Die digitale Gemeinde

Viele Gemeinden erneuern ihre Internetauftritte und bauen ihre Serviceleistungen aus. Auch im unteren Emmental. Utzenstorf und Rüdtligen-Alchenflüh haben es bereits getan.

Mit Computer oder Smartphone: Utzenstorf und Rüdtligen-Alchenflüh gehen bei ihren Webauftritten mit der Zeit.

Mit Computer oder Smartphone: Utzenstorf und Rüdtligen-Alchenflüh gehen bei ihren Webauftritten mit der Zeit. Bild: Marcel Bieri

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Das Tablet im Rucksack, das Smartphone in der Hand. Der ­moderne Mensch ist online. Am liebsten durchgehend. Überall vernetzt. Schreibt Kommentare auf Facebook, surft, mailt, twittert, informiert sich über Wichtiges und Belangloses. Um mit der Zeit zu gehen, müssen auch die Gemeinden im World Wide Web abrufbar sein, Dienstleistungen vermehrt online anbieten – vom Formular bis zu den Daten für die Müllabfuhr.

Bis auf drei kleine (siehe Kasten) haben alle Emmentaler Gemeinden schon seit Jahren eine eigene Website. Nun scheint die Zeit offenbar reif zu sein, diese umzugestalten, zu überarbeiten oder gänzlich zu erneuern. Die Stadt Burgdorf hat seit diesem Frühling einen neuen Internetauftritt. Ein Blick ins untere Emmental zeigt, dass auch hier der Erneuerungsvirus grassiert.

«Zeitgemässer»

Seit Ende September präsentiert sich die Website von Utzenstorf in neuem Gewand. Wer Utzenstorf.ch eingibt, kommt auf eine Startseite mit Luftbild des Dorfes, News zu Baupublikationen oder Gemeinderatsbeschlüssen, Veranstaltungshinweisen und Links zu aktuellen Themen. Die neue Seite sei zeitgemässer und übersichtlicher gestaltet, begründet Gemeindeschreiber-Stellvertreterin Sandra Blaser den Schritt. «Jetzt wird eine mobile Ansicht für Handys und Tablets ermöglicht. Das ging vorher nicht.»

Zudem habe man die Datensicherheit erhöht. Die Abrechnung der IT-Firma Netconsult aus Bern liege zwar noch nicht vor, gerechnet werde aber mit rund 5500 Franken. Nun ist es an der Gemeinde, die Inhalte aktuell zu halten. «Auch wollen wir das Dienstleistungsangebot weiterhin laufend ausbauen», sagt Blaser.

Alchenflüh mit App

Noch einen Tick moderner ist Rüdtligen-Alchenflüh. Seit rund drei Wochen hat die Gemeinde nicht nur eine neue Website, sondern auch gleich noch eine App fürs Smartphone im Angebot. Dieses kann gratis im Store heruntergeladen werden. Die Kommune ist dabei nebst Lützelflüh schon die zweite im Emmental, die auf diesen Zug aufspringt. Im Kanton Bern gebe es aktuell zwölf solche Gemeinde-Apps, mehrere weitere seien in Bearbeitung, sagt Christian Schwengeler, Geschäftsführer der Anthrazit AG, die die App generiert hat.

Neun Monate sei man an der Umsetzung dran gewesen, sagt Rüdtligen-Alchenflühs Gemeinderatpräsident Kurt Schütz (SVP). Er verweist auf die «einfachere Bedienbarkeit, die schönere Aufmachung und das bessere Marketing.» Informationen flössen schneller zu den Bürgern, wohingegen das Infoheft der Behörden nur zweimal pro Jahr erscheine. «Und mit der App sind wir noch näher bei den Einwohnern», ist Schütz überzeugt.

Die App hat eine Erinnerungsfunktion. So kann der Benutzer etwa eine Push-Nachricht einstellen, die durchgibt, wann Kartonsammlung oder Grünanfuhr ist. Ob er dabei ein paar Stunden oder lieber Tage zuvor benachrichtigt werden will, liegt in seinem Ermessen. Auch SBB-Tageskarten könnten via Klick – pardon Touch – bestellt werden.

Täglich ein Download

Der Service soll laut Kurt Schütz noch weiter ausgebaut werden: Ende Jahr sollen unter anderem Reservationen von Schulräumen oder vom Gemeindesaal möglich sein. Und die App hätte noch mehr interaktive Funktionen, die die Gemeinde zurzeit noch gar nicht nutzt.

Wohl kein Zufall ist es, dass ausgerechnet die Agglogemeinde Rüdtligen-Alchenflüh einen so grossen Schritt in Richtung Digitalisierung geht: Ratspräsident Schütz ist Projektleiter beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation. Auf die Kosten für Website und App angesprochen, sagt er nur so viel: «Kosten und Nutzen stehen im Verhältnis. Der Betrag lag in der Kompetenz des Gemeinderates.»

Die App wurde in den drei Wochen, in der sie angeboten wird, gegen 70-mal heruntergeladen. Schütz hofft, dass die Zahl steigt, wenn sich das Angebot herumspricht. Die Gemeinde Lützelflüh hat diesen Effekt erlebt. Im ersten Monat hatten sich rund 60 Personen die App besorgt. Inzwischen, gut drei Monate später, sind es schon fast 350. Und es scheint weiterzugehen. Die Gemeinde verzeichnet täglich mindestens einen Download.

Gehackte Seite

Utzenstorf und Rüdtligen-Alchenflüh haben also bereits umgesetzt, worüber andere Kommunen im unteren Emmental nachdenken: sich im Netz neu zu präsentieren oder zumindest die alte Seite aufzupeppen. So plant beispielsweise Koppigen, im ersten Halbjahr 2018 eine neue Website aufzuschalten. Derzeit befinde man sich in der Detailplanung, sagt Gemeindeschreiber-Stellvertreterin Michelle Mühlemann. Den gleichen Webauftritt haben Alchenstorf, Hellsau, Höchstetten und Willadingen, die zum Gemeindeverband Koppigen zählen. Nur Inhalt und Farben variieren. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Die jetzigen Websites stammen laut Mühlemann aus dem Jahr 2006. Die Sicherheit sei nicht mehr auf dem neusten Stand. Das zeigte sich 2015, als Willadingen Opfer eines Hackangriffs wurde: Wer die Homepage aufrief, landete statt auf der gewünschten Gemeindeseite auf einer Werbeseite. Auch in Koppigen spielt man mit dem Gedanken, eine Art Er­innerungsfunktion einzurichten. «Die Benachrichtigung wird aber eher in Form einer Mail oder eines SMS erfolgen», meint Mühlemann. Alle fünf Seiten zusammen werden pro Monat durchschnittlich 4500-mal besucht.

Auch in Kirchberg tut sich etwas: Die Gemeinde, dessen jetzige Website seit 2009 existiert und im Schnitt von 120 Nutzern pro Tag besucht wird, ist an der Erarbeitung einer neuen Seite, wie die Verwaltung auf Anfrage mitteilt. Diese soll voraussichtlich im ­Dezember online gehen. Eine App sei aber zum jetzigen Zeitpunkt nicht vorgesehen.

Die Website von Krauchthal wird im kommenden Jahr überarbeitet, geplant ist laut Gemeindeschreiber Andreas Bösch auch ein Ausbau der Onlineangebote wie zum Beispiel Onlineabmeldung/Adressänderung für die Einwohnerkontrolle. In Bätterkinden soll ebenfalls der E-Service ausgebaut werden. Eine Vorprüfung sei in Gang, nächstes Jahr würden Offerten eingeholt, heisst es auf der Verwaltung.

In Lyssach soll etwa in einem Monat das Redesign der aktuellen Website abgeschlossen sein. In Wynigen wurde ein solches 2015 durchgeführt. Wiler und Zielebach orten zumindest Optimierungsbedarf für ihre Internet­seiten. Alles beim Alten bleibt wohl vorläufig in Kernenried und Aef­ligen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.10.2017, 19:21 Uhr

Keine Website

«Fehler: Server nicht gefunden». Diese Meldung erscheint, wer im Netz die Gemeinde-Websites von Rüti bei Lyssach, Rumendingen oder Mötschwil sucht. Sie existieren nicht. Die drei Kleinstgemeinden sind zu klein für die virtuelle Welt (Rumendingen: rund 90 Einwohner; Rüti: rund 160; Mötschwil: rund 130). Der persönliche Kontakt ersetzt hier noch den Mausklick. «Wir brauchen keine Internetseite», sagt denn auch Rütis Gemeinderatspräsident Walter Schöni. Man kenne sich im Dorf. An den Gemeindeversammlungen herrsche eine hohe Beteiligung, und wer ein Problem habe, gelange auf direktem Weg zu ihm. Ähnlich tönts bei den anderen beiden Gemeinden: Das Bedürfnis sei nicht da, die Geschehnisse würden mittels direkter Information in alle Haushalte kommuniziert, Kosten und Aufwand stünden in keinem Verhältnis zum Nutzen, heisst es etwa.

Übrigens: Vor der Fusion mit Ersigen 2016 hatten auch Nieder­ösch und Oberösch keine eignen Websites. Nach dem Zusammenschluss gestaltete Ersigen eine neue Seite.

Artikel zum Thema

Die Gemeinde in der Hosentasche

Lützelflüh Seit Anfang Juli verfügt das Gotthelf-Dorf über eine eigene App. Es ist damit ein Pionier im Emmental. Die Technologie ist vielversprechend und könnte sogar das Zusammenleben verändern. Mehr...

Die Gemeinde-App gehört immer öfter zum Service

Online ist heute Trumpf: Immer mehr Apps für Smartphones und Tablets sollen unseren Alltag erleichtern. Das haben auch die Gemeinden erkannt und bieten nun fleissig eigene Apps an. Mehr...

So sprechen Gemeinden ihre Bürger an

Am Wochenende dreht sich im KKThun alles um glaubwürdige Kommunikation von Gemeinden. Nur: Was heisst das? Wir fragten fünf Gemeinden, wie sie Kommunikations-Aufgaben lösen – und erhielten komplett unterschiedliche Antworten. Mehr...

Service

Von Kino bis Festival

Finden Sie hier die schönsten Events in unserer Region.

Kommentare

Blogs

Foodblog Als Meret Oppenheim vom Marzili träumte

Bern & so Freier Kopf

Abo

Die ganze Region. Im Digital-Light Abo.

Die BZ Berner Zeitung digital im Web oder auf dem Smartphone nutzen. Für nur CHF 17.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Sonnenbaden mit gummigem Halsband: Dieses Krokodil trägt schon seit zwei Jahren einen Pneu um den Hals.
(Bild: Antara Foto/Mohamad Hamzah/ via REUTERS) Mehr...