Ein natürliches Heim, ganz aus Holz

Familie Allemann setzt auf erneuerbare Ressourcen und naturbelassenen Baustoff. Im Ortsteil von Herzogenbuchsee entsteht daher aus 100 Kubikmetern Holz ein Eigenheim, das seinesgleichen sucht.

Susanne und Patrick Allemann (rechts) haben sich mit dem hölzernen Eigenheim, das Jürg Hirschi (links) gebaut hat, einen Traum erfüllt.

Susanne und Patrick Allemann (rechts) haben sich mit dem hölzernen Eigenheim, das Jürg Hirschi (links) gebaut hat, einen Traum erfüllt.

Chantal Desbiolles

Es riecht anders. Betritt man das Heim von Patrick und Susanne Allemann und ihren beiden Kindern, fühlt man sich an einen Spaziergang durch einen Fichten- oder einen Tannenwald erinnert. Auch die Optik ist entsprechend: Holz, so weit das Auge reicht. Ausserdem Werkzeuge, Kabel, Kisten und Handwerker an der Arbeit. Noch wird im und um das Holzhaus am Erlenweg in Oberönz gebaut.

«Ein wenig Idealismus gehört schon dazu», sagt Patrick Allemann und blickt sich im Eingang um. Der Begriff Holzhaus ist in seinem Fall wörtlich zu nehmen: Die gesamte Gebäudehülle besteht aus dem unbehandelten, natürlichen Bauträger.

Unbelastetes Bauen

Bis zum natürlichen Eigenheim war es ein langer Weg. Die Eigentumswohnung in Zollbrück verkaufte das Paar vor drei Jahren mit der Idee, in der Nähe ein Haus zu kaufen. Die Suche aber änderten sie bald ab. «Für den Preis, dachten wir uns, können wir auch selbst eines bauen», erzählt Patrick Allemann. Bauland schliesslich fanden sie ausgangs Oberönz, am Waldrand.

Bauen ohne Fremdstoffe und Nachhaltigkeit grundsätzlich seien ihnen bei der Planung des Neubaus wichtig gewesen, sagt der Familienvater. «Gerade in der heutigen Wegwerfgesellschaft. Holz ist ein natürliches Produkt, das die Umwelt nicht belastet.»

Daher setzen Allemanns auch auf Fotovoltaikanlage und Warmwasseraufbereitung auf dem Dach und einen Regenwassertank mit 6000 Litern Fassungsvermögen unter dem Boden, für WC-Spülung und Gartenwasser. «Auf Dauer lohnt sich das», ist der Inhaber von Fotoblitz.ch überzeugt. «Wenn auch nicht unbedingt finanziell.» Für den Hausbau rechnet er mit Kosten von rund 690'000 Franken.

Auch auf regionale Wertschöpfung legte die Emmentaler Bauherrschaft Wert. In der Truber Holz AG fanden sie einen Partner, der Holz aus den Wäldern der Region in einem speziellen Verfahren zu Holzelementen verarbeitet (siehe Box). Eben wurde deren viertes Holzelementhaus aufgerichtet; jenes von Allemanns ist dennoch ein Novum, weil Jürg Hirschi als Truber-Holz-Initiant von A bis Z in die Planung involviert war.

Aufgerichtet in zwei Tagen

Nach der Planung gings dann sehr schnell: Die Elemente standen innert zweier Tage. Das Fundament für das Haus aus weitgehend erneuerbaren Rohstoffen wurde im März gelegt. Die Baute steht nicht in voller Breite auf einem gegossenen Betonfundament, sondern lediglich auf vier Streifen, damit das Haus «atmen» kann.

Die Aussenwände bestehen aus 24 Zentimeter dicken Wänden, die im Innern offen gezeigt werden. Die Zwischenwände sind mit Abrieb bedeckt – die Holzoptik ist nicht zwingend. Im Wohnbereich steht ein grosser Speicherofen, der mit Holz befeuert wird. Radiatoren gibt es im sogenannten Einofenhaus keine – die Wärme verteilt sich auch so über die beiden Stockwerke.

Überhaupt sei Holz ein ausgezeichneter Wärmespeicher, sagt Zimmereiinhaber Jürg Hirschi. Es nehme auch Feuchtigkeit auf und gebe sie gleichmässig wieder ab.

Verbaut werden alles in allem rund 100 Kubikmeter Holz, was etwa 100 Tonnen CO2 entspricht, die während der Lebensdauer des Holzhauses nicht in die Atmosphäre gelangen. Diese Menge stosse ansonsten eine vierköpfige Familie in drei Jahren aus.

Berner Zeitung

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