Schangnau

Ein Dorf kämpft vergebens für seine Bank

Schangnau8 Millionen Franken. So viel wird die Raiffeisenbank an Darlehen und Hypotheken verlieren, wenn die Filiale in Schangnau geschlossen wird. Diese Aussicht bringt die Bankleitung nicht vom eingeschlagenen Weg ab.

Ihre Aktion brachte nicht den erhofften Erfolg: Beat Gerber, Christian Siegenthaler und Ernst Aegerter (von links) bissen in Langnau auf Granit.

Ihre Aktion brachte nicht den erhofften Erfolg: Beat Gerber, Christian Siegenthaler und Ernst Aegerter (von links) bissen in Langnau auf Granit. Bild: Thomas Peter

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Zwei Stunden habe das Gespräch gedauert. Marco Mutzner, Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Oberes Emmental, ­Reto Müller, Vorsitzender der Bankleitung, und die Schangnauerin Erika Friedli als Mitglied des Verwaltungsrats hätten teilgenommen, rapportiert Beat Gerber.

Der Gemeindepräsident von Schangnau war sekundiert worden von Landwirt Christian Siegenthaler und Ernst Aegerter. Teilgenommen habe Letzterer als ehemaliger Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Oberes Emmental. Bis zum Gespräch habe er noch eine Verantwortung für das Unternehmen verspürt. «Doch ab jetzt bin ich gewöhnlicher Genossenschafter und stehe nicht mehr für die Bank ein», sagt Aegerter. Er ist enttäuscht.

Die Schangnauer waren nach Langnau gereist, um der Führungscrew der Raiffeisenbank Oberes Emmental vor Augen zu führen, was sie verlieren, wenn sie am Entscheid festhalten – und die Filiale im Dorf auf Ende November schliessen. «Wir haben ihnen klar gesagt», berichtete Gerber, dass 89 Personen die Absichtserklärung unterschrieben haben, in der steht, man werde sich vor künftigen Geldgeschäften an das Verhalten der Bankleitung erinnern. Je nach Reaktion hätte sich dieses Erinnern für die Bank positiv ausgewirkt.

«Ein Riesenbetrag»

Doch die Verantwortlichen zeigten sich laut dem Gemeindepräsidenten unbeeindruckt. So löste er sein Versprechen ein und gab öffentlich bekannt: 20 Schangnauer hätten an der Versammlung vom vergangenen Freitagabend angegeben, ihre bestehenden Darlehen und Hypotheken zu kündigen. Zehn bezifferten kommende Investitionen, für die sie sich in den nächsten zwei Jahren andere Finanzpartner suchen werden.

Insgesamt verliere die Raiffeisen in der Gemeinde Schangnau bei den Ausleihungen «einen Riesenbetrag», so Gerber: gut 8 Millionen Franken – mindestens. Nach der Versammlung seien weitere Bürger zu ihm gekommen, um zu bekunden, dass auch sie sich andere Banken suchen würden, falls die Filialschliessung durchgezogen werde.

Als Retourkutsche für die ­kurzfristige Schliessungsankündigung liessen die Schangnauer der Bankleitung bloss 24 Stunden Zeit für eine schriftliche Stellungnahme. Pünktlich traf die ­erwartete Mail beim Gemeindepräsidenten ein. Gerber fasst zusammen: «Der Verwaltungsrat bedankt sich für den Besuch und unser Bemühen, hat aber einstimmig beschlossen, am eingeschlagenen Weg festzuhalten.» Der angekündigte Verlust werde bedauert.

Appell in die Zentren

Ernst Aegerter hat eine Reihe von Fragen, die ihn umtreiben. Wunder nehme ihn etwa, wer die Bankleitung zur Verantwortung ziehe dafür, dass sie bereit sei, auf geschätzte 100'000 Franken Zins pro Jahr zu verzichten, um im Gegenzug «vielleicht 30'000 Franken» für den Betrieb der Bankfiliale einzusparen.

Wissen möchte er aber vor allem dies: «Wie zum Donnerwetter haben wir Schangnauer es verdient, dass wir für die gleiche Dienstleistung, die Genossenschafter in Langnau und Eggiwil gratis beziehen, 4.50 Franken bezahlen müssen?» Künftig können die Schangnauer im Dorfladen bis zu 500 Franken Bargeld beziehen, müssen dafür aber eine Gebühr von 4.50 Franken entrichten. ­

Aegerter hofft, dass es in den Zentren «zu einer Solidaritätswelle kommt», wie damals, als Schangnau vom Unwetter gebeutelt wurde. «Dass die Leute aufstehen und sagen: ‹Es kann doch nicht sein, dass die einen für einen Service bezahlen müssen und die anderen nicht.›»

Die «andere Ebene»

Als die Poststelle geschlossen wurde, ärgerte das die Schangnauer. Als die Valiant-Bank ihre Filiale schloss, waren sie wütend – und dankbar, dass sie wenigstens noch die Raiffeisenbank hatten. Viele hätten damals gewechselt, stellt Landwirt Christian Siegenthaler fest. «Hier sind wir sehr solidarisch», fügt er hinzu. Gewerbler und Landwirte wie er seien es gewesen, die die Bank «gross gemacht» hätten.

Auch er als Landwirt müsse täglich schauen, wo er sparen könne. «Aber die Leute von der Bank leben irgendwie auf einer anderen Ebene – 100'000 Franken sind für die nichts», sagt er und kämpft mit den Tränen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 29.11.2017, 16:40 Uhr

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