Die hartnäckigen Nager vom Langetedamm

Oberaargau

Die Biber erobern den Oberaargau zurück. Das freut die einen und nervt die andern. Probleme gibt es in Lotzwil, wo die Tiere einen Uferdamm an der Langete durchlöchern. Eine Bibersperre soll das jetzt verhindern.

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Patrick Jordi@jordipatrick

Wenn bei einem Unwetter der Pegelstand der Langete rapide ansteigt, sorgt sich Bauer Simon Grossenbacher um seine Felder zwischen Lotzwil und Madiswil. Sein Land in der «Matte» grenzt unmittelbar an den Fluss. Einzig ein schmaler Uferdamm schützt vor Überflutungen. Zumindest war das bis anhin so.

Seit etwa drei Jahren nämlich haust eine Biberfamilie am Flussabschnitt, gleich oberhalb des Kleinwasserkraftwerks bei der Schwelli. Und die Tiere graben – ungeniert und ihrer Natur entsprechend – Höhlen in den knapp drei Meter breiten Damm. Die Folge: Der schützende Erdhaufen ist instabil und droht bei argem Hochwasser zu bersten.

Die Biber am Buddeln hindern

Das Schreckensszenario ist bislang zwar ausgeblieben, nicht aber eine kleinere Überschwemmung im Winter 2012, für die der Biber und seine Löcher im Damm mitverantwortlich sind. Der damals entstandene Schaden war für Bauer Grossenbacher zwar minimal. Der latenten Gefahr wegen klopfte er dennoch beim Hochwasserschutzverband unteres Langetental an, der für die Langete und die Uferstreifen verantwortlich ist.

«Die Hochwassersicherheit ist nicht länger gewährleistet», bestätigte Verbandssekretär Beat Schöni an der Delegiertenversammlung Ende November dieses Jahres die Bedenken des Landwirts. Und Schöni kündigte gleichzeitig den Bau einer sogenannten Bibersperre für das Frühjahr 2014 an. Dadurch soll der Damm saniert und der Biber am Buddeln gehindert werden. Kostenpunkt: 33'000 Franken.

Geplant ist, den Damm teilweise abzutragen und auf einer Länge von rund 200 Metern ein sogenanntes Diagonalgeflecht im Boden zu verankern. Dabei handelt es sich um einen handelsüblichen Maschendrahtzaun. Das Geflecht wird anschliessend mit Erdmaterial zugedeckt, der Damm wieder aufgeschüttet und zudem neu bepflanzt. Aus der Projektskizze geht weiter hervor, dass der Drahtzaun hauptsächlich zwischen Feld und Damm in den Boden eingelassen wird. Das heisst: Die Biber können den Erdwall zwar nicht mehr durchstossen, vom Fluss her ist das Löchergraben aber weiterhin möglich.

Ideales Plätzchen in Lotzwil

Darüber freut sich Peter Lakerveld, Leiter des Projekts «Hallo Biber Mittelland» und designierter Konfliktlöser, wenn irgendwo in den Kantonen Bern und Solothurn Mensch und Biber aneinandergeraten. Der Biologe setzt sich dafür ein, dass die Nagetiere in Lotzwil bleiben dürfen, denn: «Die Stelle oberhalb des Kleinwasserkraftwerks ist schlichtweg ideal.» Der Biber lasse sich bewusst dort nieder, wo Wasser gestaut werde und er einen relativ hohen sowie konstanten Pegelstand vorfinde. «Biber können sehr hartnäckig sein», ergänzt Lakerveld und tönt damit an, dass mit einer baldigen Rückkehr oder Neubesiedlung zu rechnen wäre, würde man die Tiere jetzt vertreiben.

Optimal wäre eine Pufferzone

Ganz der Mittelsmann, bezeichnet Experte Lakerveld die Bibersperre diplomatisch als «gute und nachhaltige Lösung». Lieber wäre ihm natürlich ein rund zehn Meter breiter und mit Weiden bepflanzter Grünstreifen entlang der Langete — als Pufferzone gewissermassen. «So könnten Zusammenstösse mit dem Biber fast vollständig vermieden werden, weil ihm genug Raum zum Leben gelassen würde.» Ohnehin ist der Biberkenner der Auffassung, dass die Landwirtschaftszonen vielerorts zu nahe an die Gewässer reichen. Einen Grünstreifen wird es in Lotzwil dennoch nicht geben. Bauer Grossenbacher ist auf sein Land angewiesen. Zudem hält er sich an den gesetzlichen Mindestabstand zwischen Gewässer und landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Die Kompromisslösung ist jetzt die Bibersperre. Aber auch mit dem Maschendrahtzaun im Boden dürften sich die umtriebigen Nagetiere wohlfühlen, ist «Hallo Biber»-Mann Lakerveld überzeugt. Er rechnet auch nicht damit, dass die Biber den Zaun durchbeissen und sich dabei verletzen werden. «Dazu sind die Maschen zu gross.»

Befürchtungen, dass der Damm nach erfolgter Sanierung instabil bleiben könnte, räumt Lakerveld aus dem Weg. Zwar grabe der Biber seine Behausung weiterhin in den Damm hinein. «Aber längst nicht mehr so intensiv wie bisher.» Die Grabaktivitäten hielten sich in Grenzen, wenn die Tiere nur in Ruhe gelassen würden. Unbekannte hätten in der Vergangenheit mehrmals die schützenden Asthaufen vor den Biberhöhlen entfernt. Fehle dieser Holzvorbau, grabe sich der Nager kurzerhand ein neues Loch. «In Lotzwil ist der Konflikt mit dem Biber also teilweise selbst verschuldet», sagt Lakerveld.

Sie stibitzen Mais und Rüben

Nicht nur die idealen Wohnverhältnisse, auch das Nahrungsangebot spricht dafür, dass es der Biberfamilie an der Langete gefällt. Auf dem Uferdamm wächst viel Gehölz, dessen Rinde die Biber fressen. Und im Sommer und Herbst tun sich die Nager an Bauer Grossenbachers Feldfrüchten gütlich. Ihre Favoriten: Maisstängel und Zuckerrüben. Fast jede Nacht seien sie gekommen, berichtet der Landwirt, der selbst aber noch nie einen Biber zu Gesicht bekommen hat.

Allerdings fühlt sich Grossenbacher durch die Biber nicht gestört, wie er betont. Ihn ärgert nicht einmal, dass die Biber seinen Mais stibitzen. Zu gering sei der Schaden. Und werden ihm die Tiere doch einmal zu dreist, spannt der Landwirt kurzerhand einen elektrischen Viehhüter vor sein Feld.

Stören die Baumaschinen?

Unklar ist indessen, ob die Biber in ihren Schlupflöchern bleiben, wenn im kommenden Frühling die Baumaschinen auffahren. Biologe Lakerveld schliesst nicht aus, dass die Nager während der Bauphase kurzzeitig das Weite suchen. Nach Abschluss der Sanierung dürften sie allerdings wieder an ihren Lieblingsplatz an der Langete zurückkehren.

Berner Zeitung

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