Die kleinen Vampire sind wählerisch

Wynigen

Andrea Lüthis Freude über ihre neuen Mitbewohner in Wynigen währte nur kurz.

Johannes Hofstetter

Es schien der Beginn einer wundervollen Beziehung zu sein: Selten begrüsste jemand eine Invasion von Fledermäusen euphorischer als Andrea Lüthi. Kaum hatten sich 45 Flugsäuger am Wochenende kopfüber unter ihrem Dach installiert, teilte die knapp 40-Jährige ihren 300 Facebook-Freundinnen und Freunden mit, wie sehr sie sich über ihre neuen Mitbewohner freue.

Eine bessere Unterkunft hätten die Gäste nicht aussuchen können: «Fledermäuse waren schon immer meine absoluten Lieblingstiere», schwärmte die über Nacht zur Schlummermutter für Vampire avancierte Ex-Chefin des Burgdorfer Sozialdienstes und heutige Geschäftsleiterin der Berner Konferenz für Sozialhilfe und Vormundschaft. Die Fledermäuse ihrerseits hängen sich laut Experten nie an den nächstbesten Dachbalken, sondern achten auf eine warme, trockene, ritzenfreie und ruhige Behausung. All das, glaubte Lüthi, könne sie ihren Schätzchen bieten. Und mochte es kaum erwarten, an lauen Sommerabenden im Garten zu sitzen und ihre Mitbewohner auf der Jagd zu beobachten.

Aber oha: Gestern teilte sie lesbar enttäuscht mit, «die Fledermäuse haben mich verlassen!» Was den Viechern an ihrem Zuhause nicht gefallen haben könnte, sei ihr ein Rätsel. «Ob ihnen der Medienrummel zu viel geworden ist?», fragt sich Lüthi mit Blick auf die BZ-Berichterstattung über die pelzigen Gäste. Aber nein: Diese Zeitung trage «wohl kaum» Schuld am Auszug, antwortet sich die Alleingelassene gleich selber.

Naheliegender sei, dass die Tiere in Wohnfragen noch wählerischer sind als vermutet. Eine von ihr konsultierte Expertin auf diesem Gebiet habe gesagt, dass Zwergfledermäuse auf der Suche nach einem geeigneten Platz für die Geburt und Aufzucht der Jungen oft mehrmals zügeln würden, bis sie sich definitiv für ein Sommerquartier entscheiden.

So betrachtet, ist anzunehmen, dass die nachtaktiven Tiere bald erneut bei Andrea Lüthi einziehen. Denn dass sie nirgendwo willkommener sind als an der Dorfstrasse 17 in Wynigen, müssen früher oder später auch Blinde merken.

Berner Zeitung

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