Die grosse Putzete des Schlossweihers

Utzenstorf

Beim Schloss Landshut in Utzenstorf bietet sich derzeit ein seltenes Bild: Das Wasser des Weihers ist abgelassen. Jetzt wird er von haufenweise angesammeltem Schlamm und Dreck befreit.

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Nadja Noldin

Schlamm, Schlamm, überall Schlamm. Das Boot sitzt auf dem Trockenen. Das Wasser ist verschwunden. Der Weiher, der das Schloss Landshut in Utzenstorf umzieht, ist seit letzter Woche trockengelegt. Nun tritt zutage, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt: haufenweise Dreck, eine braune Sosse, überwuchert von Wasserpflanzen. Die Raupe des Baggers hinterlässt tiefe Furchen. Die Fläche zu betreten, kann gefährlich sein. Knietief versinkt man im Morast. Mancherorts ist er sogar meterhoch.

Wer zurzeit im Schlosspark lustwandelt, wird Zeuge eines seltenen Ereignisses: Nach 30 Jahren wird der Wassergraben wieder einmal gründlich herausgeputzt, der Schlamm wird weggetragen, die Weiherränder werden saniert. Wo nötig, wird das Mauerwerk, ausgebessert und die eingebrochenen Faschinen, die den Weiher einfassen, ersetzt. Damit das Ufer nicht unterspült wird, werden dessen Ränder mit Steinen befestigt. Die stark witterungsabhängigen Arbeiten dauern voraussichtlich bis Mai. Der zuständige Architekt Thomas Maurer hofft, bis zum Muttertag, wenn das Schloss nach der Winterpause wieder für das Publikum zugänglich ist, fertig zu werden.

Fische gerettet

«30 Jahre hatten wir Ruhe. Jetzt lässt sich das Ausbaggern des Weihers nicht mehr hinauszögern», sagt Jürg Schweizer, Stiftungsrat vom Schloss Landshut und ehemaliger Denkmalpfleger. Sonst drohe die Versumpfung. Zudem muss die hölzerne Zugbrücke, die 1815 errichtet und bereits zweimal ersetzt wurde, nun zum dritten Mal saniert werden.

Der Schlossweiher wird von Mühle- und Oelebach gespeist und enthält reines Grundwasser. 10000 Liter pro Minute durchströmen ihn. Für die Reinigungsarbeiten wurde das Wasser mithilfe des Schwellensystems abgelassen. Der obere Bachzulauf wurde geschlossen, das Wasser fliesst jetzt durch die äusseren Bäche. Auch die Sickerungsschächte wurden freigelegt. Die Fische wurden unter Aufsicht des Fischereiaufsehers gezügelt. Die 25 Karpfen haben in einem benachbarten Weiher Unterschlupf gefunden. Nach der Putzaktion kommen sie zurück. Die kleineren Fische wurden in den Bächen ausgesetzt.

«Die Kosten für die Sanierungsmassnahmen sind happig», sagt Schweizer: Der Stiftungsrat gehe von fast 740000 Franken aus. Hauptposten seien die Entfernung des Schlamms und die Sicherung der Uferränder sowie die Erneuerung der Zugbrücke. Erhebliche Beiträge erhält die Stiftung vom Bundesamt für Kultur, Sektion Denkmalpflege, und vom kantonalen Lotteriefonds.

Früher in Fronarbeit

Landshut ist ein Wasserschloss, sogar das letzte intakte des Kantons. Der Wassergraben erfüllte in früheren Zeiten den Zweck einer Befestigungsvorrichtung, er diente als Schutz vor Angreifern und vor Hochwasser. Der Weiher stammt aus dem Mittelalter, wohl aus der Zeit um 1000, als das Schloss Sitz der Grafschaft Utzenstorf war. Nach Herrschaftswechseln verkaufte im frühen 19.Jahrhundert der Staat das Schloss, das zur Sommervilla umfunktioniert wurde. Der Weiher wurde als Dekoelement Teil des neu angelegten Parks. 1958 kaufte der Staat das verwahrloste Schloss jedoch zurück und restaurierte es, seit 1988 ist es im Besitz der Stiftung Schloss Landshut.

Der Weiher und seine Einfassungen machten immer wieder Arbeiten nötig. In den alten Rechnungen der Landvögte taucht gelegentlich ein Hinweis auf dessen Räumung auf, weiss Lokalhistorikerin Barbara Kummer. So verrechnete der Vogt beispielsweise 1637 89 Pfund und 12 Schilling für ein Fass Wein und Brot, das er den Untertanen ausgeteilt hatte. Das Geld war nur für die Verpflegung, denn die Arbeitskräfte waren «Freiwillige»; man war verpflichtet, gewisse Arbeiten für die Obrigkeit gratis zu verrichten.

Mit Schaufeln und Ochsen

Fotografien um circa 1930 aus dem Schatz von Barbara Kummer wiederum zeigen, wie der Weiher damals mit Rollwagen saniert werden musste. Nach dem Ablassen des Wassers wurden Schienen auf den Grund gelegt, die Männer schaufelten in Handarbeit die Unmengen an Schlamm aus. Mit Ochsen wurden die mit Matsch gefüllten Loren herausgezogen.

Belegt ist, dass 1959/1962 unmittelbar nach dem Kauf durch den Staat eine Sanierung fällig war, gut 10 Jahre später musste der Weiher erneut gesäubert werden. Ebenso 1982/1984, als 1000 Kubikmeter Schlamm entfernt und 3000 Kubikmeter Kies und Sand in die Sohle eingebaut wurden. Nun, 30 Jahre später, ist es wieder so weit.

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Berner Zeitung

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