Ein Label fürs Gewissen

Burgdorf

Die Stadt soll sich den fairen Handel auf die Fahne schreiben und so Fair Trade Town werden. Die SP-Fraktion erwartet vom Gemeinderat Antworten. Im Juni kommt das Geschäft in den Stadtrat.

Urs Egli

«Burgdorf ist bereits sehr nachhaltig unterwegs, sodass es für die Stadt kein grosser Aufwand wäre zum Label Fair Trade Town zu kommen», ist Gabriela Bannwart überzeugt. Prüfen müsse man beispielsweise nur noch, woher die Stadtverwaltung ihre Produkte beziehe und inwiefern diese dem Label gerecht würden.

Die SP-Stadträtin visiert neben dem Büromaterial auch den Kaffee an, der in den Büros der Verwaltung konsumiert wird. Dies darum, weil für die Herstellung von Kaffee sehr viel Wasser nötig sei.

Namens ihrer Fraktion hat Bannwart eine Interpellation eingereicht. Wissen möchte die junge Politikerin, wie es die Stadt bei den Verbrauchsprodukten mit dem fairen Handel hält. Und: «Zieht der Gemeinderat eine Bewerbung der Stadt Burgdorf zur Erlangung des Titels ‹Fair Trade Town› in Betracht?» Eine Antwort wird Gabriela Bannwart im Juni erhalten, wenn die Interpellation im Stadtparlament traktandiert ist.

Eine Vorbildfunktion

Sollte die Haltung der Exekutive nicht zu ihrer Zufriedenheit ausfallen, behält sich die SP-Frau die Einreichung einer Motion vor. Die Hoffnung ist eine andere: «Es ist allerdings auch sehr gut möglich, dass der neu zusammengesetzte Gemeinderat selbst beantragen wird, dass Burgdorf zu einer Fair Trade Town werden soll.»

Für Bannwart ist klar, dass die 1900 Franken, die die Stadt als Trägerin des Labels jährlich aufbringen müsste, gut investiertes Geld wäre, «denn der faire Handel hat eine extreme Symbolik». Wichtig sei, dass Burgdorf in der Region eine Vorbildfunktion übernehme. So wie dies seit etwa zwei Jahrzehnten als Energie- ­sowie als Velostadt der Fall ist.

Neuland würde Burgdorf als Fair Trade Town nicht betreten. Vorgemacht haben es die Gemeinden Glarus-Nord sowie Zweisimmen und die Stadt Bern. Erste Schritte zum Label haben zudem Frutigen, Riehen, Liestal, Aarau, Uster, Wil SG und Capriasca TI getan. International läuft die Kampagne in 31 Ländern.

Folgende Kriterien müssen erfüllt sein, damit man das Label erhält: Die Stadt bekennt sich zum fairen Handel; eine Arbeitsgruppe koordiniert das Fair-Trade-Engagement; Detailhandel und Gastronomie/Hotellerie sowie Institutionen und Unternehmen bieten Fair-Trade-Produkte an beziehungsweise verwenden solche; durch Öffentlichkeitsarbeit wird die Bevölkerung für das Thema sensibilisiert.

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