«Es ist nun mal nicht jedes Gebiet mit gleich viel Wasser gesegnet»

Jene Gemeinden, die ihr Trinkwasser einzig aus Quellen beziehen, sollten sich nach Alternativen umsehen. Das empfiehlt Jacques Ganguin, Vorsteher des kantonalen Amtes für Wasser und Abfall.

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Herr Ganguin, welche Trinkwasserversorgungen werden in Zukunft am meisten Probleme haben?
Jacques Ganguin: Jene, die allein auf Quellfassungen basieren und nicht vernetzt sind mit anderen Wasserversorgungen. Wenn wir zunehmend trockene Sommer haben werden, könnte es für sie heikel werden.

Was raten Sie diesen?
Grosse Netze zu bilden. So empfiehlt es die Wasserstrategie des Kantons. Es gibt auch Subventionen für Verbundleitungen.

Sie meinen Projekte wie jenes im oberen Emmental, wo Trub und Trubschachen bei Bedarf Wasser von der Gemeinde Langnau beziehen?
Genau. Weil die klimatische Situation wohl in Zukunft nicht besser wird, lohnt es sich, Verbundlösungen ins Auge zu fassen. Wenn das Wasser knapp wird, kostet es halt etwas.

Wie kann sich der einzelne Landwirt mit privater Quelle für die Zukunft wappnen?
Indem er sich einer öffentlichen Wasserversorgung anschliesst. Es geht nichts über Zusammenarbeit und Vernetzung. Nur so gibt es eine Garantie, dass man sicher mit Trinkwasser versorgt ist. Im Kanton Bern haben wir genug Grundwasser, um die ganze Bevölkerung zu versorgen.

Es gibt Stimmen die behaupten, die Grundwasserentnahme sei schuld, dass Quellen zurückgehen, weil das unterirdische Wassersystem gestört werde.
Das ist Hafenkäse. Die Quellen liegen oben am Hang, das Grundwasser ist im Tal, das hat keinen Zusammenhang.

Können auch Grundwasserstöme ganz austrocknen?
Im Aaretal wird das Grundwasser unter anderem, durch die Aare gespeist, die nicht nur dem Niederschlags-, sondern auch dem Gletscherwasser entstammt. Solange es Gletscher gibt, haben wir dort immer genug Wasser. Aber im Gebiet von Emme und Ilfis wird das Grundwasser nur von den Niederschlägen alimentiert.

Ist die Trinkwasserversorgung im unteren Emmental sicherer?
Dank mehrerer Zuflüsse, die sich in der Emme sammeln, ist das Wasserdargebot dort grösser und die Situation weniger problematisch als im oberen Emmental. Auch wenn in der Emme bei Aefligen kein Wasser fliesst, hat es im Schotter darunter immer noch Grundwasser. Im unteren Emmental haben die Wasserversorgungen keine grösseren Probleme, sofern sie Grundwasser entnehmen.

Wie lautet Ihre Prognose für das obere Emmental?
Interessant wird einfach sein, ob sich die Grundwasserströme erholen können. Wenn wir einen relativ trockenen Winter haben, könnte es heikel werden, gerade für kleine Grundwasserleiter wie jenen in Röthenbach.

Wäre es daher nicht sinnvoll, wenn das Trinkwasser von Aeschau im Emmental genutzt würde, statt es nach Bern fliessen zu lassen?
Es ist müssig, immer zu hören, die Berner würden den Emmentalern das Wasser abgraben. Man könnte stattdessen auch das Gespräch mit der Wasserverbund Region Bern AG suchen. Zusammenarbeit lautet das grosse Wort. Das ist natürlich mit Kosten verbunden. Aber vielleicht muss man die Kröte einmal schlucken, um Versorgungssicherheit garantieren zu können. Es ist nun mal nicht jedes Gebiet mit gleich viel Wasser gesegnet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.11.2018, 08:28 Uhr

Jacques Ganguin wirbt für Verbundlösungen. (Bild: zvg)

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