Feste organisieren ist ihr Hobby

Burgdorf

Am Freitag geht es los mit der 66. Kornhausmesse. Erstmals präsidiert Jessica Kobel das Organisationskomitee. Grosse Anlässe planen ist für die Emmentalerin aber kein Neuland.

Den Adrenalinkick holen sich hier schon bald die Jungen und Junggebliebenen. Während die Schausteller die Achterbahn erst kurz vor der Messe aufbauen, ist Jessica Kobel schon lange am Planen.

Den Adrenalinkick holen sich hier schon bald die Jungen und Junggebliebenen. Während die Schausteller die Achterbahn erst kurz vor der Messe aufbauen, ist Jessica Kobel schon lange am Planen.

(Bild: Thomas Peter)

Noch ist nicht viel zu sehen von den bunten Marktständen, ­grossen Bühnen und Festzelten. Nur die Grundsteine des Lunaparks sind schon an diesem ­späten Nachmittag erkennbar. Gerade schrauben die Schausteller jene Achterbahn zusammen, auf der sich am Wochenende wohl jede Menge Kinder und ­Jugendliche den Adrenalinkick holen werden.

In den Gedanken von Jessica Kobel nimmt die Burgdorfer Kornhausmesse allerdings seit einiger Zeit Form an. Bereits im vergangenen Herbst organisierte sie mit dem 14-köpfigen Organisationskomitee den diesjährigen Hauptact: die Turnervorstellung. Bands anfragen, die nötigen ­Bewilligungen bei der Stadt einholen, sich mit dem neuen Mehrweggeschirrkonzept auseinandersetzen – all das passierte Monate vor dem eigentlichen Fest.

Hektik und Hochgefühle

Vieles davon war für die 30-Jährige neu. Denn es ist ihre erste Kornhausmesse als OK-Präsidentin. Sie hat das Amt nach sieben Jahren von Heinz Schwarz übernommen. Was war ihre Motivation? «Heinz etwas abzuschlagen, ist schwierig», sagt Jessica Kobel und lacht. Doch sei das natürlich nicht ihr einziger Beweggrund gewesen.

«Den Vater herumzukommandieren, wäre nicht so ­einfach gewesen.»Jessica Kobel

«Andere spielen ein Instrument, mein Hobby ist es, Events zu organisieren.» Die Nervosität vor der Veranstaltung, das hektische Treiben während des Fests und das Hochgefühl danach, das reizt die junge Frau immer wieder, sich zu engagieren.

So hat die Kommunikationsfachfrau schon bei vielen Anlässen mitgemischt. Als Schülerratspräsidentin plante sie die Gymerfeste, seit einigen Jahren ist sie im OK der Burgdorfer Krimitage, und 2010 zog sie die Fäden, als eine weltweit rekordmässige Anzahl an Gummibooten die Aare hinuntertrieb. «Heute ist das an einem sonnigen Sonntag ja der Normalzustand.»

Auch bei der Kornhausmesse ist sie bereits seit acht Jahren im OK. Und ist damit nicht die einzige aus der Familie Kobel. Vater Karl und Bruder Jan helfen ebenfalls mit. Obwohl der Vater, früher Bauleiter, jetzt mehr im ­Hintergrund wirke, seit sie Präsidentin sei. «Den Vater herumkommandieren wäre nicht so einfach gewesen.» Fällt das beim zwei Jahre jüngeren Bruder leichter? «Zum Glück kam es bislang nicht hart auf hart.»

Und so wie im Organisationskomitee die verschiedenen Generationen aufeinandertreffen, so soll die Messe für alle etwas bieten, findet Jessica Kobel. «Die Kornhausmesse ist nicht nur ein Kinderfest, ein Open Air oder ein Markt, sondern eben alles zusammen.»

Rock- und Militärmusik, Kunsthandwerk und Hüpfburg, all das mache die Kornhausmesse zu einem Volksfest. Dazu gehöre genauso, dass man keinen Eintritt bezahlen müsse. Am meisten Vergnügen bereitet der Burgdorferin aber etwas, für das es eigentlich nur Papier und Fantasie benötigt: der Papierfliegerwett­bewerb. «Wie konzentriert die Kinder jeweils bei der Sache sind, beobachte ich gerne.»

Schlemmen und Schwatzen

Für sie gehörte die Kornhausmesse auch schon als Kind dazu: die Süssigkeiten, die Verwandten und Freunde, die man traf. Fürs Schlemmen und Schwatzen bleibt Jessica Kobel in diesem Jahr allerdings nicht viel Zeit.

Als Springerin wird sie von Freitag bis Sonntag dort anpacken, wo es sie braucht oder etwas nicht nach Plan verläuft. Vorbei ist die Hektik für die 30-Jährige erst am Montag. Dann, wenn die Spuren des Volksfests beseitigt sind und im Kornhausquartier wieder Ruhe einkehren wird.

Berner Zeitung

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