Gondiswil

Ein Scherz könnte Ernst werden

GondiswilIn den Mammuts, die während der letzten Eiszeit in der Region lebten, sieht Pro Regio Huttwil das Thema für die gesuchte Touristenattraktion. Bevor etwas entsteht, muss allerdings ein Masterplan erstellt werden.

Kein Käse: Walter Rohrbach und Werner Stark (von links)?informierten in Gondiswil über ihr Projekt eines Mammutparks. Vorderhand müssen sie sich das Mammut aber noch bei Thomas Thierstein (Käserei Gondiswil) und Ursula Kämpfer (Käserei Dürrenroth)?ausleihen.

Kein Käse: Walter Rohrbach und Werner Stark (von links)?informierten in Gondiswil über ihr Projekt eines Mammutparks. Vorderhand müssen sie sich das Mammut aber noch bei Thomas Thierstein (Käserei Gondiswil) und Ursula Kämpfer (Käserei Dürrenroth)?ausleihen. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie waren der Aprilscherz dieser Zeitung im Jahr 2012: die Elefanten, die von Gondiswiler Landwirten gehalten werden, damit Käser Urs Thierstein seinen Mammutkäse herstellen kann. Und wie es sich für einen richtigen Aprilscherz gehört, war er zwar gut erfunden, doch der Käser von Gondiswil stellt seine Käsespezialität immer noch aus Kuhmilch her. Dies, auch wenn auf der Etikette des Käses ein Mammut prangt. Immerhin läuft der Käse so gut, dass inzwischen auch Urs Kämpfer in der Käserei Dürrenroth mitproduziert.

Doch nun könnte aus dem Scherz doch noch Ernst werden, zwar nicht mit Elefanten, sondern mit ihren wolligen Vorfahren, den Mammuts. Nicht lebendigen allerdings, denn diese sind nach der letzten Eiszeit ausgestorben. Denn die gleichen Eiszeitelefanten, die bereits Urs Thierstein zu seinem Käse inspirierten, haben es nun auch Walter Rohrbach und Werner Stark angetan. Walter Rohrbach ist Geschäftsführer des Huttwiler Verkehrsvereins Pro Regio. Dieser hat Werner Stark mit seinem Büro Pronatour aus Wien beigezogen, um eine besucherträchtige touristische Attraktion zu schaffen.

Fast die ganze Schweiz

Was es mit den Mammuts und der Region Huttwil auf sich hat, erläuterte am Oberaargauer Tourismus-Round-Table Werner Stirnimann (Biodiversia, Langenthal): Zur Zeit der Mammuts ragte die Grenzregion von Oberaargau und Luzerner Hinterland praktisch als einziger Teil der Schweiz südlich des Juras aus den grossen Gletschern der Eiszeit heraus: Aare-, Rhone- und Reuss-Gletscher deckten auch die Räume der heutigen Städte Bern, Luzern und Solothurn mit einer dicken Eisschicht zu.

Der Österreicher Werner Stark brachte es auf den Punkt: Die nördlichen Napfausläufer waren damals im Schatten des Hauptgipfels praktisch die ganze nicht vergletscherte Schweiz – eine karge, steppenähnliche Landschaft. Als während des Ersten Weltkrieges zwischen Gondiswil und Ufhusen Kohle abgebaut wurden, kamen in den Flözen Knochen und Zähne von drei Mammuts zum Vorschein. Sie werden heute in den Naturmuseen von Bern und Luzern aufbewahrt.

Erlebnisinszenierung

Wegen dieser besonderen Lage zur Zeit der letzten Eiszeit dränge sich dieses Thema für die angestrebte Attraktion der Region Huttwil auf, gab sich Werner Stark überzeugt. Eine Attraktion, die nicht nur Museum und auch nicht nur Erlebnispfad sein soll, wie der Wiener Experte an Beispielen illustrierte, die seine Pronatour bereits realisiert hat. Angestrebt wird vielmehr eine Erlebnisinszenierung, bei der man «drehen, schieben, stecken, aber auch spielen und dabei lernen kann». Eine Erlebnisinszenierung aber auch, mit der sich alle andern Attraktionen der Region vernetzen lassen.

Name steht noch nicht fest

Wie das aussehen könnte, zeigte Walter Rohrbach mit einem Film aus dem Mammut- und Naturmuseum Siegsdorf in Bayern, das in seinem zehnjährigen Bestehen eine Million Besucher angelockt hat. «Dabei», hielt Rohrbach fest, «ist dieses bloss ein Museum.» Mit der einzigartigen Ausgangslage, die die Region Huttwil habe, lasse sich diese Zahl gewiss übertreffen.

Noch ist das Mammutmuseum in der Region Huttwil aber nicht gebaut, ja man ist sich noch nicht einmal über den Namen ganz einig. Infrage käme nämlich auch ein thematisch offenerer Eiszeitpark mit einem Mammut bloss als Maskottchen.

Zuerst ein Masterplan

Vorerst wollen Pro Regio Huttwil und Oberaargau Tourismus bei Pronatour einen touristischen Masterplan erstellen lassen. Erst danach kann man auch über die Kosten für die Realisierung sprechen. Walter Rohrbach hofft, den Masterplan noch dieses Jahr bei der Region Oberaargau eingeben und danach 2015 mit der Ausarbeitung beginnen zu können.

Vorderhand müssen sich Walter Rohrbach und Werner Stark das Mammut deshalb weiterhin bei den Mammut-Käsern in Gondiswil und Dürrenroth ausleihen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 22.10.2014, 07:00 Uhr

Neue Regionalpolitik

Das Mammut- oder Eiszeitprojekt von Pro Regio Huttwil soll mit Geldern der neuen Regionalpolitik angeschoben werden. Murielle Quaile von der Geschäftsstelle der Region Oberaargau stellte am Oberaargauer Tourismus-Round-Table in Gondiswil die Kriterien vor, die dafür erfüllt werden müssen, sucht die Region doch Projekte für das Förderprogramm 2016 bis 2019 des Bundes.

Beiträge gibt es nur für den Aufbau von Projekten, jedoch keine an ihren Betrieb. Einzelne Betriebe werden nicht gefördert, zudem muss der Projektträger 20 Prozent Eigenmittel aufbringen. Direkt oder indirekt muss das Projekt eine Wertschöpfung generieren.jr

Kommentare

Blogs

Serienjunkie Der Kampfevent

Foodblog Uneingelöste Versprechen

Die Welt in Bildern

Dreifach bezopftes Pferd: Ein Haflinger wartet auf einer sonnigen Wiese in der Nähe von Döllsädt. (18. Oktober 2017)
(Bild: AP Photo/Jens Meyer) Mehr...