Lyssach

Discobass nervt Nachbarn

LyssachWährend die einen feiern, können die anderen nicht schlafen: Der Betreiber der Disco Palma bei der Shoppingmeile in Lyssach möchte den zulässigen Grenzwert des Musikschallpegels nach oben schrauben. Das versetzt nicht alle in Partylaune.

In der Disco Palma soll die Musik lauter erschallen dürfen: Doch gegen ein entsprechendes Gesuch gingen 17 Einsprachen ein. Die Bewohner der nahe gelegenen Ringstrasse fühlen sich durch die Bassgeräusche gestört.

In der Disco Palma soll die Musik lauter erschallen dürfen: Doch gegen ein entsprechendes Gesuch gingen 17 Einsprachen ein. Die Bewohner der nahe gelegenen Ringstrasse fühlen sich durch die Bassgeräusche gestört. Bild: Marcel Bieri

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Eigentlich ist die Diskothek Palma in der Shoppingmeile in Lyssach ideal gelegen, um am Wochenende zu Musik zu feiern und zu tanzen. Fast niemand wohnt unmittelbar da, möchte man meinen. Aber in der Nähe des Einkaufsparadieses befindet sich das Wohnquartier Ringstrasse.

Die dortigen Bewohner haben wenig Freude am Discobetrieb. Immer wieder gehen bei der Gemeindeverwaltung Beschwerden und Reklamationen ein, wie Gemeindeschreiber Stefan Flückiger bestätigt. Eine Zeit lang sei Ruhe gewesen, doch vor einem Jahr ging es wieder los.

Schlaflose Einsprecher

Es gibt offenbar Leute, die sich wegen der nächtlichen Bassgeräusche, die bis zu ihnen dringen, gestört fühlen und nicht einschlafen können. So verwundert es nicht, dass gegen die Publikation zur Erhöhung des Grenzwerts für den Musikschallpegel von 96 auf 100 Dezibel gleich 17 Einsprachen beim Emmentaler Regierungsstatthalteramt eingingen, die meisten davon sind in identischem Wortlaut abgefasst.

«Ich will ‹spatzig› haben, wenn die Lautstärke der Bands plötzlich auf 98 oder 99 Dezibel oben ist.»Zeljko Pjic

Bis Anfang August haben Discobesitzer und Gemeinde nun Zeit, falls gewünscht ihre Stellungnahmen beim Regierungsstatthalteramt einzureichen. Das Amt entscheidet danach, ob es das Aufdrehen der Boxen erlaubt oder nicht.

Laute Livebands

Zeljko Pajic, der die Folkoteka Palma an der Shoppingmeile seit 17 Jahren betreibt, hält am Gesuch trotz allem fest, wie er auf Anfrage mitteilt. Er wird eine Stellungnahme einreichen und den Entscheid des Statthalteramtes abwarten. Pajic betont, dass Vertreter der Fachstelle Lärm der Polizei vor Ort Messungen durchgeführt hätten. «Sie haben nichts Relevantes festgestellt.»

Den Grenzwert will der Betreiber erhöhen, um auf der sicheren Seite zu sein, wegen der Livebands, die bei ihm vor allem an den Samstagen auftreten. Er sagt: Ein DJ sei kontrollierbar, wenn aber Bands Konzerte spielten, sei es mitunter schwierig, die Grenze von 96 Dezibel genau einzuhalten.

«Meistens werde ich es nicht aus­reizen, zu meinem Schutz und dem der Gäste. Aber ich will ‹spatzig› haben, wenn die Lautstärke der Bands plötzlich auf 98 oder 99 Dezibel oben ist.» Es werde also nicht immer so laut sein, fügt er an.

Auch Gemeindeschreiber Stefan Flückiger verweist auf das Lärmgutachten. Er weiss davon, dass im Tanzlokal selbst mindestens einmal die zulässige Dezibelgrenze überschritten wurde. An der Ringstrasse seien keine Überschreitungen gemessen worden. «Dort ist allerdings der Schall das Problem, diese Bumbum-Geräusche», so Flückiger.

Verständnisvolle Gemeinde

Die Gemeinde zeigt Verständnis für die Sorgen der Einsprechenden. Lärm beruhe eben auf einem subjektiven Empfinden, hält Stefan Flückiger fest. «Wenn man nachts in aller Stille zu Hause im Bett liegt, können einem die Bassgeräusche schon sehr laut vorkommen und einen am Einschlafen hindern.»

«Wenn man nachts in aller Stille zu Hause im Bett liegt, können einem die Bassgeräusche schon sehr laut vorkommen.»Stefan Flückiger

Die indirekten Anwohner hätten nun die Befürchtung, dass dieses Wummern intensiviert würde, wenn die Musik noch lauter läuft. Denn der Schallpegel verlaufe nicht linear, gibt der Gemeindeschreiber zu bedenken. Bei dieser Lautstärke bedeute eine Erhöhung um 4 Dezibel quasi eine Verdoppelung des Lärms.

Seit Jahren schon rege die Lautstärke der Discomusik zu Diskussionen an. Um die Bürger künftig zu schützen, stellt sich die Lyssacher Baukommission hinter die Einsprechenden. Sie hat zuhanden des Regierungsstatthalteramts einen Bericht eingereicht. «Die Baukommission empfiehlt, die Bewilligung nicht zu erteilen», sagt Flückiger. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 13.07.2017, 18:34 Uhr

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