Garagier wehrt sich gegen Sprit-Steuer

Auswil

Der Kanton möchte Halter von Sprit fressenden Autos mit höheren Steuern schröpfen. Das stösst dem Auswiler Garagier Hannes Flückiger sauer auf. Er will die neue Steuer mit einem Volksvorschlag bodigen. Notfalls im Alleingang.

Einsamer Kämpfer: Der Ausweiler Garagier Hannes Flückiger will einen Volksvorschlag lancieren, um die Fahrzeugsteuer zu senken.

Einsamer Kämpfer: Der Ausweiler Garagier Hannes Flückiger will einen Volksvorschlag lancieren, um die Fahrzeugsteuer zu senken.

(Bild: Thomas Peter)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

In der Nacht auf Mittwoch hat Hannes Flückiger kein Auge zugetan. Der Chef der Auswiler Autogarage S. Flückiger AG leidet aber nicht an Schlafstörungen. Und er hirnte auch nicht über einen Verkauf eines Autos nach.

Die Herkulesaufgabe

Nein, Hannes Flückiger ist in politischer Mission unterwegs: Der 47-jährige Auswiler will das neue Gesetz über die Besteuerung der Strassenfahrzeuge im Kanton Bern bodigen – mit einem Volksvorschlag. Dafür braucht er bis Mitte März 10000 Unterschriften. Eine Herkulesaufgabe für einen «politischen Nobody», wie er sich selber bezeichnet. Aber das ist es ihm wert, «ein bisschen übermüdet zu sein», unzählige Stunden und Tausende Franken zu investieren.

Flückiger wagt sich sogar im Alleingang aufs politische Parkett, derart gross ist sein Ärger über den Beschluss des Grossen Rats vom letzten November: Das Parlament hat damals mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die Motorfahrzeugsteuer für Autos, die die Umwelt stark belasten, zu erhöhen – dieser Malus führt ab 2011 für die Halter von Spritschluckern zu massiven Mehrkosten.

«Das ist Unsinn»

Im Gegenzug sollen umweltfreundliche Autos drei Jahre ab Kauf weniger stark besteuert werden – das ist der Bonus. Die Steuer richtet sich nach den Effizienzkategorien A bis G: Zur Kategorie A gehören umweltfreundliche Autos wie der Fiat Panda Emotion, zur Kategorie G solche wie der BMW M3 Coupé.

Von dieser «Zusatzsteuer» hält Flückiger gar nichts. «Das ist kompletter Unsinn.» Es sei ja nicht so, dass die Leute nur so zum Spass Autos der Kategorie G kaufen würden. «Viele sind darauf angewiesen.» Wer auf dem Land lebe, brauche oft ein Fahrzeug mit Allrad oder ein starkes Gefährt für Anhänger. Selbst Familien würden bestraft. Denn auch Vans tauchten in der Kategorie G auf und würden somit sehr stark besteuert.

Das will Flückiger mit dem Volksvorschlag korrigieren. Den Malus kippt er, und der Bonus soll kleiner ausfallen. Dennoch werden die Autofahrer laut Flückiger gesamthaft mehr entlastet. Denn der Garagier möchte auch den Grundsteuersatz um einen Drittel reduzieren: Pro Tonne sollen es nicht mehr 360 Franken, sondern nur noch 240 Franken sein. Damit wäre der Kanton Bern keine Autohölle mehr; die Fahrzeugsteuern würden neu im schweizerischen Mittel liegen. Der Grosse Rat reduzierte den Grundsteuersatz aber nur von 360 auf 340 Franken.

Lehrgeld beim Referendum

Flückiger ist überzeugt, mit dem Volksvorschlag «im Sinne des Volkes» etwas zu bewirken. «Ich bin eine Art Robin Hood», sagt er und lächelt schelmisch.

Doch auch er musste Lehrgeld zahlen. So plante er eigentlich, bloss Unterschriften für ein Referendum gegen die Autosteuer zu sammeln. Weil ihm aber im Text auf den Unterschriftenbögen ein Fehler unterlaufen ist, sind nun alle bisher gesammelten Unterschriften ungültig.

Flückiger gibt nicht auf

Ein Anfängerfehler, der den Winkelried der Strasse aber nicht zurückhält. Es spornte ihn vielmehr an, sogleich einen weiter gehenden Volksvorschlag zu lancieren. «Ich bin guter Dinge, dass ich die Unterschriften zusammenbringe.» Ans Aufgeben denkt er nicht. «Ich ziehe das jetzt durch.» Und auch bei einer allfälligen Abstimmung rechnet er sich durchaus Chancen aus.

Gesichert ist damit bloss: Hannes Flückiger wird bis Mitte März noch manche Nacht durcharbeiten.

Berner Zeitung

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