Emmental ist scharf auf Immobilien

Die Emmental-Versicherung blickt auf ein Jahr ohne verheerende Schadenfälle zurück. Ihre Reserven legt sie immer stärker in Immo­bilien an. Als Nächstes möchte sie ein Projekt in Burgdorf ­realisieren.

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Versicherungen leben von der Differenz aus den Prämieneinnahmen und den Schadenzahlungen sowie den Erträgen auf ihren Reserven. Das ist auch bei der Emmental-Versicherung mit Sitz in Konolfingen so. Die tiefen Zinsen bleiben deshalb auch für sie nicht ohne Folgen. «Mit den ­liquiden Mitteln und den Obligationen erzielen wir praktisch ­keinen Ertrag mehr», sagte Emmental-Chef Christian Rychen am Montag an der Präsentation der Jahreszahlen am Hauptsitz.

Mit einem gewissen Stolz fügte er an, dass die Versicherung auf ihren liquiden Mitteln von fast 40 Millionen Franken keine Negativ­zinsen habe bezahlen müssen. Sie schaffte dies, indem sie ihre Gelder auf die Kantonalbank, die ­Valiant-Bank und sowie Berner ­Regionalbanken verteilt hatte.

230 Wohnungen im Besitz

Seit ein paar Jahren hat die Emmental begonnen, ein Portefeuille von eigenen Immobilien aufzubauen. Mittlerweile hat ­dieses einen Wert von 72,2 Millionen Franken und umfasst 230 Mietwohnungen. Im vergangenen Frühling hat die Versicherung in Lengnau am Jurasüdfuss 32 Mietwohnungen fertiggestellt. Bei der Vermietung sei man auf der «Zielgeraden», sagte ­Rychen. Voll vermietet ist mittlerweile die Überbauung in Aarwangen, wo die Emmental 33 Neubauwohnungen erstellte. Hier musste die Versicherung die ursprünglich angestrebten Mietpreise leicht reduzieren.

Projekt in Burgdorf

Rychen will in Zukunft in weitere Immobilienprojekte investieren. So laufen derzeit Verhandlungen über den Einstieg bei einer Überbauung mit etwa 20 Wohnungen in der Stadt Burgdorf. Auch künftig wird sich die Emmental-Versicherung auf Immobilienprojekte im Kanton Bern oder allenfalls in angrenzenden Gebieten beschränken, so wie es die Anlagestrategie vorsieht. Ein Immobilienerwerb in Boomkantonen wie Zürich steht also nicht zur Diskussion. «Zu unseren Investitionsvorhaben sind wir über Beziehungen gekommen. Da müssen wir realistisch sein: Unser Netzwerk im Immobiliengeschäft reicht nicht über den Kanton Bern hinaus», betont ­Rychen.

Die Emmental-Versicherung hat im vergangenen Jahr ihr Engagement im Immobilienbereich über ein weiteres Instrument verstärkt. Sie hat erstmals Geld in Immobilienfonds investiert. Und zwar 1,9 Millionen in solche, die weltweit in Geschäfts- und Büroräumlichkeiten investieren. «Wir wollen mit dieser Art von Wertschriften Erfahrungen sammeln», betont der Emmental-Chef.

Weniger Schäden

In Bezug auf die Schäden verlief das Jahr 2016 so, wie es sich eine Versicherung wünscht. «Es gab weniger Elementarschäden als in anderen Jahren», betont Rychen. Die Schadensumme wuchs weniger stark als die Prämieneinnahmen. Einer der grössten Schadenfälle, welche die Emmental zu decken hatte, war der Brand eines Bauernhauses in Höfen bei Thun. Dieser wurde durch einen Funkenschlag beim Brand des Nachbarhauses entfacht.

Ausschüttung im Jahr 2018

Auch bei der Emmental-Versicherung ist die Digitalisierung ein grosses Thema. Sie investiert rund 3 Millionen Franken in die Erneuerung ihrer Softwareplattform. Bei einem Schaden sind die Mitarbeiter heute mit einem Tablet-Computer unterwegs: «Unsere Mitarbeiter können beim Gespräch mit den Betroffenen alles direkt erfassen und auch Bilder machen. Nach dem Gespräch können sie dann die Meldung elektronisch an unsere Schadenzentrale weiterleiten», erklärt Rychen.

Beliebt bei den Emmental-Kunden sind die Gewinnausschüttungen, welche alle drei Jahre in bar erfolgen. Im nächsten Jahr wird es wieder so weit sein. Der Reservetopf ist bislang ausreichend gefüllt.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 30.01.2017, 21:44 Uhr

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Emmental-Chef Christian Rychen. (Bild: zvg)

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