Langnau

Die chronische Sorge um das Spital Langnau

LangnauDie Angst, dass das Spital vor der Haustür geschlossen werden könnte, verschwindet nicht. Das sei «nicht ganz nachvollziehbar», schreibt der Verwaltungsrat des Spitals Emmental.

Die Regionalspital Emmental AG?hat auch in Langnau stark investiert. Im Sommer 2013 wurde das erweiterte Bettenhaus 1 bezogen.

Die Regionalspital Emmental AG?hat auch in Langnau stark investiert. Im Sommer 2013 wurde das erweiterte Bettenhaus 1 bezogen. Bild: Thomas Peter

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Hansueli Albonico ist in Sorge. Der Langnauer Hausarzt sitzt seit zwei Jahren für die SP im Langnauer Parlament. An der letzten Sitzung hat er ein Postulat eingereicht:

«Eindringlich» ersuchte er den Gemeinderat, «Massnahmen zu prüfen, damit in Politik und Öffentlichkeit erkannt und berücksichtigt wird, dass zur weiteren Erhaltung des Spitals Langnau nicht nur betriebswirtschaftliche, sondern auch gemeinwirtschaftliche Aspekte entscheidend sein ­müssen».Bei zwei Enthaltungen und gegen bloss vier Nein-Stimmen wurde sein Prüfungsauftrag mit 31 Ja als dringlich überwiesen.

Das zeigt: Hansueli Albonico ist nicht allein mit seiner Angst, dass der Spitalstandort Langnau auf wackligen Füssen steht. Aufgeschreckt hatte ihn offenbar eine Stellungnahme des Regierungsrats zur Spitalstandort­initiative, die voraussichtlich nächsten Dienstag im Grossen Rat diskutiert wird.

Warnung vor der Initiative

An der nächsten Parlamentssitzung, am 14. Dezember, wird der Gemeinderat also Antworten liefern müssen auf Albonicos Anliegen. Doch er spielte den Ball ­jenen zu, die verantwortlich sind für die Führung des Spitals: Er liess den Verwaltungsrat der ­Regionalspital Emmental AG eine Reihe Fragen beantworten.

Darunter war auch diese: «Welche Auswirkungen hat die Spitalstandortinitiative auf die Regionalspital Emmental AG und insbesondere auf den Standort Langnau?» In seiner schriftlichen Antwort, die den Mitgliedern des Grossen Gemeinderates zugestellt wurde, schreiben die Spitalverantwortlichen:

«Die ­Annahme der Initiative hätte unseres Erachtens keine positiven Auswirkungen auf unser ­Spitalunternehmen.» Sie würde dazu führen, dass Angebote ­aufgenommen oder beibehalten werden müssten, für die in der Region zu wenig Nachfrage bestehe.

«Durch Quersubventionierung der fraglichen Angebote könnte das Spitalunternehmen finanziell unter Druck kommen, was mittel- bis langfristig zu einer Angebotsreduktion führen und die Behandlungsqualität beeinflussen könnte.»

«Nicht nachvollziehbar»

Was aber sagt der Verwaltungsrat zu dem Gerücht, mit dem sich ­offenbar auch der Gemeinderat immer wieder konfrontiert sieht: dass nach dem Ausbau und der Erhöhung der Bettenzahl am Standort Burgdorf die Tage des Spitals im oberen Emmental gezählt seien?

«Die fortwährende Infragestellung des Spitalstandortes Langnau» sei «nicht ganz nachvollziehbar», halten die ­Verantwortlichen dazu leicht ­gereizt fest. Denn der Verwaltungsrat sei «der festen Überzeugung, dass eine optimale medizinische Grundversorgung der Emmentaler Bevölkerung» nur durch den Betrieb von zwei Standorten ­sichergestellt werden könne. Deshalb investiere das Spital ­Emmental auch an beiden Standorten.

Aus- nicht Abbau

Der Verwaltungsrat verweist auf die in Langnau zum grossen Teil abgeschlossenen Erneuerungsarbeiten. Als letzte Etappe werde in den nächsten Monaten noch die Notfallabteilung neu konzipiert, erweitert und umgebaut.

Zudem seien in jüngster Zeit Chefarztstellen für Chirurgie, Medizin, Radiologie und Psychiatrie mit hoch qualifizierten Fachkräften besetzt worden. Und es seien weitere Kaderärzte «explizit für den Spitalstandort Langnau» gewonnen worden. Seit Oktober sei täglich ein Facharzt Radiologie vor Ort. «Mit all diesen Massnahmen wird es möglich, das medizinische Angebot in Langnau nicht nur zu stärken, sondern auch auszubauen.»

Für den Gemeinderat sind die Antworten der Regionalspital Emmental AG «nachvollziehbar und decken sich auch mit unseren eigenen Wahrnehmungen».

(Berner Zeitung)

Erstellt: 21.11.2015, 09:59 Uhr

Artikel zum Thema

Aus Frust: Chefarzt verlässt das Spital

Langnau Hansueli Albonico hat genug. Der Leiter der komplementärmedizinischen Abteilung verlässt das Spital Langnau. Er ist des ewigen Kampfes müde. Mehr...

Spital ohne Komplementärmedizin

Langnau Das Spital Emmental kann sich nicht mehr rühmen, als einziges Spital in der Schweiz am Standort Langnau über eine komplementärmedizinische Abteilung zu verfügen. Der Verwaltungsrat hat keinen Nachfolger für Chefarzt Hansueli Albonico gefunden. Mehr...

Nach nur acht Monaten: Der Chef der Psychiatrie muss gehen

Langnau Das Spital Emmental löst das Arbeitsverhältnis mit Psychiatriechefarzt Stefan Begré nach nur acht Monaten auf. Grund seien unüberbrückbare Dissonanzen. Mehr...

Kommentare

Blogs

Foodblog Ennet des Polentagrabens gibts auch Pasta

Mamablog «Nein ist nein» – ist kompliziert

Service

Mitdiskutieren, teilen, gewinnen.

News für Ihre Timeline.

Die Welt in Bildern

Reif für die Insel: Die philippinische Insel Boracay ist wieder für Touristen geöffnet. Sie war wegen Umweltprobleme geschlossen worden. Viele Hotels und Geschäfte sollen ihr Abwasser samt Fäkalien jahrelang ins Meer geleitet haben. Hier ist die vulkanische Formation Williy's Rock auf der Insel zu sehen. (16. Oktober 2018)
(Bild: EPA/Mark R. Cristino) Mehr...