Emmentaler Spitäler erhalten keinen Rappen

Burgdorf

Dass man keine öffentlichen Gelder für die Sanierung bekomme, bedeute nicht das Ende des Regionalspitals Emmental, betonen die Verantwortlichen. Sie wollen an beiden Standorten – Burgdorf wie auch Langnau – festhalten. Die Finanzierung sei auch ohne Kantonsbeitrag machbar.

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«Es ist ein herber Rückschlag für das Emmental.» Und weil er so kurz nach dem Tech-Schliessungsentscheid komme, schmerze er umso mehr, sagt die Burgdorfer Stadtpräsidentin Elisabeth Zäch. «Auf der einen Seite will man die Regionen mit grossen Förderprogrammen stärken, auf der anderen Seite trägt man keine Sorge zu dem, was die Regionen bereits haben.» Bei allem Respekt: «Das ist absurd.»

Elisabeth Zäch und die Verantwortlichen des Regionalspitals Emmental (RSE) haben den regierungsrätlichen Entscheid, die Sanierung ihres Spitals nicht mit öffentlichen Geldern zu unterstützen, gestern an einer Medienkonferenz kommentiert. Sie bemühten sich, zuversichtlich zu sein – doch ihre Enttäuschung war weder zu übersehen noch zu überhören. Einen Kantonsbeitrag von 47 Millionen hatten sie erhofft, nun erhalten sie keinen einzigen Franken. «Diese Alles-oder-nichts-Politik ist störend», so Zäch. «Die Regierung hätte auch sagen können: Ihr bekommt nicht die ganzen 47 Millionen, sondern einen Teilbetrag.»

Am drittgünstigsten

Einige Gebäude und Anlagen des Regionalspitals sind nicht mehr zeitgemäss, zum Beispiel der Südtrakt in Burgdorf. «Mit anderen Worten: Der Kanton hat in den vergangenen Jahren zu wenig für den Unterhalt getan», sagt Spital-CEO Adrian Schmitter. Nun schiebe der Kanton die Verantwortung ab und begründe das Nein zum Sanierungsbeitrag damit, «dass unsere Anlagen nicht refinanzierbar sind». Das sei erst recht nicht nachvollziehbar, wenn man bedenke, wie gut in den Spitälern Langnau und Burgdorf gearbeitet werde.

Das RSE hat die Zahl der stationären Fälle letztes Jahr nämlich um 5 Prozent und die ambulanten gar um 17 Prozent gesteigert. Die Kosten pro Fall sind um 8 Prozent gesunken. «Wir sind das drittgünstigste Spital im Kanton – und pro Fall ganze 1200 Franken günstiger als das teuerste», erklärt Schmitter.

Investitionen überdenken

Bedeutet das Nein zum Kantonsbeitrag an die Sanierung automatisch das Ende der Akutspitäler Langnau und/oder Burgdorf? «Nein», antwortet RSE-Verwaltungsratspräsidentin Eva Jaisli vehement. Man wolle an der Strategie mit zwei Standorten festhalten – obschon vom Kanton gegenteilige Signale gekommen seien: «Wenn wir eine Konzentration auf Burgdorf ins Auge gefasst hätten, wären unsere Chancen auf den Investitionsbeitrag grösser gewesen.» Der Langnauer Gemeindepräsident Bernhard Antener formuliert es auf telefonische Nachfrage noch deutlicher: «Ich werde den Verdacht nicht los, dass das Emmental für die 2-Standort-Strategie abgestraft wird.» Denn die Leitung des kantonalen Spitalamtes sei «wie besessen von der Idee, dass es pro Region nur ein Spital geben darf». Es gelte jetzt, «das Gegenteil zu beweisen».

Eva Jaisli und Adrian Schmitter erklären, wie das gehen soll. Man wolle die geplanten Erneuerungen Punkt für Punkt überdenken. Oberste Priorität hätten jene Investitionen, «die uns helfen, wettbewerbsfähiger zu werden». Denn wenn 2012 das neue Krankenversicherungsgesetz in Kraft tritt, könnendie Patienten das Spital frei wählen. Voraussichtlich 12 Prozent der Tarifeinnahmen kann das Spital für Investitionen einsetzen.

Helfen die Banken?

Gegenüber jenen Spitälern, die für ihre Investitionsvorhaben heuer noch öffentliche Gelder bekommen, sei das RSE zwar im Nachteil, räumt Adrian Schmitter ein. Er und seine Leute wollen den Kopf aber nicht hängen lassen, denn: «Wenn wir so weiterfahren und bei den Fallkosten so günstig bleiben, haben wir eine gute Zukunft.»

Damit dies gelingt, muss in die Infrastruktur investiert werden. Und die Kreditwürdigkeit bei den Banken dürfte nach dem regierungsrätlichen Entscheid eher gesunken als gestiegen sein. «Aber diese Leute hier», sagt Elisabeth Zäch und zeigt auf Adrian Schmitter und Eva Jaisli, «arbeiten so gut, dass sie es schaffen können.»

Berner Zeitung

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