Burgdorf

«Einige haben nicht leihgehalten»

BurgdorfAn der Spitze der grössten bürgerlichen Ortspartei steht jetzt Bruno Rosser. Er visiert bereits die Wahlen 2020 an und will, dass die SVP ihren verlorenen Sitz im Burgdorfer Gemeinderat zurückerobert.

SVP-Präsident Bruno Rosser will die Bürgerlichen für die kommenden Gemeindewahlen auf Linie bringen.

SVP-Präsident Bruno Rosser will die Bürgerlichen für die kommenden Gemeindewahlen auf Linie bringen. Bild: Andreas Marbot

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Herr Rosser, als neuer Präsident der SVP Burgdorf haben Sie ein schweres Erbe angetreten.
Bruno Rosser: Das sehe ich überhaupt nicht so. Brigitte Martinelli hat als Präsidentin einen guten Job gemacht. Die SVP Burgdorf ist in einem guten Zustand.

Sie sagen dies, obwohl Ihre Partei den einzigen Sitz im Gemeinderat verloren hat.
Das stimmt zwar. Doch im Stadtrat haben wir nach wie vor den mit Abstand grössten Wähleranteil der Bürgerlichen. Die SVP konnte ihre sieben Sitze im letzten November verteidigen.

Was lief denn schief, dass die SVP mit Ihnen und Thomas Gerber zwei stadtbekannte Persönlichkeiten nicht in die Exekutive gebracht hat?
Eine akribische Analyse haben wir zwar nicht gemacht. Sicher haben die Bürgerlichen nicht ­geschlossen für ihre eigenen ­Gemeinderatskandidaten gestimmt. Einige haben nicht leihgehalten.

Sie sprechen die Freisinnigen an.
Ja. Thomas Gerber und ich waren schon etwas erstaunt, dass mit FDP-Kandidat Elias Maier eine Person mehr Stimmen erzielte, die sich bisher in der Burgdorfer Politik nie in Szene gesetzt hat.

Hat die FDP etwas besser gemacht als die SVP?
Das kann ich nicht beurteilen. Die Freisinnigen haben sicher ­davon profitiert, dass die SVP ­ohne Wenn und Aber für das bürgerliche Gemeinderatsticket gestimmt hat.

Und die BDP?
Die BDP möchte ich in diesem Zusammenhang nicht ins Spiel bringen. Charlotte Gübeli hat wie erwartet ein Topresultat erzielt. Und Francesco Rappa profitierte sicher auch von seiner Kandidatur für das Stadtpräsidium.

Wie ist die Manöverkritik der bürgerlichen Parteien nach den Wahlen ausgefallen?
Wir sind zu einer Schlussbesprechung zusammengekommen und haben dabei festgestellt, dass die bürgerliche Einheit nicht gespielt hat.

Gingen Sie mit der FDP ins Gericht?
Nein. Wir wollen nicht Sündenböcke suchen, sondern nach vorne blicken.

In Richtung Gemeindewahlen 2020?
Genau.

Werden Sie als Präsident der grössten bürgerlichen Partei den Lead übernehmen und versuchen, FDP, BDP und SVP auf eine Linie zu bringen?
Absolut. Ich will die Wahlen 2020 raschestmöglich zum Topthema der Bürgerlichen machen. Es war wohl ein Fehler, dass wir erst ein gutes Jahr vor den letzten Gemeinderatswahlen die bürgerliche Strategie festgelegt haben. Da waren uns unsere Gegner sicher ein, zwei Jahre voraus.

Ist dieser bürgerliche Wahlausschuss bereits an der Arbeit?
Nein. Die personelle Zusammensetzung wird jedoch in Bälde erfolgen. Unser Ziel muss es sein, die Namen der Gemeinderatskandidaten von SVP, BDP und FDP weit früher als das letzte Mal zu bestimmen.

Welches Ziel strebt die SVP in Regierung und Parlament an?
Im Gemeinderat will die SVP einen Sitz erobern und die sieben Mandate im Stadtrat verteidigen.

Würden Sie im Fall Ihrer Nomination zu den Gemeinderatswahlen 2020 antreten?
Nein.

Sie könnten erneut für den Stadtrat kandidieren.
Mit dannzumal 62 Jahren ist für mich ein Sitz im Parlament kein Thema mehr. Ich hatte zwölf gute Jahre im Stadtrat, ein Jahr sogar als Präsident, das reicht. Vielmehr sollten wir stärker auf die Jugend setzen.

Ist es nicht ein Nachteil, wenn der Parteipräsident nicht dem Stadtrat angehört?
Überhaupt nicht. Über die Stadtratsgeschäfte bin ich bestens informiert. Die SVP-Stadträte und unser Parteivorstand tagen gemeinsam vor den Sitzungen des Parlaments. Aber: Der Vorstand übt keinen Einfluss auf die Stadtratsgeschäfte aus.

Wird die SVP im Stadtrat in den nächsten vier Jahren eine Oppositionspolitik betreiben?
Sicher nicht generell, denn wir müssen gemeinsam nach Lösungen suchen, die unsere Stadt vorwärtsbringen.

In welchem Bereich streben Sie Korrekturen an?
Sehr unzufrieden bin ich mit der Schuldenwirtschaft der Stadt Burgdorf. Spätestens wenn es bei den Zinsen eine Korrektur nach oben gibt, wird sich die Schuldenlast von 120 Millionen Franken negativ auswirken. Als ich noch im Parlament sass, haben wir Sachgeschäfte vielleicht oft etwas zu rasch und ohne nachzufragen bewilligt, statt auch einmal Opposition zu machen. Von möglicherweise gemachten Fehlern nehme ich mich nicht aus.

Bereits vor Ihrer Wahl zum ­Präsidenten der SVP Burgdorf haben Sie sich in die Diskussion um die Verkehrsproblematik im Bahnhofquartier eingebracht.
Natürlich. Ich muss handeln, solange noch nichts beschlossen ist. Meines Wissens hätte die Quartierplanung letzten Montag in den Stadtrat kommen sollen. Warum dies nicht geschah, weiss ich nicht.

Welches ist der Kernpunkt Ihrer Kritik?
Ich mache mich stark für die Parkplätze, die für die Kunden der Läden und des Gewerbes sehr wichtig sind. Es kann doch nicht sein, dass es vor dem Bus-Beizli und dem Fotogeschäft Meier keine Parkplätze mehr hat.

Die Zahl der Parkplätze soll nicht kleiner werden. Geplant ist, dass sie anders angeordnet werden – zum Beispiel in einer Zweier­reihe auf der Poststrasse.
Ob es für die doppelte Reihe genügend Platz hätte, ist so sicher nicht. Bei der geplanten Verbreiterung der Poststrasse werden Interessen von privaten Grundeigentümern tangiert. Zudem befinden sich im Bereich des jetzt anvisierten Projekts Tiefgaragen.

Sie sind nicht nur SVP-Ortspräsident, sondern auch Stadtangestellter und machen mobil gegen Pläne der Stadt. Muss es da nicht zu einem Interessenkonflikt kommen?
Nein, das sehe ich nicht so, weil ich meine Meinung als Privatperson in meiner Funktion als SVP-Präsident vertrete. Sonst dürften Stadtangestellte auch nicht Mitglied des Stadtrates sein.

Sie vertreten die Interessen der SVP, die bei den Personalaus­gaben kritisch hinschaut und im Stadtrat auch schon mal einen Kürzungsantrag unterstützt hat. Ihre Partei will Ihnen also quasi den Lohn kürzen.
Diesen Kürzungsantrag habe ich damals im Stadtrat unterstützt, obwohl er auch mich persönlich betroffen hätte. Da ich die Verhältnisse in der Privatwirtschaft etwas kenne, vertrete ich die ­Meinung, dass Stadtangestellte bezüglich Lohn und Lohnentwicklung keinen Grund zum Jammern haben. Wer bei der öffentlichen Hand angestellt ist, sollte etwas dankbarer sein.

Die Mitgliederversammlung der SVP Burgdorf hat Sie einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Welche Ziele streben Sie an, um diesem Resultat gerecht werden zu können?
Grundsätzlich werde ich die Arbeit von Brigitte Martinelli weiterführen. Gerne würde ich die SVP noch verstärkt mit speziellen Aktionen in der Öffentlichkeit präsentieren. Klar ist mein Ziel für die Wahlen 2020: ein Sitz im Gemeinderat und mindestens sieben Mandate im Stadtrat. Wichtig ist mir, dass wir unseren Nachwuchs fördern und für die politische Arbeit motivieren können. (Berner Zeitung)

Erstellt: 31.03.2017, 16:40 Uhr

SVP Burgdorf

Der Vorstand der SVP Burgdorf ist an der jüngsten Hauptversammlung neu bestellt worden. Anstelle der demissionierenden Brigitte Martinelli wurde Bruno Rosser zum Präsidenten gewählt. Vizepräsidentin ist neu Mirjam Wüthrich (bisher Bruno Rosser). Die weiteren Vorstandsmitglieder sind Marc Bracher, Miriam Hosner, Marc Remund, Sabrina Rohrbach, Simon Schertenleib sowie die Stadtratsmitglieder Daniel Beck, Thomas Gerber, Fritz Gfeller, Simon Kühni, Barbara Lüthi-Kohler, Pierre Manz und Marcel Meier.

FDP Burgdorf

Maier solls richten

Das gleiche Schicksal wie die SVP teilt die zweite bürgerliche Kraft in Burgdorf: Die FDP ist – erstmals seit 1920 – nicht mehr im Gemeinderat vertreten. Gerade mal 27 Stimmen fehlten Elias Maier für den Einzug in die Exe­kutive. Jetzt soll der erst 26-jährige Präsident der Jungfreisinnigen Burgdorf-Emmental die FDP Burgdorf wieder auf Vordermann bringen.

An der Hauptversammlung vom 19. Mai dürfte Elias Maier zum neuen Präsidenten der Ortspartei gewählt werden und damit André del Piero an der Spitze ablösen. Zu neuen Vizepräsidenten sollen dem Vernehmen nach die Stadträte Andreas Stettler und Jürg Kämpf gewählt werden. Zurücktreten werden mindestens vier Vorstandsmitglieder.

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