Wangenried

Dieser Bierbraumeister setzt auf Handarbeit

WangenriedViele Jahre schon ist das Bierbrauen die grosse Leidenschaft von Stefan Müller. Vor drei Jahren machte er sein Hobby zum Beruf und gründete eine Kleinbrauerei in Wangenried.

Hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Der Biersommelier Stefan Müller mit der 150-Liter-Braupfanne in seiner Kleinbierbrauerei Faex.

Hat sein Hobby zum Beruf gemacht: Der Biersommelier Stefan Müller mit der 150-Liter-Braupfanne in seiner Kleinbierbrauerei Faex. Bild: Olaf Nörrenberg

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Es sei eine Leidenschaft, die ihn schon seit vielen Jahren begleite, sagt Stefan Müller über das Bierbrauen. Der 46-Jährige betreibt in Wangenried seit drei Jahren die Kleinbrauerei Faex. Bereits in den 1990er-Jahren hatte er angefangen, sein eigenes Bier herzustellen. Damals noch im kleineren Rahmen mit einer 30-Liter-Anlage. Als er schliesslich von Langenthal nach Wangenried umzog, kam ihm dort, in der ehemaligen Käserei an der Dorfstrasse 25, die Idee, im grösseren Stil zu brauen.

Stefan Müller machte Ernst und ging vor drei Jahren unter die Berufsbrauer. Sein Pensum als Lehrkraft bei der Stiftung Lerchenbühl in Burgdorf reduzierte er auf 30 Prozent. «Das war ein Risiko», sagt er heute. Denn Abnehmer für sein Bier besass er anfangs gar keine. «Ich machte mich ein Stück weit naiv an die Sache heran.»

Mit Erfolg: Heute braut Stefan Müller mit einer 150 Liter fassenden Braupfanne, was ihm pro Kochgang rund 400 Flaschen Bier einbringt. Seine Grossabnehmer, etwa die Getränkehandlung Frey aus Wangen an der Aare oder L’Auberge aus Langenthal, kommen aus der ganzen Region. Derzeit sei sein Betrieb gut aufgestellt, freut sich Müller. Er schaut optimistisch in die Zukunft. Wobei die Nachfrage auch immer starken Schwankungen unterliege.

Saisonale Spezialitäten

Das Standardangebot von Stefan Müller besteht aus sechs Bieren und bietet eine breite Palette an Geschmacksrichtungen, darunter auch ein Schwarz-, ein Weizen- und ein Dinkelbier. Immer wieder bereichert der Bierbraumeister sein Angebot zudem mit saisonalen Spezialitäten.

So hat er bereits ein Red-Ale-Bier oder ein Hopfenbier mit Hopfen aus dem eigenen Garten gebraut. In der Winterzeit gibts ein Weihnachtsbier mit Ingwer, Zimt, Honig und Orangenextrakten. Und aktuell findet sich in seinem Keller gar ein Holunderblütenbier. «Die Blüten kommen aus dem Garten. Zuerst haben wir damit Sirup gemacht. Als dann immer noch so viel übrig war, kam uns die Idee mit dem Bier.» Dieses ist besonders süss: Für 150 Liter Holunderblütenbier benötigt es 6 Kilo Honig. «Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt», sagt Stefan Müller. Theoretisch sei es gar möglich, ein Kürbiskernen- oder ein Kartoffelbier herzustellen.

Keine Computertechnik

Seit der Gründung seiner Kleinbrauerei, die er als Einmannbetrieb führt, hat der Profibrauer über 165 Hektoliter obergäriges, naturtrübes Bier gebraut. Bei der Herstellung verzichtet er auf jegliche computertechnischen Hilfsmittel und setzt, selbst bei den einfachsten Arbeitsschritten, voll auf Handarbeit. Bis 150 Liter Bier in der Flasche und diese verkorkt sind, investiert Stefan Müller auf diese Weise zehn Arbeitsstunden.

Zu Beginn muss das Biomalz, das Müller aus Deutschland bezieht, in der Pfanne «geschrotet» werden, um so viel Stärke wie möglich aus dem Korn herauszubekommen. Was übrig bleibt, wird ausgewaschen und anschliessend zusammen mit dem Hopfen gekocht, bevor die Flüssigkeit schliesslich den Weg ins Gärfass nimmt.

Das Bierbrauen ist eine Wissenschaft für sich, weiss Müller. «Alleine auf die Schaumbildung nehmen 50 verschiedene Faktoren Einfluss.»

Über 500 Brauereien

Der Wangenrieder ist zertifizierter Biersommelier. Als solcher, so sagt er, sehe er es als seine Aufgabe an, dem Bier in der Schweiz zu einem besseren Image zu verhelfen. «Das Bier gilt hierzulande immer noch häufig als etwas Billiges.» Mit seinen Qualitätsprodukten will Müller deshalb mithelfen, zu zeigen, dass das malzhaltige Getränk eigentlich in den «Genussbereich» gehört. Seinen Kunden und den Besuchern seiner Bierkurse versucht Stefan Müller deshalb zu beweisen: «Bier ist nicht einfach Bier.»

Die Schweiz besitze, so bedauert Müller, im Vergleich zu Deutschland, Tschechien oder Belgien leider keine grosse Bierkultur. Doch der Bierbrauer weiss, auch hierzulande sind die einheimischen Bierbrauereien «am Kommen». Noch vor rund 15 Jahren, rechnet er vor, gab es schweizweit nur 38 von ihnen. Heute sind im Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien des Eidgenössischen Finanzdepartements über 500 Brauereien eingetragen. Alleine seit Müller 2010 seine Kleinbrauerei eröffnet hat, sind rund 146 dazugekommen. Das Schweizer Bier als Erfolgsgeschichte also? Stefan Müller würde es bestimmt freuen.

Bierbrauerei Faex, Dorfstrasse 25, Wangenried, Kontakt: 032 530'02'69. Mehr Informationen unter: www.faex.ch (Berner Zeitung)

Erstellt: 30.08.2013, 06:09 Uhr

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