Die SBB erhöhen Perron um Perron

Langenthal

Der erste Perron am Bahnhof Langenthal wurde bereits erhöht. Zudem wird das Perrondach zurückgeschnitten. Es ist der Beginn eines mehrjährigen Modernisierungsprojekts der SBB.

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Tobias Granwehr

Pendler haben es bestimmt gemerkt, vor allem jene, die regelmässig den Perron zu Gleis 1 am Bahnhof Langenthal benutzen: Es wird gebaut. Gleis 1 war zeitweise gesperrt, ist mittlerweile aber wieder freigegeben – mit sichtbaren Veränderungen. Der Perron wurde um 30 Zentimeter erhöht. Diese Massnahme ist Teil eines umfangreichen Erneuerungsprozesses am Bahnhof Langenthal (siehe Kasten).

Noch fehlt der Deckbelag

Till Kühnis ist Gesamtprojektleiter der SBB für das Projekt am grössten Oberaargauer Bahnhof. Die Perronerhöhung beim Gleis 1 sei abgeschlossen, noch fehle aber der Deckbelag, sagt er. Dass dieser fehlt und der Perron deshalb noch etwas uneben daherkommt, hat mit der Perrondachkante zu tun. Das Dach musste zurückgeschnitten werden. Der Start der Schneidarbeiten verzögerte sich laut Kühnis leicht, weshalb mit dem Einbau des Deckbelages zugewartet worden sei. «Denn beim Rückschnitt des Daches hätte der Belag beschädigt werden können.»

Doch weshalb musste das Dach bei Gleis 1 überhaupt angepasst werden? Der Fachmann der SBB erklärt: «Für Personen- wie auch für Güterzüge gilt ein sogenanntes Lichtraumprofil.» Das bedeutet, ein Zug benötigt immer einen gewissen Mindestabstand zu möglichen Hindernissen, seien das Gebäude, Signale oder Tunnels. In Langenthal erfüllten Gleis 1 und 21 das Lichtraumprofil für Güterzüge nicht mehr, so Kühnis.

Damit aber Personen- und Güterzüge mit höheren Wagen dort durchfahren können, wurde das Dach auf der gesamten Länge um 30 Zentimeter zurückgeschnitten. Der Dachkantenabschluss wurde wieder aufbetoniert, womit die Dachkante gegenüber dem ursprünglichen Zustand letztlich um 16 Zentimeter zurückversetzt wurde. Ein ziemlich grosser Aufwand für ein paar Zentimeter weniger Dach.

Behindertengerechte Perrons

Grosser Umtrieb, kleine Wirkung, könnte man also meinen. Zumal auf Gleis 1 in Langenthal nur selten Güterzüge verkehren. Die SBB investieren allerdings nicht nach Lust und Laune in einen Bahnhof, sondern weil «die Perronhöhe und die Distanz zum Zug genau reglementiert sind», so Kühnis. Nebst der Sicherheit ist heute zudem auch die Behindertengerechtigkeit ein wichtiges Argument bei Modernisierungen.

Gearbeitet wird auf der Baustelle auch nachts. «Gewisse Arbeiten müssen in der Nacht ausgeführt werden, da der Bahnbetrieb wenn irgendwie möglich nicht beeinträchtigt werden soll», sagt er. So müssen aus Sicherheitsgründen bei gleisnahen Arbeiten oft die Fahrleitungen vom angrenzenden Gleis ausgeschaltet werden.

Zugemauerte Fenster

Gesteuert und überwacht werden die Züge von einem Stellwerk aus. Am Bahnhof Langenthal befindet sich dieses zurzeit im ersten Obergeschoss im Dienstgebäude beim Gleis 1. Künftig werden die Stellwerktechnik sowie die Notstromversorgung im Erdgeschoss des Dienstgebäudes untergebracht. «Diese Räume werden zurzeit saniert. So müssen unter anderem die Fenster zugemauert werden, damit die hohen Sicherheitsanforderungen erfüllt werden können, zum Beispiel gegen Vandalismus», begründet Kühnis diese eher ungewöhnliche Massnahme.

Von Olten aus ferngesteuert

Ein vor Ort bedientes Stellwerk wird es in Langenthal allerdings nicht mehr geben. «Die SBB planen künftig mit nur noch vier Betriebszentralen, von denen aus sämtliche SBB-Bahnhöfe der Schweiz ferngesteuert werden», erklärt der Gesamtprojektleiter. Bereits in Betrieb sind Zürich-Kloten und Lausanne. Als Nächstes gehe Bellinzona in Betrieb und zum Schluss Ende 2015 Olten. «Langenthal wird dann von dort aus bedient.» Von der Betriebszentrale aus werden Weichen, Signale und Barrieren gesteuert. Täglich werden in diesen vier Zentralen Millionen von Schaltvorgängen überwacht.

Noch ist das aber Zukunftsdenken. Die Gegenwart liegt in der Erhöhung des Perrons 21. Die Arbeiten beginnen demnächst und dauern bis Mitte November. Dann werden laut Kühnis auf Gleis 1 und 21 die Deckbeläge eingebaut und somit eine erste Etappe der Bahnhofmodernisierung abgeschlossen. Ab 2014 wird dann an den Stellwerksanlagen gearbeitet, und es werden Gleise sowie Weichen ersetzt.

Berner Zeitung

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