Eintauchen in die ständige Dunkelheit

Burgdorf

Krimiautorin Christine Brand, früher in Oberburg zu Hause, stellt ihren neuen Bestseller vor. Die Leute sind begeistert – allerdings nicht unbedingt von ihrer Lebensweise.

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Christine Brand (links) im Gespräch mit Elisabeth Zäch.

(Bild: Marcel Bieri)

Sonntagvormittag im Casino-Theater, praktisch jeder Stuhl ist besetzt. Da geht das Licht aus, im Saal und auf der Bühne. Die Spannung steigt. Schemenhaft sind zwei Personen auf der stockdunklen Bühne wahrnehmbar, eine winzige Lampe ist auf eine Buchseite gerichtet und beleuchtet das Gesicht von Krimiautorin Christine Brand.

Sie taucht mit ihrer Lesung in die ständige Dunkelheit von Nathaniel ein, der als Blinder froh ist über die Hilfe von Carole via App Be My Eyes. So hilft sie ihm, das farblich passende Hemd im Schrank zu finden. Bis die harmlose Unterhaltung abrupt abbricht und ein durchdringender Schrei Schreckliches erahnen lässt.

Auf der Bühne wird es wieder hell, und Elisabeth Zäch von den Burgdorfer Krimitagen unterhält sich mit Christine Brand über den Weg, der bei der Autorin zum Kriminalroman führt. «Häufig habe ich eine Buchidee durch zufällig erlebte Geschehnisse oder Gespräche, die sich wie ein Samenkorn in meinem Gehirn einnisten», sagt Brand.

Danach forscht sie akribisch und mithilfe von Internet und einem fachlich versierten Bekanntenkreis zum neuen Plot. «Dann tauche ich vollständig ein in neue Welten», verrät sie. Im aktuellen Krimi «Blind» ist das einerseits die Welt ohne Licht und Farben – und andererseits eine Hochschwangere in beinahe auswegloser Situation. «Letzteres war für mich als Kinderlose viel schwieriger», sagt sie lachend.

Schreiben ist Wonne

Schreiben und Recherchieren sei für sie pure Wonne, sie geniesse den Aufbau von Geschichte und Spannung und könne überall und in jedem Umfeld schreiben – ob im fahrenden Zug, im Café in Sansibar oder anderswo.

Die Knochenarbeit komme danach, wenn sie ihr Werk mehrere Male den Anforderungen von Verlag und Lektoren angleichen müsse. Brand, die früher in Oberburg lebte, hat mit 45 Jahren all ihre beruflichen Brücken als Journalistin samt festem Wohnsitz abgebrochen. Am 4. März erschien «Blind» und fungiert bereits auf Platz 5 der deutschen Bestsellerliste – es ist auch als Hörbuch erhältlich. Brand liefert in Kürze den nächsten Krimi ab und arbeitet lustvoll am neuen Buch. 

Volle Konzentration

Die Lesung in völliger Finsternis zu beginnen, finden Silvia und Peter Bieri hervorragend. Das zwinge die Zuhörer zur vollen Konzentration und lasse keine Ablenkung zu, erklären sie. Allerdings entspricht dem Ehepaar Bieri die Lebensweise der Autorin ohne festen Wohnsitz nicht.

Auch Jürg Vogel ist begeistert vom packenden Einstieg und vom professionellen Gespräch zwischen Christine Brand und Elisabeth Zäch. «Christine Brand lebt ihre Bücher und liest nicht einfach vor», sagt auch Ursula Bärtschi, bevor sie sich in die lange Schlange von Leuten einreiht, die eine Widmung ins neue Buch wollen.

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