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Die Revision des Baureglements und der Zonenpläne einer Gemeinde gehört in den Augen vieler bestimmt zu den faderen und trockeneren Angelegenheiten, welche Behörden auszuführen haben. Das Ganze dann auch noch so den Einwohnern näherzubringen, dass es nicht zu ­abstrakt wird, ist eine weitere schwierige Aufgabe.

Doch in Er­sigen scheint der Gemeinderat diese zur Zufriedenheit der Bürger gelöst zu haben. Einerseits kamen sie äusserst zahlreich in den Singsaal des Schulhauses, um sich direkt über die Ortsplanungsrevision informieren zu lassen. Und andererseits verliessen die meisten – so schien es jedenfalls – den Saal nach 90 Minuten positiv gestimmt.

Auf Anfang 2016 fusionierten Ersigen, Oberösch und Nieder­ösch zu einer Gemeinde. Die ­baurechtlichen Grundordnungen der drei Dorfteile bestehen jedoch immer noch aus je einem eigenen Zonenplan und Baureglement. Diese unterscheiden sich inhaltlich, weshalb der Gemeinderat nach der Fusion begann, eine Ortsplanungsrevision aufzugleisen.

Die Behörden hätten dabei folgende Ziele verfolgt, ­erklärte ­Gemeinderatspräsident Simon Werthmüller: «Wir wollen für die drei Dorfteile die gleiche baurechtliche Grundordnung. Und wir möchten die Möglichkeit schaffen, kantonale Vorgaben ­sowie Erwartungen der Bevölkerung in die Revision einfliessen zu lassen.»

Werthmüller betonte gleich zu Beginn, dass der Gemeinderat jetzt nicht über die endgültige Ortsplanung informiere, sondern über die Mitwirkung, die noch bis zum 17. November läuft.

Mehrwert abschöpfen

Der von der Gemeinde beigezogene Experte Christof Tscharland von der Panorama AG erklärte den Anwesenden die wesentlichen Änderungen der Ortsplanung: Die bisher unterschiedlichen Messweisen im Bauwesen würden harmonisiert. «Zudem sollen Nieder- und Oberösch wie auch der kleine Ortsteil Rudswil analog zu Ersigen einer Dorfzone zugeführt werden», so Tscharland.

Das hätte für einige Liegenschaftsbesitzer möglicherweise aber zur Folge, dass sie der Gemeinde eine Mehrwertabschöpfung entrichten müssten. Gemeinderatspräsident Werthmüller beruhigte jedoch sogleich: «Die Umzonung allein ist noch kein Grund für eine Abschöpfung.» Erst wenn ein Haus nach der Revision durch Umnutzung einen Mehrwert erhalte, sei dieser fällig.

Er forderte die Besitzer zudem auf, sich darüber Gedanken zu machen und sich in der Mitwirkung einzubringen, wenn sie keine Umzonung ihrer Liegenschaft wollten.

Rössler-Areal umzonen

Tscharland erklärte schliesslich, dass der Dorfkern Ersigens «nicht verdichtet werden soll». Darüber sei mit den Liegenschaftsbesitzern im Dorf gesprochen worden. «Eine grosse Mehrheit will keine Verdichtung nach innen.

Zudem wollen viele das Dorfbild schützen ebenso wie die Durch- und Ausblicke in die Landschaft.» Deshalb kommt auch für die Behörden die Überbauung der Freiflächen im Dorf nicht infrage.

Weiter informierte Tscharland, dass die Industriebrache Rössler-Areal an der Töpfereistrasse in eine Mischzone (Wohnen und Gewerbe) überführt werden soll. Sie solle in enger Zusammenarbeit zwischen Grundeigentümer und Gemeinde entwickelt werden.

Werthmüller erinnerte die Bevölkerung zudem daran, dass Neueinzonungen aufgrund übergeordneter Bestimmungen kaum möglich seien, weshalb die Gemeinde diese Verdichtung ermöglichen sollte.

Der ­Gemeinderatspräsident forderte die Bürger zur Mitwirkung auf. Bis Ende Jahr wollen die Behörden diese dann ausgewertet und in die Revision inte­griert haben. Danach geht das ganze Dossier zum Kanton zur Vorprüfung.

Läuft alles glatt, kann im Dezember 2018 an der Gemein­deversammlung über die Orts­planungsrevision abgestimmt werden. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.10.2017, 16:53 Uhr

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