Trubschachen

Diskrepanz zwischen Ferien und Flüchtlingen

TrubschachenMit dem Auftakt des Open-Air-Kinos Hof3 in Trubschachen eröffnete auch der Langnauer Kunstmaler Markus Waber vor Ort seine Bilderausstellung «Anderssichten». Diese berührt und regt zum Nachdenken an.

Markus Waber hält auf seinen Bildern gern seine Ferienerinnerungen malerisch fest.

Markus Waber hält auf seinen Bildern gern seine Ferienerinnerungen malerisch fest. Bild: Daniel Fuchs

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«Ohne Heute gäbe es heute kein Gestern.» Diese philosophischen Worte scheinen den gemalten Werken von Markus Waber gleichsam zugrunde zu liegen. Anlässlich der von Daniela Wyss musikalisch umrahmten Vernissage auf dem Hof3 in Trubschachen sagte Waber zu seinen Gästen: «Malend reagiere ich auf ­Erlebtes, Gelesenes, Erblicktes.»

Speziell die tägliche Flut von Pressenachrichten versuche er so zu verarbeiten, erklärte Waber, der das Metier in der Schule für Gestaltung in Bern von Grund auf gelernt hatte. Später bildete sich der gelernte Finanzfachmann bei bekannten Grössen wie Hans Schwarzenbach, Simon Fuhrer, Rudolf Mumprecht und Carl Speglitz weiter.

Seit 1981 zeigte Waber seine Werke in verschiedenen Einzel-und Gruppenausstellungen. Betrachtet man seine stupend gemalten Acryl- und Aquarellbilder, speziell jene mit Gruppen von Menschen, fällt auf, dass Waber die menschliche Anatomie auch in der Abstraktion beherrscht. Gekonnt setzt er seinen Pinsel so, dass jede Person eine ganz individuelle Ausstrahlung erhält.

Vergnügen und Flucht

Besonders auffallend ist dies auf dem Bild «Kreuzfahrt. Check-in». Jeder Einzelne in der wartenden Gruppe erhält mit seiner individuellen Körperhaltung und Gestik eine eigene Geschichte. Die menschliche Anatomie, so Waber, habe er ganz besonders bei Mumprecht vertieft gelernt.

Diese Kenntnis widerspiegelt sich besonders auch im kauernden, nackten Selbstbildnis. Daneben sind zwei Flüchtende mit einem Plastiksack abgebildet. «Damit möchte ich die Diskrepanz aufzeigen zwischen westlichen Ferien zu Dumpingpreisen und den Flüchtenden, die den Schleusern horrende Summen zahlen müssen, um nach Europa zu kommen», veranschaulichte der Langnauer.

Wabers Auseinandersetzung mit dem Thema Vergnügen/Flucht wird ebenfalls auf dem Bild mit den im Vordergrund badenden Touristen und den mit Flüchtlingen überfüllten Schlauchbooten im Bildhintergrund thematisiert.

Immer mit Block unterwegs

«Für Momentaufnahmen und Ideen habe ich immer einen Block dabei», sagte er lächelnd. Dass er gern Details beobachtet, zeigt sich in all seinen meistens in starken Farben gemalten Bildern.

Waren es früher fast ausschliesslich Landschaften, die er malte, sind es heute die Menschen im Alltag, in den Städten oder in den Ferien und die sozialpolitischen Zusammenhänge, die Waber vermehrt interessieren.

Naturgemäss setzt er den Fokus, oft in Bildausschnitten, nicht nur auf das klinisch Schöne, sondern zeigt je nach Inhalt und Erlebtem genauso Brüche und Abgründe.

Obschon der 68-Jährige, der, um Motive zu sammeln, gern reist, seit seiner Pensionierung mehr Zeit hat für seine Leidenschaft, malt er längst nicht jeden Tag. Vielmehr müsse er dafür in der richtigen Stimmung sein, sagte er.

Die Ausstellung sei spontan durch Wabers Werkschau in Lyss zustande gekommen, sagte der Hof3-Betreiber und Waber-Freund Tom Turtschi. Letztmals habe Waber vor über zehn Jahren bei ihm ausgestellt.

Während langen Jahren hätten parallel zu den Open-Air-Kino-Zeiten Bilderausstellungen stattgefunden, so Turtschi. Möglicherweise sei die aktuelle Ausstellung der Beginn einer Wiederaufnahme dieser Tradition. (Berner Zeitung)

Erstellt: 25.07.2017, 15:08 Uhr

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