Bätterkinden

Ein teurer Coiffeurbesuch

Bätterkinden Erst ver­ursachte die Rentnerin einen Autounfall, dann machte sie sich aus dem Staub. Vor dem Regionalgericht Emmental beteuerte sie einen ganzen Morgen lang ihre Unschuld. Doch schliesslich fügte sie sich in ihr Schicksal.

Nach dem Unfall beging die Rentnerin Fahrerflucht.

Nach dem Unfall beging die Rentnerin Fahrerflucht. Bild: iStock

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Das Recht ist nicht nur ein kostbares Gut, sondern auch ein ­kostspieliges: Diese Erfahrung machte gestern eine 68-Jährige aus dem Solothurnischen vor dem Regionalgericht Emmental-Oberaargau. Fünf Stunden lang sass die verwitwete Rentnerin vor Einzelrichter Manuel Blaser.

Der Grund dafür war ein Bagatellunfall, den sie laut der Staatsanwaltschaft Ende 2016 in Bätterkinden verursacht hatte: Nach einem Coiffeurbesuch fuhr die Frau mit ihrem Peugeot vom Parkplatz auf die Landshutstrasse. Dabei schnitt sie einem von rechts nahenden Automobilisten, der mit seiner Frau und zwei Kindern in Richtung Utzenstorf unterwegs war, den Vortritt ab. Ohne sich um den Schaden zu kümmern, brauste sie weiter. An ihrem Wohnort wurde sie von zwei Polizisten empfangen. Verletzt wurde bei der Kollision niemand. Der Sachschaden betrug ein paar Hundert Franken.

«Keinen einzigen Kratzer»

Die Staatsanwaltschaft büsste die Frau per Strafbefehl mit 700 Franken und auferlegte ihr die Gebühren von 300 Franken. Einen Eintrag ins Strafregister hatte die Seniorin nicht zu befürchten. Trotzdem zog sie den Fall, frei von jedem Schuldbewusstsein, weiter. Gegenüber dem Richter behauptete sie, es habe gar keinen Zusammenstoss gegeben. «Ich stand mit meinem Auto schon vorschriftsgemäss auf der rechten Fahrbahn, als der andere Wagen wie aus dem Nichts neben mir auftauchte», sagte sie. Wenn die Fahrzeuge sich tatsächlich touchiert hätten, hätte sie «selbstverständlich» angehalten, um nachzusehen, was los sei.

An ihrem Auto, merkte sie an, gebe es «keinen einzigen Kratzer». Dem widersprachen die beiden Solothurner Polizisten, welche das Vehikel nach dem Vorfall untersuchten. Sie – beide gelernte Automechaniker – teilten dem Richter mit, der Wagen der Frau habe am Kotflügel vorne rechts Kratzspuren aufgewiesen. Woher diese stammten, konnten sie jedoch nicht sagen. Ihre Berner Kollegen bemerkten an der linken Hintertür des Geschädigtenwagens Beulen und Kratzer.

Für die Staatsanwaltschaft ergaben diese Spuren ein in sich stimmiges Bild. Der Autofahrer gab an, die Frau sei vor ihm «einfach in die Strasse hinausgefahren». Den Zusammenstoss habe er körperlich kaum wahrgenommen. Sehr deutlich sei aber «ein Quietschen» zu hören gewesen. Seine Ehefrau bestätigte diese Schilderung. «Es gab keinen Riesenwumms. Wir spürten ganz fein, wie das andere Auto unser Fahrzeug berührte.»

Uneinsicht kostet

Im Laufe der Verhandlung wurde je länger, je klarer, dass der Unfall sich genauso abgespielt haben musste, wie er von der Staatsanwaltschaft aufgrund der Spuren und Indizien rekonstruiert wurde. Die Einzige, die das nicht einsehen wollte – oder konnte –, war die Beschuldigte. Manuel Blaser beschloss deshalb, der Frau nach den Zeugeneinvernahmen und bevor er sich für die Urteilsfindung zurückzog, «im Sinne einer Dienstleistung», wie er sagte, zu skizzieren, wie ihre Chancen auf einen Freispruch stünden. «Im Moment neige ich dazu, auf die Aussagen der Polizisten abzustellen», teilte er der Frau mit.

Er habe auch keinen Grund zur Vermutung, dass die Geschädigten sie falsch beschuldigen wollten. Die Wahrscheinlichkeit, dieses Verfahren ungeschoren zu überstehen, erachte er vor diesem Hintergrund als «nicht sehr hoch». Nach einer viertelstündigen Bedenkpause zog die Seniorin ihre Einsprache zurück. «Ich vermag es einfach nicht, diese ­Sache noch weiterzuziehen», sagte sie mit unverhohlener Verbitterung in der Stimme.

Blaser belohnte die Einsicht, indem er die Kosten für die Gerichtsverhandlung tief ansetzte. Dennoch kommt die Frau ihre Uneinsicht teuer zu stehen: Nebst der Busse und den ursprünglichen Gebühren muss sie nun auch noch die 1300 Franken berappen, welche dem Staat für die Abwicklung ihres Rekurses entstanden. Bevor die Frau den Gerichtssaal verliess, liess der Richter sie wissen: «Aus meiner Sicht war das die richtige Entscheidung.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 14.06.2018, 18:02 Uhr

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