Gassenhauer der 60er neu inszeniert

Mit dem Musical «Bibi Balu» hat sich die Bühne Lyssach auf anspruchsvolles Terrain gewagt. Die Premiere war ein voller Erfolg.

Gauner in Schwarz-Weiss: Die Bühne Lyssach spielt «Bibi Balu».

Gauner in Schwarz-Weiss: Die Bühne Lyssach spielt «Bibi Balu». Bild: zvg

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Alles beginnt auf dem Bahnsteig. Die knapp zwanzig Personen auf der Bühne der Mezwan Lyssach sind in schwarz-weisse Umhänge gehüllt. Lustvoll, mit viel Verve, singt und performt das Ensemble die Bahnhofszene aus dem Musical «Bibi Balu». Musikalisch begleitet von Bruno Leuschner (musikalische Gesamtleitung) am Klavier und Afiwa Sika Kuze-awu am Kontrabass.Das schwarz-weisse Bühnenbild zieht sich, bis hin zu den schwarzen und weissen Perücken und den weiss geschminkten Gesichtern durch das ganze Stück. Laut Regisseur Simon Burkhalter, der das Musical neu bearbeitet hat, als Hommage an das Schwarzweissfernsehen der damaligen Zeit. Durch eine technisch ausgeklügelte Drehbühne ist der Szenenwechsel gleichsam fliessend.

Raffinierte Betrüger

«Bibi Balu» ist ein Stück Schweizer Musicalgeschichte, ein Gassenhauer aus den Sechzigerjahren. Geschrieben von Hans Gmür und Karl Sutter, die Musik stammt von Hans Moeckel. Wer kennt sie nicht, die Szene mit der Topfkollekte mit Ruedi Walter und Margrit Rainer. Der Plot ist so einfach wie zeitlos. Ein cleveres Trio sammelt Geld für das fiktive Mädchen Bibi, das auf der ebenfalls erfundenen Pazifikinsel Balu als Krankenschwester arbeitet. Dabei fehlt es den Gaunern weder an Raffinesse noch an eigenwilliger Fantasie, um an den erhofften Geldsegen zu kommen. Dazu passt die zeitlose Aussage von Fritz, dem Heimkehrer: «Wohltätigkeit appelliert an das schlechte Gewissen der Menschen.»

Gespickt mit aktuellen Rosinen, kommt das Stück sowohl gesanglich wie tänzerisch leichtfüssig und witzig daher. Burkhalters Kunstgriff, den Pfadfinder Wotan mit einem Kind (eindrücklich gespielt von Julien Zürcher) zu besetzen, kommt gut an. Die Wohltäterin Emma (Andrea Flückiger) parliert und singt grandios in hochdeutschem Dialekt. Derweil sich das Gaunertrio mit dem windigen Geschäftsmann Henri (Hubert Marbacher) und Fritz (Florian Käsermann) sowie dem Alkoholiker Oskar (Toni Salzmann) in seiner überbordenden Geldgier lustvoll überbietet, schmiedet Bibi ihre eigenen Pläne. Absolut bemerkenswert ist die gesangliche wie darstellerische Leistung von Franziska Christen als Bibi. Nicht zuletzt dank dem Gesangscoach Jan-Martin Mächler. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.04.2018, 17:21 Uhr

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