Er sorgt für eine Premiere

Langnau

Michael Moser ist gleich alt wie der Grosse Gemeinderat Langnau, dem er heuer vorsteht: Nächstes Jahr werden beide 50-jährig. Mit Moser stellt erstmals die GLP den höchsten Bürger.

Michael Moser bildet sich nicht ein, als Präsident des Parlaments in der «kleinen Stadt» Langnau viel verändern zu können.  Foto: Raphael Moser Michael Moser bildet sich nicht ein, als Präsident des Parlaments in der «kleinen Stadt» viel verändern zu können. Foto: Raphael Moser

Michael Moser bildet sich nicht ein, als Präsident des Parlaments in der «kleinen Stadt» Langnau viel verändern zu können.  Foto: Raphael Moser Michael Moser bildet sich nicht ein, als Präsident des Parlaments in der «kleinen Stadt» viel verändern zu können. Foto: Raphael Moser

 «Das ist für die junge Ortspartei eine aussergewöhnliche Ehre», schreibt die GLP in einer Medienmitteilung. Sie meint die Tatsache, dass ihr Mitglied Michael Moser für dieses Jahr zum Präsidenten des Grossen Gemeinderates und somit zum höchsten Langnauer gewählt wurde. Genau genommen hat das aber weniger mit einer Ehre als mit einer turnusgemäss zu tragenden Bürde zu tun. Parteien, die mit mindestens drei Sitzen im Parlament vertreten sind, kommen irgendwann an die Reihe, das Amt zu übernehmen.

Heuer wäre es an der EVP gewesen, doch wegen personeller Wechsel habe sie verzichtet und der GLP den Vortritt gelassen, sagt Moser. Und so kommt es, dass das Langnauer Parlament, das nächstes Jahr sein 50-Jahr-Jubiläum feiert, nun erstmals in seiner Geschichte von einem GLP-Mitglied präsidiert wird. Von einem übrigens, das im gleichen Jahr geboren wurde, als die Langnauer die Einwohnergemeindeversammlung durch den 40-köpfigen Grossen Gemeinderat ersetzten.

Mit Hand und Herz

Moser bildet sich nicht ein, als 50. Präsident dieses Gremiums viel verändern zu können. «Ich bin bloss so etwas wie der Dirigent des Orchesters», sagt er. Daneben habe er auch schon Repräsentationsaufgaben wahrgenommen. Zum Beispiel an der Feier zu 100 Jahren Stadtrat in Thun. «Das Spannende an diesem Amt sind die Begegnungen und der Austausch mit anderen Menschen», sagt Moser. Ihm bedeuten soziale Kontakte viel. Sie fehlten ihm, als er nach der Lehre als Möbelschreiner arbeitete.

Also liess er sich noch zum Werk- und Zeichenlehrer ausbilden. Das Schreinern gab er nie ganz auf. Später belegte er an der Hochschule für Kunst und Gestaltung die Fachklasse für Innenarchitektur und finanzierte sein Studium mit Lehrerfortbildungskursen. Bis letztes Jahr arbeitete Moser an der PH Bern als Dozent für technisches Gestalten. Dann wagte er mit seinem Büro für Raum und Gestaltung den Schritt in die Selbstständigkeit. Dank seiner Verbindung zwischen Architektur und Pädagogik habe er sich auf Schulraumumbauten spezialisiert, sagt er.

Michael Moser, der wie seine Frau in Langnau aufgewachsen ist, gründete seine Familie in Bern. Doch das Ehepaar wollte die beiden Töchter – heute 11- und 13-jährig – «lieber in einem ländlicheren Kontext einschulen» und kehrte deshalb zurück. Langnau habe eine tolle Grösse, findet Moser. «Man kennt viele, aber nicht jeder kennt einen.» Er weiss das vielfältige Angebot in «dieser kleinen Stadt» zu schätzen. Es sei ihm denn auch nie egal gewesen, was politisch in Langnau laufe.

Schon früh eingepflanzt

Als Sohn eines Lehrerehepaars, das die Familie mit einem kleinen Bauernbetrieb selbst versorgte, sei ihm das Rot-Grüne schon früh eingepflanzt worden. Sympathien entwickelte Michael Moser zur GLP, die aber in Langnau nicht vertreten war. Er habe dann mit der Ortssektion in Burgdorf Kontakt aufgenommen, was unabhängig von ihm auch Sam Brechbühl getan habe. Als die junge GLP Langnau im Herbst 2013 erstmals zu den Wahlen antrat, wurden Moser und Brechbühl beide gewählt. «Dass wir auf Anhieb zwei Sitze gewannen, hat alle recht überrascht», sagt der Mann, der am kommenden Montagabend die erste Parlamentssitzung dieses Jahres leiten wird.

Sie ist reich befrachtet, 19 Traktanden gilt es abzuarbeiten. Das ist nicht im Sinne des neuen Präsidenten, der sich eine lebhaftere Gesprächskultur und ein etwas kritischeres Hinterfragen der Gemeinderatsvorlagen wünschen würde. Moser sagt: «Langnau hat ein wahnsinnig braves Parlament.» Trotzdem nimmt er die Sitzungsleitung nicht auf die leichte Schulter und rechnet damit, dass sich eine «gewisse Nervosität» bei ihm einstellen werde. «Aber das schärft die Sinne.»

Berner Zeitung

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