Ein Garagier gibt Vollgas

Auswil

Der Auswiler Garagier Hannes Flückiger will tiefere Autosteuern. Jetzt kämpft der Robin Hood der Autofahrer nicht mehr allein.

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Nun ist Hannes Flückiger nicht mehr zu bremsen: Der 47-jährige Auswiler Garagier hatte letzte Woche angekündigt, einen Volksvorschlag zu lancieren, um die Motorfahrzeugsteuern im Kanton um einen Drittel zu senken. Gleichzeitig will er verhindern, dass Halter von weniger energieeffizienten Fahrzeugen mit einem Malus noch stärker als heute belastet werden. Damit reagierte Flückiger auf das neue Gesetz, das der Grosse Rat im letzten November verabschiedet hatte (wir berichteten).

Wirte, Private, Facebook

Die Staatskanzlei hat Flückigers Volksvorschlag nun geprüft – und genehmigt. Entsprechend froh ist der Garagier: «Jetzt gebe ich Vollgas.» Er sei fast rund um die Uhr mit dem politischen Geschäft beschäftigt. Bis Mitte März hat er noch Zeit, 10000 Unterschriften zu sammeln. Am Erfolg zweifelt er aber nicht – «das Echo ist sehr gross; ich habe ganz tolle Reaktionen erhalten». Erst gestern Abend habe ein Privatmann bei ihm tausend Unterschriftenbögen abgeholt.

Auch Kleingewerbler melden sich bei dem Garagier: Wirte, Bäcker, Coiffeure – sie alle wollen Flückigers Bögen in ihren Lokalen auflegen. Und auch auf der Internetplattform Facebook gibt es mittlerweile eine Gruppe, die für den Oberaargauer die Werbetrommel rührt.

Die Steuerhölle bodigen

Hinzu kommt: Flückiger, der sich als Robin Hood der Autofahrer bezeichnet, kämpft nun auch offiziell nicht mehr allein. Er wird unterstützt vom kantonalen Autogewerbeverband und der kantonalen Auto-partei.ch (vormals Freiheitspartei). Sympathie für Flückigers Volksvorschlag bekundet ebenfalls die Junge SVP. «Unsere moralische Unterstützung ist ihm gewiss», sagt Präsident Erich J. Hess. Ob die Jungpartei den Garagier aber auch offiziell fördert, hat sie noch nicht entschieden.

Das neue Gesetz des Grossen Rats soll ab dem Jahr 2011 gelten. Die Idee dahinter: Wer einen Neuwagen kauft, soll dank der steuerlichen Entlastung ein umweltfreundlicheres Auto kaufen. «Der psychologische Effekt steht im Vordergrund», schreibt der Regierungsrat zum Gesetz. Einen grossen Einfluss auf den CO2 erwarten Experten allerdings nicht.

In den Augen von Garagier Flückiger ist die «Zusatzsteuer» ungerecht. Wer auf ein grosses Auto angewiesen sei, zahle hohe Steuern – auch wenn er seinen Wagen nur selten benutze. «Um den gewünschten psychologischen Effekt zu erreichen», findet Flückiger, «gibt es wirksamere Mittel.»

Berner Zeitung

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