Geschlafen wird oben, nicht unten

Vor 20 Jahren

In der Berner Zeitung vom Montag, 12. Oktober 1998, war zu lesen: «Jugendherberge: Initianten müssen Geld selber suchen». Die Rede war von der geplanten Jugi Burgdorf.

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1998 hätte im alten Schlachthaus in der unteren Altstadt eine Jugendherberge entstehen sollen. Eine Jugendherberge? Das kommt einem doch bekannt vor, nicht wahr? Richtig, bald wird es eine geben, allerdings nicht unten in der Stadt, sondern oben im Schloss. Aber dazu später.

Jetzt geht es erst mal um die Planung von vor 20 Jahren. Die Interessengemeinschaft (IG) für das Kornhausquartier hat sich damals um das alte Schlachthaus und seine Nutzung gekümmert. Man wollte in dem Gemäuer aus dem 12. Jahrhundert Übernachtungsmöglichkeiten für knapp 70 Personen schaffen.

Umsorgt werden sollten die Gäste von leicht behinderten Personen aus dem Schulungs- und Arbeitszentrum (SAZ) in Burgdorf. Frühstück zubereiten, putzen und Umgebungsarbeiten – alles Dinge, so sagte die zuständige Betriebsleiterin im SAZ, die ihre Leute selbstständig erledigen könnten.

Menschen mit Beeinträchtigung als Gastgeber – auch das kommt einem bekannt vor: Jahre später wurde diese Idee im Hotel Orchidee in der Schmiedengasse umgesetzt, allerdings nicht mit Männern und Frauen aus dem SAZ, sondern mit Menschen aus der Lebensart Bärau.

Item. Wer die zukünftigen Gäste wie betreuen würde, war im Oktober 1998 noch gar nicht das Thema – und schon gar nicht das Problem. Vielmehr fehlte es an Geld. Der Umbau des alten Schlachthauses, so hatte die IG ausgerechnet, würde 1,5 bis 2 Millionen Franken verschlingen.

Man hatte damit gerechnet, dass Bund, Kanton und Denkmalpflege das Ihre dazu beitragen würden. Doch die mochten ihre Kassen nicht öffnen, mit hohen Zuschüssen, so musste die IG zur Kenntnis nehmen, war nicht zu rechnen. «Nun müssen wir selber schauen, wie wir das Geld zusammenbringen», war daraufhin von ihrer Seite zu vernehmen. Es sollte nicht gelingen, kein einziger Gast übernachtete im alten Schlachthaus.

So weit, so schlecht für die Jugendherberge-Planer. Und für das alte Schlachthaus, das immer noch keine neue Nutzung hatte. 1985 durch die Stadt renoviert, stand das Haus weiterhin leer. Erst hatte man dort ein Konzertlokal einrichten wollen.

Dagegen wehrten sich die Anwohner. Dann kam die Idee mit der Jugendherberge, die sich ebenfalls zerschlug. Schliesslich, im Jahr 2002, sprach man davon, ein «einfaches Restaurant» einzurichten. Zustande kam auch dieser Plan nicht.

Im Herbst 2004 wendete sich das Blatt. Unter dem Titel «Eine kleine Stadt zeigt grossen Museumseifer» berichtete die BZ von der Eröffnung einer Kunstausstellung im alten Schlachthaus. Nicht irgendjemand zeigte dort seine Werke, sondern der grosse Eisenplastiker Bernhard Luginbühl. Damit hatten die alten Mauern ihre neue Bestimmung gefunden.

Und die Jugendherberge? War lange kein grosses Thema mehr. Dann aber geschah Aufsehenerregendes: Der Regierungsrat beschloss, sämtliche Burgen und Schlösser in Kantonsbesitz zu verkaufen. Man war, gelinde gesagt, entsetzt in Burgdorf. Das altehrwürdige Schloss in privaten Händen? Am Ende in den Fängen eines Investors, der dort oben weiss der Himmel was anstellen würde? Nein, so weit sollte es nicht kommen.

Es regten sich Widerstand und Pioniergeist. Die Emmestädter wollten selber bestimmen, was mit ihrem Schloss passiert. Und so kam, was sattsam bekannt ist: Ende 2017 übergab die damalige Regierungsrätin Barbara Egger die Schlüssel zur Anlage an die Stiftung Schloss Burgdorf.

Die machte sich zügig daran, aus dem einstigen Herrschaftssitz ein «Schloss für alle» zu machen, mit Museen, einem Restaurant – und einer Jugendherberge. Vergangenen Juni ­erfolgte der Spatenstich zum 16,5 Millionen teuren Umbau. Und im Jahr 2020 sollen, verläuft alles nach Plan, die ersten Gäste in altehrwürdigen Burgdorfer Gemäuern übernachten. Einfach hoch oben auf dem Schloss statt weit unten im alten Schlachthaus.

Was geschah vor 20 Jahren? In loser Folge haben wir in den vergangenen Wochen einen Blick zurückgeworfen, an kleinere und grössere Geschichten erinnert und geschaut, was aus ihnen geworden ist.

Berner Zeitung

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